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Corporate HealthGesundheit als Chefsache

Mitmachen ist Trumpf: Mit persönlicher Ansprache, Belohnung und vorbildlichen Vorgesetzten steigt die Akzeptanz von Gesundheitsangeboten am Arbeitsplatz. Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter lohnen sich.Andreas Schulte 21.11.2013 - 10:45 Uhr Artikel anhören

Yogaübung: Zunehmend helfen Firmen ihren Mitarbeitern beim Stressabbau.

Foto: dpa

Köln. Diese Marke sorgt für Aufmerksamkeit in der eigenen Belegschaft: Unter dem Namen 'Take Care' bietet der mittelständische Ingenieur- und Personaldienstleister Neumüller seinen 350 Mitarbeitern Gesundheitsleitungen an. Welche das sind, dürfen die Beschäftigten in Umfragen größtenteils selbst bestimmen. Das sorgt für eine hohe Motivation.

Im vergangenen Sommer nahmen alle internen 35 Mitarbeiter der Nürnberger Firmenzentrale an einer Rückenschule teil - auch Geschäftsführer Werner Neumüller war dabei. 'Die Chefetage lebt das Gesundheitsmanagement vor', erläutert Jörg Kühnlein, der das Qualitätsmanagement des Unternehmens leitet. 'Das motiviert die Belegschaft.'

Ob Aerobic oder Meditation, ob Rückenschule oder Zumba - zunehmend erkennen Unternehmen, dass sich Investitionen in eigene Gesundheitsprogramme schnell rechnen. Das Betriebsklima verbessert sich, gleichzeitig sinkt die Zahl der Fehltage. Doch nicht überall kommen die Angebote so gut an wie bei Neumüller.

Laut einer Untersuchung der Versicherung Continentale nimmt in Deutschland nicht einmal die Hälfte der Beschäftigten die Sportangebote des Arbeitgebers wahr. Bei medizinischen Angeboten scheren fast ein Drittel der Mitarbeiter aus.

Ein Selbstläufer sind auch attraktive Offerten nicht. 'Es reicht nicht aus, Maßnahmen zur Gesunderhaltung einfach nur zu entwickeln', erläutert Benjamin Klenke, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens EuPD Research Sustainable Management (RSM). 'Firmen müssen in der Belegschaft dafür werben und sie fest in der Unternehmenskultur verankern.'

Neumüller ist eines von zehn Unternehmen, die gestern mit dem 'Corporate Health Award 2013' für ein hervorragendes Gesundheitsmanagement ausgezeichnet worden sind - EuPD RSM ist gemeinsam mit dem Tüv Süd und dem Handelsblatt Initiator des Wettbewerbs. Den Sonderpreis 'Gesunde Hochschule' erhielt die Universität Bielefeld.

Die Volkskrankheiten der Deutschen
Volkskrankheiten haben nicht nur gesundheitliche sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen. Allein im Jahre 2010 waren die Bundesbürger 17,6 Tage im Durchschnitt krankgeschrieben.
Volkskrankheiten führen nicht zwangsläufig zum Tode. Deshalb ist es wichtig, zwischen Krankheiten und Todesursachen zu unterscheiden. Zu den häufigsten Todesursachen zählen in Deutschland der Herzinfarkt und der Schlaganfall. 42 Prozent der Bundesbürger waren hiervon betroffen.
Zu den zweithäufigsten Todesursachen zählt das Krebsleiden mit 35 Prozent. Frauen versterben neben Krebserkrankungen der Verdauungsorgane nicht selten an Brustkrebs. der Darm-und Lungenkrebs ist die häufigste Todesursache bei den männlichen Bundesbürgern.
Zu den häufigsten Erkrankungen gehört die Depression. Sie belegt den vierten Platz in der Rangliste mit 9,4 Prozent. Unter Depressionen sind unterschiedliche Erkrankungen zu fassen wie beispielsweise Angstzustände.
Unter den Begriff der Depressionen fällt auch das Krankheitsbild des Burn-out Syndroms. Betroffene sind meist körperlich, geistig und emotional erschöpft. Grund für diesen Zustand sind Stress oder berufliche Überbelastung.Eu-weit belaufen sich die volkswirtschaftlichen Folgekosten auf 20 Milliarden Euro jährlich.
Platz 3 belegen die Atemwegserkrankungen mit 18 Prozent. Mediziner unterscheiden zwischen den oberen und unteren Atemwegen. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören Krankheiten der Nasennebenhöhlen und Kieferhöhlenentzündungen. Die Bronchitis hingegen wird zu den Krankheiten der unteren Atemwege gezählt.
Gemeinsam mit den Atemwegserkrankungen ist die Fettstoffwechselstörung die dritthäufigste Krankheitsursache in Deutschland. Eine Störung des Stoffwechsels ist das Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Laut des Europäischen Statistikamts sind 60 Prozent der Deutschen übergewichtig.
Eine weitere Fettstoffwechselstörung ist die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Dabei wird zwischen Typ 1 und Typ 2 unterschieden. Typ 2 ist auf das Übergewicht zurückzuführen.
Mit 24,1 Prozent sind die Rückenschmerzen das zweithäufigste Volksleiden der Deutschen. Diese Zahl schlägt sich auch in den Krankheitstagen nieder. 13 Tage lässt sich der Bundesbürger wegen dieser Erkrankung krankschreiben.
25,7 Prozent der deutschen Bundesbürger leiden an Bluthochdruck. Damit belegt diese Erkrankung den ersten Platz. Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Außer der genetischen Veranlagung spielen Stress, Bewegungsmangel und ein überhöhter Alkoholkonsum eine wesentliche Rolle. Wird die Erkrankung nicht behandelt, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die Neumüller Unternehmensgruppe wurde in der Kategorie 'Mittelstand' ausgezeichnet. Die Mitarbeiter sind nicht nur gefragt, wenn es um die Auswahl der Bausteine von Fitness- oder Gesundheitsprogrammen geht. Sie benoten jede einzelne Maßnahme. Die neuen Hubtische für ergonomisches Arbeiten bei Neumüller beispielsweise erhielten die Bestnote.

In einem Bonusheft listen Mitarbeiter zudem auf, an welchen Gesundheitsveranstaltungen sie teilgenommen haben. Wer am Ende des Jahres ein volles Heft vorzeigen kann, wird belohnt. 'Zum Beispiel mit einem Fitnessgerät', erläutert Qualitätsmanager Kühnlein. Ganz grundsätzlich unterstützt wird, wer außer Haus trainiert. Das Familienunternehmen übernimmt für jeden Mitarbeiter die Kosten für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio.

Geschickt gesetzte Anreize für die Belegschaft sind ein guter Weg, um die Teilnehmerzahlen bei den Angeboten zu steigern. Über den Erfolg entscheidet aber auch die Organisation des Betriebs. Die Berliner Wasserbetriebe haben ihre Struktur gar verändert, um mehr Mitarbeiter für das Gesundheitsmanagement zu sensibilisieren.

Die hartnäckigsten Gesundheitsmythen
Wer sich gesund ernährt und mehr Gemüse als Fleisch isst, der tut seinem Körper etwas Gutes. Doch ein konkreter Schutz vor Krebs ist das nicht. Das ergab eine Studie von Hsin-Chia Hung und Walter Willet, Harvard University Boston/"Journal of the National Cancer Institute". Die Probanden, die mehr Obst und Gemüse aßen, hatten jedoch ein geringeres Herzinfarktrisiko.
Das stimmt leider nicht. Egal, wie dunkel die Schokolade ist, sie besteht in erster Linie aus Kakaobutter, Zucker und Kakaomasse. Im Gegensatz zu Milchschokolade enthält dunkle Schokolade keine Milch, folglich auch keinen Milchzucker. Die Kalorienzahl ist aber vergleichbar mit der der Milchschokolade.
Nein, Kaffee entzieht dem Körper kein Wasser. Koffein wirkt allerdings harntreibend: Wer viel Kaffee trinkt, muss also öfter die Toilette aufsuchen. Das bedeutet aber nicht, dass er dabei mehr Flüssigkeit verliert, als er mit dem Bürokaffee aufgenommen hat.
Es ist richtig, dass der Mensch "ausreichend" Flüssigkeit braucht. Er muss aber nicht zwangsläufig zwei Liter in Form von Wasser trinken. Auch Obst, Gemüse und Milchprodukte enthalten Flüssigkeit. Außerdem hängt der Flüssigkeitsbedarf davon ab, wie heiß es ist, wie viel der Mensch wiegt und ob man sich körperlich stark anstrengt. Pauschal eine Menge von zwei Litern zu empfehlen ist wenig sinnvoll. Zu viel Wasser kann dem Körper auch schaden. Wer ein normales Durstgefühl hat, nimmt automatisch genug Flüssigkeit zu sich.
Das stimmt nicht. Salat hat viel Folsäure, die der Körper braucht, aber Vitamin C etwa findet sich in der doppelten bis achtfachen Menge in Tomaten oder Paprika.
Cholesterin ist ein lebensnotwendiger, natürlicher Stoff und kein Schadstoff. Der Körper produziert selbst Cholesterin und stoppt die Produktion, wenn zu viel Cholesterin in Form von Nahrung aufgenommen wird. Nur wer eine Cholesterin-Stoffwechselstörung hat muss auf seine Ernährung achten. Alle anderen können so viele Frühstückseier essen, wie sie wollen.
Das stimmt nur, wenn Sie zu den so genannten salzsensitiven Menschen zählen. Bei denen kann der häufige Genuss von stark gesalzenen Speisen zu einem Anstieg des Blutdrucks führen. Da die Mehrheit der Menschen aber nicht salzsensitiv isst, müssen sie auch nicht auf Salz verzichten.
Immer wieder hört man, es sei besser fünf kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, als die drei großen Klassiker Frühstück – Mittag – und Abendessen. Im Grunde ist es völlig egal, wann man isst. Wer mit fünf „kleinen“ Mahlzeiten am Tag abnehmen möchte, läuft jedoch schnell Gefahr, zu viele Kalorien aufzunehmen. Wer sich an feste Mahlzeiten hält, behält besser den Überblick über die Gesamtmenge der aufgenommenen Kalorien.
Ob wir zu- oder abnehmen liegt an der Menge der Kalorien, die wir zu uns nehmen und nicht am Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme. Mehrere Studien haben widerlegt, dass Stoffwechselvorgänge am Abend ruhen und daher, wer abends mehr isst, schneller dick wird.
Zwar keine Ernährungsweisheit, aber ein Gesundheitsmythos ist, dass der Mensch gar nicht die volle Leistung des Gehirns ausschöpfe. Einmal heißt es 10 Prozent, ein andermal 25 Prozent. Mehr unserer Hirnkapazitäten nutzen wir nicht? Doch, tatsächlich nutzt der Mensch alle Bereiche seines Gehirns. Untersuchungen haben gezeigt, dass es keine inaktiven Teile gibt. So verführerisch der Gedanke an noch ungenutzte Areale und Möglichkeiten wie Telepathie und Telekinese sein mag, sie bleiben Fantasterei.

Betriebsärztlicher Dienst, Mitarbeiterberatung und Wiedereingliederungsmanagement - bei den Wasserbetrieben waren dies bis vor einem halben Jahr unabhängig voneinander operierende Einheiten. 'Dann haben wir alle Stellen, die mit Gesundheit zu tun haben, unter der Verantwortung eines Bereiches zusammengefasst, ihre Aufgaben stärker miteinander verzahnt und eine Gesamtstrategie erarbeitet', erläutert Felix Helsing vom betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Heute nehmen mehr Mitarbeiter diese Dienste in Anspruch. 'Sie wissen, dass sie schneller als zuvor Unterstützung und Informationen bekommen', sagt Helsing. 'Empfiehlt etwa der Betriebsarzt Hilfsmittel für den Arbeitsplatz, weiß die Mitarbeiterberatung gleich, wie diese zu beschaffen sind und welche finanziellen Mittel gebraucht werden.'

Auf persönliche Ansprache der Beschäftigten setzt Pharmahersteller Boehringer Ingelheim. In wenigen Tagen wird Gesundheitsmanagerin Anna Ernsting den nächsten Austausch mit den Kollegen starten - an einem Stand mit Plakaten und Infoflyern, strategisch klug platziert im Foyer des Mitarbeiterrestaurants. 'Hier passieren mehr als tausend Angestellte unseren Stand', sagt Ernsting.

Die Werbung vor Ort zahlt sich aus: Zu Vorträgen zum Thema 'Seelische Gesundheit' im September und Oktober dieses Jahres erschienen 1700 Mitarbeiter. 'Rund 200 weitere konnten wir nicht mehr aufnehmen', bemerkt Ernsting. Auch die Workshops waren überbucht. Laut Benjamin Klenke ist die Präsenz von Vorgesetzten generell hochwirksam. 'Die Einbindung von Führungskräften in das Gesundheitsmanagement ist das wichtigste Instrument der Mitarbeitermotivation.'

Bei Boehringer testet das betriebliche Gesundheitsmanagement zunächst die Popularität einzelner Maßnahmen. So veranstaltete das Unternehmen im letzten Jahr einen Workshop zum Thema E-Mail-Flut erstmals an nur einem Standort und bewarb ihn im Intranet und mit Plakaten. Erst wenn sich die Nachfrage als hoch erweist, wird das Konzept ausgerollt. 'Das Interesse war so enorm, dass wir den Workshop ins Standardangebot unserer internen Weiterbildung aufgenommen haben', sagt Ernsting.

Als weitere Gründe für den Erfolg des Gesundheitsmanagements sieht Ernsting das breite Portfolio an Angeboten. Und: 'Um Mitarbeiter zu erreichen, stimmen wir frühzeitig alle Maßnahmen mit dem Betriebsrat ab', erklärt sie. Das steigere die Akzeptanz bei den Mitarbeitern. Boehringer lässt sich das betriebliche Gesundheitsmanagement einiges kosten. Pro Jahr steht laut Unternehmen ein Budget im niedrigen zweistelligen Millionenbereich zur Verfügung.

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Klug investieren auch andere Gewinner des 'Corporate Health Award' in die Gesundheit der Mitarbeiter - darunter Klinikbetreiber Alexianer Krefeld und die Stadtwerke Osnabrück. Das Geld ist gut angelegt. Fallen doch allein aufgrund von Rücken- und Knochenleiden laut der britischen Stiftung Work Foundation in Deutschland jährlich 217 Millionen Arbeitsstunden weg.

Alle Krankheitsausfälle zusammen kosten die Unternehmen hierzulande laut einer Studie der Strategieberatung Roland Berger rund 60 Milliarden Euro. Das betriebliche Gesundheitsmanagement könne Fehlzeiten um 40 Prozent senken.

Als Faustregel für Investitionen in die Gesunderhaltung der Belegschaft gelten 100 Euro pro Jahr und Mitarbeiter. Der Betrag kann auch höher liegen - wenn etwa Leistungen wie der gesetzlich vorgeschriebene Arbeits- und Gesundheitsschutz mit eingerechnet werden. Dass die Ausgaben sich in jedem Fall lohnen, belegen verschiedene Studien. Das Drei- bis Sechsfache beträgt danach der Return on Investment.

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