Whatsapp-Alternative Threema: Der Preis der Sicherheit
Alternative zu Whatsapp: Der Messenger-Dienst Threema verspricht den Nutzern verschlüsselte Kommunikation.
Foto: dpaDüsseldorf. Man kann das Schweizer Unternehmen Threema klar zu den Gewinnern der NSA-Affäre zählen. Seit 2012 ist es mit seiner Messenger-App für Smartphones auf dem Markt und bietet den verschlüsselten Versand von Textnachrichten, Bildern und Videos an. Zeitweise gehörte das Programm der kleinen Softwareschmiede aus Zürich zu den beliebtesten Apps in deutschsprachigen Raum und erlebte nach der Übernahme des populären Messengers Whatsapp durch Facebook im Februar 2014 ein geradezu explosionsartiges Wachstum.
2,8 Millionen Nutzer hat Threema mittlerweile, Tendenz steigend. Doch nach wie vor entgehen dem Dienst zahlreiche Nutzer. Global betrachtet sind die Schweizer im Vergleich zu Branchenriesen wie Whatsapp (mehr als 500 Mio. Nutzer) oder dem im asiatischen Raum beliebten Wechat (ca. 400 Mio. Nutzer) ein Zwerg. Ist sichere private Kommunikation trotz der Ausspähung durch Nachrichtendienste und Internetkriminelle ein Nischenmarkt? Teilen Apps wie Threema das Schicksal von Verschlüsselungstechnologien wie PGP (Pretty Good Privacy), die trotz hoher Sicherheit meist nur von erfahrenen Nutzern angewandt werden?
Martin Blatter glaubt das nicht. Er ist einer von vier Informatikern, die Threema betreiben und weiterentwickeln – erst in der Firma Kasper Systems, jetzt in der eigens gegründeten Threema GmbH. „Aus unserer Sicht ist das Potenzial für Kurznachrichtendienste, die nicht nur vordergründig sicher sind, noch lange nicht ausgeschöpft“, sagt er. Doch die Schweizer haben festgestellt, dass es Anwender gibt, für die einfache Bedienung und gewisse Programmfeatures einen höheren Stellenwert haben als maximale Sicherheit beim Datentransport.
„Allgemein lässt sich erkennen, dass wenige Kunden nicht bereit sind, für die Sicherheit auch nur kleinste Abstriche an Komfort und Leistungsumfang zu machen und kein Verständnis für technische Restriktionen aufbringen wollen, die mit der asymmetrischen Verschlüsselung oder dem Schutz der Privatsphäre einhergehen“, sagt Blatter. Soll heißen: Sicherheit ja, aber nur wenn es für den Nutzer keinen zusätzlichen Aufwand bedeutet.
Denn das Verschlüsselungsverfahren, das hinter der Nachrichtenübertragung von Threema steckt, sieht auf den ersten Blick ein wenig kompliziert aus. Ein Schlüssel ist öffentlich, der andere ist nur auf dem Gerät des Nutzers hinterlegt. Nicht einmal die Macher der App, so sagen sie, könnten die Inhalte der Kommunikation entschlüsseln. Verkehrsdaten, also wer wem wann eine Nachricht schickt, werden auch nicht gespeichert.
Trotz einiger Kritikpunkte (siehe Infokasten): Threema bietet viel Sicherheit, die auch von unabhängigen Tests, etwa durch Stiftung Warentest oder den IT-Sicherheitsanbieter PSW bestätigt wird. Doch Begriffe wie „Public-Key-Verfahren“, „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ oder „Schlüsselpaare“ überfordern viele Nutzer.
Dazu kommt der Umstand, dass aufgrund der erhöhten Sicherheit einige bei Whatsapp bekannte Funktionen nicht möglich sind. Viele Nutzer von Threema beklagen etwa, dass sich in Gruppenunterhaltungen nachträglich keine neuen Mitglieder hinzufügen lassen – eine direkte Folge der Verschlüsselungstechnik. Dem Durchschnittsanwender fehlt hier schlicht das technische Wissen über die Hintergründe solcher Restriktionen. Die Threema-Macher versuchen, dem mit möglichst leichter Bedienung der App zu begegnen.
„Auch wenn die Konzepte des Public-Key-Verfahrens nicht ganz einfach zu verstehen sind“, sagt Blatter, „macht es Threema dem Nutzer sehr einfach, damit umzugehen. Aber es ist halt doch eine andere App, die einige Bedienkonzepte anders umsetzt.“ Durch Nutzeranfragen habe man auch festgestellt, dass manch ein Interessent auf der Suche nach einem sicheren Messenger eigentlich nur einen „exakten Klon der anderen App, nur irgendwie sicher“ erwartet.
Warum trotz inzwischen zahlreicher Alternativen zu Whatsapp und Co. noch immer eine wachsende Anzahl an Nutzern zu eben diesen relativ unsicheren Programmen greifen, kann sich auch Blatter nicht so recht erklären: „Vermutlich ist der Leidensdruck für viele einfach noch nicht groß genug. Oder man geht halt einfach dorthin, wo die meisten Bekannten schon sind.“
Er hofft aber, dass sich das Bewusstsein für sichere Kommunikation entwickelt: „Wir sind überzeugt, dass Ende-zu-Ende-Verschlüsselung langfristig zum Standard wird.“ Jede weitere Meldung über gehackte E-Mail-Konten oder gestohlene Kundendaten, die an die Öffentlichkeit gerät, dürfte dazu ihren Teil beitragen.
Korrektur:
Es wurde verdeutlicht, dass nicht mehr die Firma Kasper Systems die App entwickelt, sondern seit einigen Monaten die Threema GmbH.