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Deutscher Kulturförderpreis – Große Unternehmen ab 50.000 Mitarbeitern Längst nicht mehr uncool: Tanzen zur Musik von Bach

Seit 2015 unterstützt Daimler das Projekt „BachBewegt!“ der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Das Tanzprojekt führt junge Menschen an die Musik heran.
27.05.2021 - 18:50 Uhr Kommentieren
Den Körper als Ausdruckselement einsetzen Quelle: Holger Schneider
BachBewegt! 2018

Den Körper als Ausdruckselement einsetzen

(Foto: Holger Schneider)

Stuttgart Musikvermittlung ist ein wachsendes Geschäft: Da die Klassikwelt sich seit geraumer Zeit um den Nachwuchs sorgt, boomen die Bildungsprogramme an Institutionen wie Konzerthäusern, Musiktheatern und Festivals.

Die Aktivitäten sollen vor allem Schwellenängste nehmen und die Jugend „abholen“, wie es so schön heißt. Die Internationale Bachakademie Stuttgart ist eine Institution von internationaler Strahlkraft und geht mit ihrem Projekt „BachBewegt!“ seit acht Jahren einen ambitionierten Sonderweg.

Denn hier wird der Nachwuchs nicht da abgeholt, wo er angeblich steht, sondern konfrontiert mit ernsten Inhalten in professionellem Umfeld. Außerdem fordert die Teilnahme ein hohes Maß an Ausdauer und Engagement.

Hans-Christoph Rademann ist seit 2013 Leiter der Bachakademie und brachte auf der Suche nach neuen Formen der Musikvermittlung die Idee der tanzenden Erschließung geistlicher Musik ins Gespräch. Noch im gleichen Jahr startete das Projekt mit 100 Stuttgarter Schülerinnen und Schülern, die unter der Leitung seiner Frau, der Tänzerin Friederike Rademann, zur Musik von Bachs „Weihnachtsoratorium“ tanzten.

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    Seither gab es mehrere dieser Großprojekte. Sie verlangen bis zu ein Jahr Vorlauf, mit wöchentlichen Proben und intensiven Endphasen vor den Aufführungen. Darunter Bachs „Matthäuspassion“ und Mozarts „Requiem“. Da das Projekt wegen der Pandemie pausiert, müssen Youtube-Videos im Netz Eindrücke vermitteln. Neben den Profis der Bachakademie sieht man Jugendliche, die mit berührender Überzeugungskraft ausdrucksstarke Soli absolvieren und sich zu komplexen Gruppenformationen finden.

    Friederike Rademann reizt der ganzheitliche Anspruch: „Alle Sinne sind involviert in so einem Projekt. Die Choreografie ist zwar vorab grob festgelegt, aber alle bringen ihre Persönlichkeit mit ein und dürfen improvisieren. Sie werden ermuntert, ihre Bewegungen zu intensivieren, zu verbessern. Daran wachsen sie.“

    Hans-Christoph Rademann betont den hohen ästhetischen Anspruch des Projekts: „Mir ist sehr wichtig, damit ein Gesamtkunstwerk zu kreieren und dabei künstlerisch überhaupt keine Abstriche zu machen. Wir schicken das beste Aufgebot in diese Projekte, aber die Schüler müssen keinerlei Bedingungen erfüllen.“ Denn sie repräsentieren die gesamte Breite der Bevölkerung.

    Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart Quelle: Martin Förster
    Hans-Christoph Rademann

    Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart

    (Foto: Martin Förster)

    Anna-Katharina Kalmbach ist Lehrerin am Hebel-Gymnasium in Pforzheim und hat schon mehrfach mit Klassen bei „BachBewegt!“ teilgenommen: „Ich denke, das Bereichernde ist, dass die Teilnehmer sich sehr emotional mit der Musik und den großen Themen auseinandersetzen und lernen, den Körper einzusetzen als Ausdruckselement.“

    Auch ihr Schüler Arne Michaelis (Klassenstufe 10) hat bereits zweimal mitgetanzt: „Dieser Ausdruckstanz ist am Anfang komisch, in unserer Klasse herrschte zuerst große Skepsis. Aber am Ende entsteht eine starke Gruppendynamik.“

    Als Spross einer Musikerfamilie hatte Michaelis zwar schon einen Draht zur klassischen Musik, aber einfach mal so zur Musik zu improvisieren fiel ihm zunächst schwer. Das Tanzen hat für ihn den Zugang zur Musik intensiviert, außerdem glaubt er, dass die Arbeit mit dem Körper für das ganze Leben etwas bringt: „Es fördert die Kreativität, und für die Social Skills ist ja die Körpersprache sehr wichtig.“ Anfangs habe es zwar „uncool“ geklungen, wenn er Kumpeln erzählte, dass er zu Musik von Bach tanzt, aber das sei längst vorbei.

    Auch Hans-Christoph Rademann hat erlebt, dass viele im Projekt den „aufrechten Gang“ lernen: „Man muss auch große Anforderungen stellen. Das ist zwar nicht immer bequem, aber solche Erfahrungen sind dringend nötig.“ Das helfe beim Wachsen. Man sollte Schüler motivieren, nach den Sternen zu greifen. „Gewollter Nebeneffekt ist, dass die Musik sich nach einem Jahr intensiver Auseinandersetzung auch unbewusst verankert.“

    Renata Jungo Brüngger ist Vorstandsmitglied der Daimler AG und sieht im gesellschaftlichen Engagement ihres Konzerns für das Projekt einen Nutzen für das Gemeinwohl: „Nur wenn Bildung an erster Stelle steht, haben Gesellschaft und Wirtschaft eine gute Zukunft.“

    Seit vielen Jahren verbindet Daimler ein enges partnerschaftliches Verhältnis mit der Bachakademie, und das Projekt „BachBewegt!“ bewertet Jungo Brüngger als besonders nachhaltig: „Um erfolgreich zu sein, sind wir auf ein Umfeld angewiesen, in dem die Menschen gern leben und arbeiten.“ Ein hohes Bildungsniveau, kulturelle Vielfalt und soziale Stabilität seien wesentliche Voraussetzungen dafür. „‚BachBewegt!‘ ist ein schöner und wichtiger Teil davon.“

    Die eigenen Mitarbeiter seien stolz darauf, „wenn wir gemeinsam etwas Gutes bewirken können“, so Jungo Brüngger, aber „in erster Linie profitieren die Kinder, die Kunst und damit eben auch die gesamte Gesellschaft von diesem Projekt. Ich wünsche mir von Herzen, dass ‚BachBewegt!‘ nach Corona wieder voll durchstartet.“

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