Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

High-End-Auktionen in New York T-Rex-Skelett für 31 Millionen Dollar – Die Welt der Hochpreiskunst

Christie‘s nimmt für das Skelett eines Dinosauriers mehr ein als für ein Bild von Mark Rothko. Dabei wurde mit einem Preis von höchstens acht Millionen Dollar gerechnet.
09.10.2020 - 08:56 Uhr Kommentieren
31,8 Millionen Dollar war einem Bieter das Skelett wert. Quelle: Christie's
Tyrannosaurus Rex „Stan“

31,8 Millionen Dollar war einem Bieter das Skelett wert.

(Foto: Christie's)

New York Erfahrene Marktbeobachter haben schon einige Überraschungen in Christie’s New Yorker Abendauktionen erlebt. Da wurde mal eine ganzes Architektenhaus neben Bildern von Zeitgenossen zum Rekordpreis verkauft. In diesem Umfeld erzielte 2017 da Vincis „Salvator Mundi“ seinen atemberaubenden Preis. Aber ein Dinosaurier?

Am Dienstagabend war „Stan“, ein mit fast 200 originalen Knochen selten komplettes Skelett eines Tyrannosaurus Rex, in Christie’s Auktion „20th Century“ umschwärmter Höhepunkt der Vorbesichtigung. Dramatisch konnte das über elf Meter lange und fast vier Meter hohe Fossil vor pechschwarzem Hintergrund Besucher in Angst und Schrecken versetzen.

„Stan“ ist 67 Millionen Jahre alt und nach seinem Entdecker, dem Paläontologen Stan Sacrison, benannt. Um „Stan“ als letztes Los kümmerte sich sogar eine eigene Auktionatorin, die sehr erfahrene und charmante Tash Perrin, die sonst vor allem Objekte der Popkultur versteigert.

15 Minuten hielt Perrin fünf Kollegen an den Telefonen im Rennen – das einzige lange Bietergefecht des Abends. Erst weit über den höchstens erwarteten acht Millionen Dollar wurde „Stan“ bei 27,5 Millionen Dollar James Hyslop, Christie’s Head of Science & Natural History, zugewiesen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mit Aufgeld schuldet der bisher anonyme Käufer Christie’s 31,8 Millionen Dollar. Das bestätigt den Rekord von 1997, den Sotheby’s für „T. Rex Sue“ erzielt hatte. Damals zahlte das Field Museum in Chicago 8,4 Millionen Dollar, inflationsbereinigt heute 13,6 Millionen Dollar. 

    Der vorgezogene Termin für eine hochkarätige Abendauktion, die traditionell erst im November stattfindet, nutzt kurzfristig die Gunst der Stunde. Das erklärte Alex Rotter, Christie’s Co-Chairman 20th & 21st Century Art. Es könnte eine neue Ansteckungswelle geben, und um die Präsidentschaftswahl am 3. November sollte auch ein großer Bogen gemacht werden. „Ziehen wir diese Dinge in Betracht? Absolut. Innovation und Bruch mit Traditionen sind die neue Normalität.“

    Die Auktionatorin hielt 15 Minuten lang fünf Kollegen an den Telefonen in New York und London im Rennen. Am Ende lag der Preis für den Saurier „Stan“ fünfmal höher als geschätzt. Quelle: Christie's
    Tash Perrin (l.)

    Die Auktionatorin hielt 15 Minuten lang fünf Kollegen an den Telefonen in New York und London im Rennen. Am Ende lag der Preis für den Saurier „Stan“ fünfmal höher als geschätzt.

    (Foto: Christie's)

    Nun beeilte man sich kurzfristig, den Optimismus nach dem überraschend erfolgreichen Markttest im Sommer zu nutzen. In der Pressekonferenz nach der Auktion kündigte CEO Guillaume Cerutti eine zusätzliche zweite Abendauktion an, die entweder Ende November oder Anfang Dezember stattfinden wird. Auktionen in New York finden unter Corona-Auflagen immer noch ohne Saalpublikum statt. Christie’s nutzte die Gelegenheit, das Livestream-Format zu optimieren. Zu den für Kunden live bietenden Kollegen am Bildschirm kamen noch die Onlinebieter.

    Zum ersten Mal kümmerte man sich bei Christie’s um die zahlreichen Zuschauer an ihren Screens. 60.000 beteiligten sich über soziale Medien in Asien, am Ende dieser Auktion zählte man sogar 280.000. Um die vielen Neulinge zu informieren, murmelten zwei erfahrene Kollegen begleitende Kommentare, die an Sportturniere erinnerten. Nicht alles war nützlich, manchmal wurden nur Plattitüden serviert, wie „Jedes Gebot will gut überlegt sein“.

    Einlieferer ließen sich nicht bitten

    Unterm Strich fiel der Abend mit nur 55 angebotenen Losen von Impressionismus bis Gegenwart kürzer aus als gewohnt, vier Objekte waren zurückgezogen worden. 46 Zuschläge und damit 84 Prozent des Angebots sorgten für den über der Mindesterwartung liegenden 340,9-Millionen-Dollar-Umsatz. 

    Einlieferer hatten sich nicht lange bitten lassen und auch für diese Nebensaison ein beeindruckendes Angebot bereitgestellt. Allein fünf Gemälde sollten zu über 20 Millionen Dollar weitergegeben werden. Nicht nur sie waren durch Drittgarantien abgesichert. Insgesamt wurden so 14 Lose des Abends vorverkauft, manche erst ganz kurz vor der Auktion.

    Der Revlon-Eigentümer hat Kunst für über 145 Millionen Dollar versteigern lassen. Im Homeoffice wird weniger Make-up aufgetragen. Quelle: DOROTHY HONG/The New York Times//Redux/laif
    Ronald Perelman

    Der Revlon-Eigentümer hat Kunst für über 145 Millionen Dollar versteigern lassen. Im Homeoffice wird weniger Make-up aufgetragen.

    (Foto: DOROTHY HONG/The New York Times//Redux/laif)

    Einige Highlights, darunter die Spitzenreiter des Abends, steuerte die riesige Sammlung des New Yorker Unternehmers und Investors Ronald O. Perelman bei, der sich seit Juli von einigen Assets, darunter auch von Kunstwerken, trennt. Cy Twomblys Großformat „Untitled“ aus der begehrten 14-teiligen „Bolsena“-Serie von 1969, das einst auch in der Galerie Rudolf Zwirner in Köln hing, dominierte zwar die Top-Ten-Liste, jedoch nur zur unteren Taxe bei 35 Millionen Dollar, inklusive Aufgeld 38,7 Millionen Dollar.

    Und Mark Rothkos Farbspiel in warmen, dunklen Rottönen, das 1967, nach den meditativen düsteren Gemälden in der Rothko Chapel in Houston entstanden war, blieb mit 28 Millionen Dollar netto sogar unter den anvisierten 30 Millionen Dollar. Allgemein blieben Gebote im Spitzenbereich verhalten, manches war zu aggressiv getaxt.

    Verkäufe von US-Museen

    Paul Cézannes seltenes, marktfrisches Stillleben, für das unveröffentlicht um 25 Millionen Dollar erwartet wurden, konnte ein Telefonbieter in London bereits bei 28,26 Millionen Dollar ergattern. Das Aquarell „Nature morte avec pot au lait, melon et sucrier“ wurde aus dem Nachlass von Edsel Ford verkauft, Sohn des Gründers der Ford Motor Company in Detroit. Er hatte es 1933 erworben.

    Auch zwei kleinere US-Museen verkauften attraktive Werke, ausnahmsweise nicht nur, um Mittel für Akquisitionen freizumachen, sondern auch zur Aufrechterhaltung ihres Betriebs. Vor Ausbruch der Pandemie war das nach den strengen Richtlinien der Association of Art Museum Directors undenkbar, ist nun aber vorübergehend gestattet.

    So verliert das kleine Everson Museum of Art in Syracuse wahrscheinlich sein einziges Gemälde von Jackson Pollock. „Red Composition“ ist eines der ersten Drip-Gemälde aus Pollocks wichtigem Jahr 1946. Auch hier wurde gerade die untere Erwartung von zwölf Millionen Dollar bestätigt oder 13 Millionen brutto – vorläufig. Denn wie der Onlinekatalog erwähnt, wird der Verkauf gerade bei der zuständigen New Yorker Behörde angefochten.

    Munter schlug sich dagegen Picassos in Braun und Grau gemalte Henne „La Poule“ aus den Springfield Museums in Massachusetts und landete taxgerecht auf 4,4 Millionen Dollar.

    70 Prozent Amerikaner unter den Bietern

    Erwähnenswert ist auch ein neuer (allerdings in die Taxe eingebauter) Rekord für Emil Nolde, der mit dem herausragenden „Herbstmeer XVI“ bei 7,3 Millionen Dollar erzielt wurde. Der Einlieferer hatte das Bild 1994 in London bei unter einer Million Dollar ersteigert. Nur selten kletterten Zuschläge über die Erwartungen hinaus.

    Zu den Ausnahmen gehörte Pierre-Auguste Renoirs seltenes Stillleben mit Anemonen (1890) aus dem Nachlass von Richard D. Wood, lange CEO der Pharmafirma Eli Lilly & Co. Hier liefen die Telefone heiß. Vom Aufruf bei 600.000 Dollar schraubte es sich schnell auf 2,8 Millionen Dollar hoch und motivierte auch die sehr zurückhaltenden Teilnehmer in Hongkong. Insgesamt stellten Asiaten 13 Prozent der Käufer gegenüber Amerikanern mit 70 Prozent.

    Mehr: Auktionen: Sportschuhe von Promis werden zu Luxusobjekten in einem wachsenden Markt

    Startseite
    Mehr zu: High-End-Auktionen in New York - T-Rex-Skelett für 31 Millionen Dollar – Die Welt der Hochpreiskunst
    0 Kommentare zu "High-End-Auktionen in New York: T-Rex-Skelett für 31 Millionen Dollar – Die Welt der Hochpreiskunst"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%