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MessenachberichtZwischen Tradition und Innovation

Die Fine Art Biennale FAB versuchte im Pariser Grand Palais einen Neustart, aber die Zeiten für die konservative Messe bleiben schwierig.Stefan Kobel 30.09.2025 - 07:56 Uhr Artikel anhören
FAB Paris 2025: Ein Blick auf die Messehallen im Grand Palais. Foto: © Tanguy de Montesson

Paris. Obwohl der Termin in den September vorgezogen wurde und nun vier Wochen vor der Art Basel Paris am gleichen Ort liegt, haben einige Aussteller der Messe den Rücken gekehrt. Die Klimt- und Schiele-Spezialisten Wienerroither & Kohlbacher aus Wien waren nicht mehr dabei, auch der Porzellanhändler Röbbig habe sich für diese Ausgabe gar nicht mehr beworben, heißt es – inzwischen ist er bekanntlich insolvent. Einheimische waren ebenfalls nicht mehr auf der Messe vertreten. Etwa der Mid-Century-Händler François Laffanour, der die internationalere Design Miami bevorzugt. Kollege Jousse Enterprise hingegen geht den umgekehrten Weg. Im Grand Palais hat er schließlich deutlich mehr Platz.

Zahlreiche Wiedersehen gab es bei Landau Fine Art aus Montreal. Der größte Einzelstand der Messe war zwar in der zentralen Achse untergebracht, aber ganz am Ende, wo weniger los ist. Ihm wird es nicht unrecht gewesen sein, denn seine Kunden finden eh zu ihm. Der Eyecatcher seiner Präsentation war derselbe Picasso, der schon mehrfach zu sehen war – zuletzt in Maastricht und Basel –, mit dem manchmal auf Nachfrage genannten Preis von 50 Millionen Euro. Jetzt stand das Bild wieder einmal nicht zum Verkauf, weil es das zentrale Stück der eigenen Sammlung sei, so die Auskunft. Dass man es zeige, sei eine Hommage an das Gebäude, weil das Gemälde hier 1967 zum ersten Mal öffentlich zu sehen gewesen sei. Ebenfalls wieder am Stand war ein Frauenporträt von Alberto Giacometti, das wie auf der Art Basel immer noch 9,25 Millionen Euro kostete, nachdem es im September 2024 in der Auktion bei Kornfeld für 4,3 Millionen zugeschlagen worden war.

Völlige Transparenz herrschte hingegen bei Rumbler aus Frankfurt, dem einzigen verbliebenen deutschen Aussteller. Für jedes Werk am Stand war der Preis angegeben. Goyas berühmtes Blatt „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ kostete 38.000 Euro. Es dürfte nicht zuletzt diese Offenheit von Petra Rumbler sein, die ihr auch in Paris eine treue Sammlerschaft beschert. Der nach eigenen Recherchen einzige andere Aussteller, der konsequent alle Exponate offen auspreiste, war Thomas Gibson, der mit einem Mix vor allem französischer Nachkriegsmoderne aus London angereist war. London sei aktuell kein idealer Standort, um kontinentaleuropäische Sammler zu erreichen, lautete die Begründung für seine Erstteilnahme an der ansonsten sehr französischen Messe.

Selbst auf einer konservativen Messe wie der FAB, der ehemaligen Biennale des Antiquaires, erprobt man neue Modelle. Die zeitgenössische Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois hatte vier Kollegen eingeladen, die unterschiedliche Epochen und Sparten vertreten, um einen gemeinsamen Stand zu gestalten. Als Kurator hatten sie Jean-Hubert Martin gewonnen, der auch in Deutschland vielen noch aus seiner Zeit als Direktor des Museum Kunstpalast in Düsseldorf bekannt sein dürfte. Hier in Frankreich gilt der ehemalige Leiter des Centre Pompidou als Star. Vallois, die Galerie 1900–2000, Didier Claes, Brimo de Laroussilhe und Clavreuil zeigten Kunst aus zehn Jahrhunderten, von Buchmalerei über afrikanische Stammeskunst, Klassische Moderne bis hin zu Zeitgenossen. So etwas habe es noch nicht gegeben, so die kühne und möglicherweise korrekte Ansage. Auch die Pariser Galerien Chaptal, spezialisiert auf das 19. Jahrhundert, und Tarantino mit Antiken und Alten Meistern teilten sich einen weniger spektakulären Stand.

Louis de Bayser, Präsident der Messe, gibt zu, dass es nicht einfach ist, in diesen schwierigen Zeiten Händler zur Teilnahme an dieser Messe zu bewegen. Er begrüßte daher die Initiative von Vallois und glaubt, dass dieses Modell durchaus Schule machen könnte. Es würde Händlern die Chance bieten, an der Messe teilzunehmen, ohne einen kompletten Stand mieten zu müssen. Zudem würden sich für die Besucher neue Perspektiven eröffnen. Die Messe profitiert davon allerdings ebenfalls. Sie kann auf diese Weise mit Namen renommieren, die ansonsten auf der Ausstellerliste fehlen würden. Ein paar weitere dieses Kalibers könnte die FAB gut gebrauche.

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