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Tefaf in Maastricht Die Königin der Messen bedient den Geschmackswandel

Die Tefaf steht für höchste Qualität bei Alten Meistern, Asiatika und Antiken. Sie folgt jedoch dem Zeitgeschmack und setzt stärker auf Design und Gegenwartskunst.
05.03.2020 - 17:16 Uhr Kommentieren
Das aus internationalen Geldnoten genähte Kleid einer Naturforscherin findet sich auf dem Stand von Patrick Heide in der Sektion für Arbeiten auf Papier. Quelle: Patrick Heide Gallery
Susan Stockwell: „Money Dress“

Das aus internationalen Geldnoten genähte Kleid einer Naturforscherin findet sich auf dem Stand von Patrick Heide in der Sektion für Arbeiten auf Papier.

(Foto: Patrick Heide Gallery)

Maastricht Ein Kleid aus Geld mag auf Anhieb eine anschauliche Metapher darstellen für „The European Fine Art Fair“, kurz „Tefaf“ genannt. Wird die Spitzenmesse in Maastricht doch oft „Königin der Kunstmessen“ genannt.

Doch das „Money Dress“ von Susan Stockwell bei Patrick Heide aus London steht für mehr. Das der Garderobe einer der wenigen Naturforscherinnen des 19. Jahrhunderts nachempfundene Kunstwerk symbolisiert auch das Bemühen der altehrwürdigen Veranstaltung, den Geschmackswandel und die sich ändernden Sammelgewohnheiten eines global gewordenen Reichtums abzubilden.

Mit einem Preis von 48.000 Euro rangiert die bereits mit musealen Weihen versehene Arbeit Stockwells hier tatsächlich noch in der Einsteigerregion. Ermöglicht werden derartige Präsentationen durch die niedrigeren Teilnahmekosten in der Abteilung „Works on Paper“.

Der im Vergleich intime Schauraum ist im Rahmen der Tefaf so etwas wie ein Fenster in die Zukunft. Hier fällt am ehesten der noch gar nicht so alte Trend des Cross-Collecting auf – des Sammelns über Sparten und Epochen hinweg. Die Aussteller dürfen jenseits ihres Spezialgebiets eine gewisse Anzahl anderer Objekte präsentieren. Wenn das eigene Metier aus Papier besteht, fällt eine raumgreifende Installation von Karel Appel ins Auge. Emanuel von Baeyer aus London erwartet dafür eine niedrige sechsstellige Summe.

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    Ideal platziert scheint hier auch die Frankfurter Instanz für Altmeister-Graphik, Helmut H. Rumbler. Die Kunsthandlung ist aus dem schwergewichtigen Untergeschoss hierhergezogen. Sie brilliert unter anderem mit „Adam und Eva“ von Rembrandt zu einem Preis von 350.000 Euro. Das gleiche Sujet von Albrecht Dürer ist schon vor der Eröffnung für ein japanisches Museum reserviert, dessen Vertreter eigens anreist.

    Der Anteil deutscher Aussteller ist hier ungewöhnlich hoch und mit deutschen Künstlern gut besetzt. Max Beckmann etwa ist mit einem so ungewöhnlichen wie prächtigen Blumenstillleben von 1914 bei Utermann für 650.000 Euro und einem Selbstporträt bei Le Claire aus Hamburg für über zwei Millionen Euro vertreten.

    Der Blick fällt an Karel Apels Skulptur
    Galerie Gmurzynska

    Der Blick fällt an Karel Apels Skulptur "Head on a Chair" vorbei in den schön gestalteten Ausstellungsraum "The Sistine Chapel of Abstract Art" mit Arbeiten des De Stijl-Künstlers Theo van Doesburg. An der Wand (li.) hängt Robert Indiana’s Gemälde "Red Sails" von 1963.

    (Foto: VG Bild-Kunst für Robert Indiana; Galerie Gmurzynska)

    Als Zeichen der Zeit ist die Geschichte des 1760 gegründeten Hauses Colnaghi zu sehen. Seit dem Kauf durch Konrad O. Bernheimer von Rudolf Oetker 1981 hat die Eigentümerstruktur des Altmeisterhändlers ebenso an Dynamik gewonnen wie seine Angebotspalette.

    Die zwischenzeitlichen Eigentümer Bernheimer und Katrin Bellinger sind längst wieder ausgeschieden, um einer jüngeren Generation Platz zu machen. Jorge Colls (40) Miteigentümer Nicolas Cortes hat sich von dem Unternehmen bereits nach nur wenigen Jahren wieder getrennt und ist jetzt mit eigenem Stand weiter hinten in der Halle vertreten.

    Neu an Bord von Colnaghi ist seit letztem Jahr die achtunddreißigjährige Russin Victoria Golembiovsjkaya als CEO. Sie arbeitet seit 2006 mit zeitgenössischen Künstlern in Moskau. Später organisierte sie in London in verschiedenen Immobilien vor deren Weiterverkauf Pop-up-Shows, in denen sie Modern Contemporary, Design und Alte Meister kombiniert.

    Es gehe ihr darum, Antike und Altmeister einem zeitgenössischen Publikum nahezubringen, erzählt sie. Das Programm Colnaghis hat sich entsprechend erweitert und erstreckt sich jetzt über mehrere Jahrtausende und eine Preisspanne von „50.000 bis fünf Millionen“.

    Anbieten, was dem Kunden gefällt

    Colnaghi steht damit für einen Trend, den die Leitung der Tefaf nach New York nun auch in Maastricht aktiv verfolgt. Sophie Scheerlinck ist als Managing Director aktuell zuständig für die beiden New Yorker Messen und soll in Zukunft dafür sorgen, dass die Teams in den Niederlanden und in New York zu einem zusammenwachsen.

    Scheerlinck steht für den amerikanischen Geist, der eher der Gegenwart zugewandt ist, wie ihn der Galerist Christophe van de Weghe repräsentiert. Er ist Vorsitzender der Moderne-Abteilung und eine starke Figur innerhalb der Tefaf-Organisation. Er möchte auch die europäische Ausgabe stärker in Richtung Zeitgenossenschaft trimmen.

    Nanne Dekking, der Vorsitzende der Tefaf, erklärt die Strategie, wie die Messe im internationalen Wettbewerb die Spitze behaupten will: „Wir sind schon sehr einzigartig in der Messelandschaft. Das hilft schon mal. Eine Messe ist kein Trendsetter. Selbst die Händler können ihren Kunden nur das anbieten, was denen gefällt.“

    Im Moment seien Moderne und zeitgenössische Kunst sehr gefragt. „Und wir sind froh, dass wir es geschafft haben, dieses Segment auf das gleiche Niveau zu bringen wie die Sektionen der Alten Kunst. Und wir sind sehr froh zu beobachten, dass die Kunden dieser Galerien jetzt auch anfangen, Old Masters zu kaufen.“

    Der Kunsthändler aus München rückt eine höfische Renaissance-Kassette ins rechte Licht. Quelle: Oliver Berg/dpa
    Georg Laue

    Der Kunsthändler aus München rückt eine höfische Renaissance-Kassette ins rechte Licht.

    (Foto: Oliver Berg/dpa)

    In der Umsetzung ist das nicht ohne Risiko. Denn einerseits hat Dekking recht: Messen sind keine Trendsetter, sie bedienen Trends. Doch mit ihrer Öffnung begibt sich die Tefaf auf ein Terrain, das bereits von zahlreichen Mitspielern wie der Art Basel und der Frieze besetzt ist. Dabei gibt sie Felder auf, auf denen sie bisher unangefochten Nummer eins war.

    Besonders deutlich wird das in der Design-Abteilung. Wolfgang Bauer mit seiner Wiener Beletage und Ulrich Fiedler aus Berlin sind aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr dabei. Damit hat die Schau die prominentesten Vertreter von Wiener Werkstätten und Bauhaus verloren.

    Stattdessen dominiert jetzt „Mid Century“ mit neuen Ausstellern wie Carpenters Workshop. Das Dargebotene reicht bis zur 1965 bei Poltronova produzierten Wohnwand von Ettore Sottsass, die den Stand von Friedman Benda aus New York dominiert.

    Nachwuchsmangel bei den Altmeister-Händlern

    Es leuchtet ein, dass die unzähligen Luxuswohnungen etwa rund um den Central Park in New York oder anderswo im achtstelligen Preisbereich adäquat eingerichtet werden wollen. Doch erledigen diesen Job zum Beispiel die PAD-Messen in London und Paris bereits recht gut. Die Hoheit über den musealen Bereich aufzugeben, um in dem Segment der – zugegeben extrem exklusiven – Inneneinrichtung mitzumischen, birgt die Gefahr, am eigenen Nimbus zu kratzen.

    Eine große Herausforderung stellt der Nachwuchsmangel gerade bei den Altmeister-Händlern dar. Georg Laue aus München, der der Sparte „Skulptur und Angewandte Kunst“ vorsitzt, hat dieses Problem nicht. Seine Sektion hat ganz gut aufholen können. Mit Stuart Lochhead Sculpture hat er einen neuen, hochkarätigen Kollegen in seiner Sektion. Der Londoner wartet mit einem betörenden kleinen Kruzifix von Giovanni Pisano für 3,4 Millionen Euro auf. Aus Weinheim ist Friedel Kirsch erstmals mit dabei, die den Porzellanhandel Elfriede Langeloh in der dritten Generation führt.

    Die deutlich verringerte Besucherschar, die sich von der Corona-Epidemie nicht abschrecken lässt, findet im Bereich des 19. Jahrhunderts nach einigen Jahren ohne besondere Highlights wieder Objekte im achtstelligen Bereich.

    Die New Yorker Hammer Galleries werden ihre Gründe haben, die „Drei Tänzerinnen in gelben Röcken“ von Edgar Degas auf der Maastrichter Ausgabe der Tefaf zu präsentieren. Sie ist eben doch immer noch die Königin der Kunstmessen und vielleicht der beste Ort, um solch ein Werk zu einem Preis oberhalb des bisherigen Auktionsrekords von 37 Millionen Dollar anzubieten.

    Mehr: Sammler lassen sich vom Coronavirus nicht abschrecken: Lesen Sie hier über den Auftakt der Armory Show in New York.

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