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Wien Albertina modern: Geschenk eines Baumilliardärs

Strabag-Gründer Hans Peter Haselsteiner nahm 50 Millionen Euro in die Hand und bescherte Wien so eine flotte Zweigstelle der bekannten Albertina.
07.06.2020 - 10:40 Uhr Kommentieren
Die Albertina Modern bietet für provokante zeitgenössische Kunst aus Österreich eine prachtvolle Hülle. Quelle: Albertina Modern
Künstlerhaus am Karlsplatz

Die Albertina Modern bietet für provokante zeitgenössische Kunst aus Österreich eine prachtvolle Hülle.

(Foto: Albertina Modern)

Wien Kein roter Teppich, kein Bundespräsident, kein Künstlerauflauf – die Albertina modern in Wien öffnete zwangsweise ohne Pomp und Gloria in Wien. Ursprünglich sollte die Albertina modern bereits im März ihre Pforten öffnen und den internationalen Kunsttourismus nach Wien befeuern.

Doch das Coronavirus machte dem Ermöglicher des Museums für Moderne Kunst, Hans Peter Haselsteiner, einen Strich durch die Rechnung. „Zwei Tage vor dem Lockdown mussten wir alles absagen. Wir werden die Eröffnung nachholen, doch noch weiß ich nicht genau wann“, verspricht der Gründer des Baukonzerns Strabag und Milliarden Euro schwerer Kunstmäzen.

Haselsteiner will mit der Albertina modern der Kunst des 20. und 21. Jahrhundert eine Bühne im Herzen der Donaumetropole bieten. Das war ihm sehr viel Geld wert. Das Haus am Wiener Karlsplatz ließ der Unternehmer auf eigene Kosten renovieren. „Ich habe über meine Familienstiftung 50 Millionen Euro investiert“, berichtet Haselsteiner. Seine Familienstiftung besitzt 74 Prozent der Künstlerhaus Besitz- und Betriebs GmbH. Die vor vier Jahr gegründete Firma zeichnete auch für die Renovierung verantwortlich.

Der Standort in Wien am berühmten Karlsplatz gegenüber dem Musikverein und um die Ecke des Hotels Imperial könnte für die Präsentation moderner Kunst nicht besser sein. 1865 schenkte Kaiser Franz Joseph der Künstlerschaft seines Imperiums den historistischen Stadtpalast. Über zwei Dekaden war der Palazzo hinter hässlichen Baugerüsten versteckt. Nun erstrahlt er in milchweiß mit der knallroten Aufschrift „Albertina modern“.

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    Dass Haselsteiner mit seiner Sammlung in diesem prominenten Gebäude landet, ist das Verdienst des 64-jährigen Albertina-Chefs Klaus-Albrecht Schröder. „Bei einer zufälligen Begegnung mit Herrn Schröder schlug er mir das Künstlerhaus vor. Anfangs war ich skeptisch, doch meine Avancen beim Künstlerhausverein stießen glücklicherweise auf Wohlwollen“, erinnert sich Haselsteiner.

    Die Malerin, hier vertreten mit ihrem 1975 entstandenen Ölgemälde
    Maria Lassnig

    Die Malerin, hier vertreten mit ihrem 1975 entstandenen Ölgemälde "Mit einem Tiger schlafen", gehört zu den großen Künstlerinnen Österreichs (Ausschnitt).

    (Foto: Maria Lassnig Foundation/VG Bild-Kunst 2020)

    Die Albertina modern ist das glückliche Ende eines Dramas um die moderne Kunst. Denn 2014 geriet die österreichische Baumarkt-Unternehmerfamilie Essl in eine Schieflage. Mit dem Ende der Baumarktkette wäre beinahe auch das Ende der legendären Sammlung für zeitgenössische Kunst besiegelt gewesen. Doch Haselsteiner griff damals beherzt ein, als der österreichische Staat taten- und mutlos war. Heute gehören ihm 60 Prozent der früheren Sammlung Essl, die er der Albertina für 27 Jahre zur Verfügung stellt.

    Den restlichen Anteil der Kollektion mit 4600 Werken erhielt die Albertina als Schenkung von der Familie Essl. „Damit hat Prof. Essl die Bedingung verknüpft, die Werke auch zu zeigen“, sagt Haselsteiner. Das wird nun erfüllt.

    Die Albertina modern kann an ihren neuen Standort auf dem Vollen schöpfen. Auf 2000 Quadratmeter im Erd- und Untergeschoss sind in der Ausstellung „The Beginning. Kunst in Wien nach 1945 bis 1980“ Österreichs einflussreichste Künstler zu finden.

    Ansturm der einheimischen Besucher

    Die Werke reichen von Arnulf Rainer über Valie Export und Maria Lassnig bis hin zu Günter Brus und Gottfried Helnwein. Aber auch der unvermeidliche Friedensreich Hundertwasser alias Friedrich Stowasser und der wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Aktionskünstler Otto Mühl sind zu sehen. „Wenn wir in London oder in New York wären, würde die Sammlung als eine Sensation wahrgenommen“, ist sich Haselsteiner sicher.

    Selbst ohne ausländische Touristen ist der Ansturm in der neuen Albertina-Zweigstelle enorm. Angesichts des Andrangs der vielen einheimischen Besucher lässt sich der Mindestabstand insbesondere an Wochenende kaum einhalten. Dem Initiator und Mäzen freut die positive Resonanz der Eröffnungsausstellung. „Ich bin mit der Albertina modern sehr zufrieden. Sie ist mir eine große Freude. Die Albertina ist der beste Partner, den es in Österreich gibt“, lobt Haselsteiner seinen neuen Partner.

    Für den legendären Bauunternehmer ist die Albertina modern nicht nur ein Projekt, sondern wie ein zweites Zuhause. „Ich arbeite nun im Dachgeschoss des Künstlerhauses mit einem Blick über den Karlsplatz, den ich genieße“, berichtet der liberale Ex-Politiker. „Ich bin jetzt mit 75 Jahren aus der Strabag ausgeschieden und habe mein Büro in der Konzernzentrale aufgegeben. Ein Haselsteiner genügt im Haus.“

    Das mit Mitteln des Strabag-Gründers Hans Peter Haselsteiner renovierte ehemalige Künstlerhaus von Wien bereitet der ehemaligen Sammlung Essl eine prachtvolle Bühne. Quelle: Albertina Modern
    Albertina Modern

    Das mit Mitteln des Strabag-Gründers Hans Peter Haselsteiner renovierte ehemalige Künstlerhaus von Wien bereitet der ehemaligen Sammlung Essl eine prachtvolle Bühne.

    (Foto: Albertina Modern)

    Haselsteiners Sohn Klemens arbeitet nun als Vorstand für Digitalisierung, Unternehmensentwicklung und Innovation in der Konzernzentrale unweit der UNO-City, fernab des historischen Zentrums von Wien.

    Die moderne Kunst ist Haselsteiners lebenslange Liebe: „Schon in jungen Jahren kam ich mit moderner Kunst in Berührung. Über meinem Freund Walter Nagel habe ich gelernt, wie schwer es für zeitgenössische Kunst in Österreich ist.“ Der Bildhauer und Maler aus Tirol war für ihn wie ein väterlicher Freund – mit Folgen. Seit Jahrzehnten unterstützt einer der reichsten Österreicher die zeitgenössische Kunst.

    „Die moderne Kunst ist mir ein großes Anliegen“, sagt Haselsteiner und meint es sehr ernst. In seiner als Strabag-Sammlung bekannten Kollektion hat er zeitlebens knapp 3000 Werke mit Schwerpunkt ab 1955 bis heute erworben. Und Haselsteiner, dessen Vermögen die US-Zeitschrift Forbes zuletzt auf 1,8 Milliarden Euro schätzte, setzt seine Arbeit fort: „Ich kaufe weiter Kunstwerke. Die Sammlertätigkeit hört nie auf.“ Die transparente Konzernzentrale der Strabag ist vollgestopft mit moderner Kunst. „Für mich war und ist Kunst immer ein wichtiges Kontrastprogramm.

    Kritisches Verhältnis zur Architektur

    Die Auseinandersetzung mit moderner Kunst ist eine notwendige, zumindest aber höchst wünschenswerte Provokation“, sagt der Unternehmer. Zur zeitgenössischen Architektur hat er hingegen ein kritisches Verhältnis. „Ob Architektur Kunst ist, das ist eine gute Frage. Architektur muss Funktonalität berücksichtigen. Dadurch ist sie nicht so frei, wie es die bildende Kunst sonst ist“, sagt er in Anspielung auf die Schweizer Architekten Herzog & Meuron, die beispielsweise die sündhaft teure Elbphilharmonie entworfen hatten.

    Die Albertina modern im architektonischen Historismus ist mit ihrer teilweise noch immer provokativen Kunst ein wahrhaftes Kontrastprogramm zur baulichen Hülle. Bislang fristet die österreichische Gegenwartskunst abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Franz West oder Erich Wurm eher ein Mauerblümchendasein. Mit der Albertina modern „soll auch die Kunstgeschichte Österreichs nach 1945 einen völlig neuen Stellenwert erhalten“, hofft Albertina-Chef Schröder. Die Chancen dafür stehen durch das Engagement von Haselsteiner dafür so gut wie nie.

    Mehr: Sammlung Würth: Der 40 Millionen Euro-Deal

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