007-Erlebniswelt in Sölden: James Bond lockt auf den Gletscher
Das futuristische Glashaus Ice Q auf dem Gaislachkogel war Kulisse des jüngsten Bond-Films "Spectre".
Foto: HandelsblattSölden. Eingepackt wie Polarforscher mit dicken Wollmützen und Handschuhen prüfen die Bauarbeiter die Armierung der Betonwände. Auf über dreitausend Metern ist das zum Beginn der Wintersaison auf dem Gaislachkogel hoch über den österreichischen Ferienort Sölden kein Vergnügen. Bereits im November liegt der Schnee bereits über ein Meter hoch. Die Temperaturen sind arktisch. Das Schlimmste: der Zeitdruck ist gewaltig. Denn bereits im nächsten Jahr soll die weltweit erste James Bond-Erlebniswelt für einen zweistelligen Millionen-Beitrag auf dem alpen Plateau seine Türen eröffnen.
Der Mastermind der 007-Inszenierung im Herzen Tirols ist ungeduldig. „Wir eröffnen im Winter 2017/2018“, verspricht Jakob („Jack“) Falkner, Unternehmer und Geschäftsführer der drei Söldener Bergbahnen. Nach Jahrzehnten des Bauen im Ötztal weiß er: unerwartete Hindernis gibt es immer. Doch von seiner Mission ist der Tiroler zutiefst überzeugt. Er will mit der futuristischen Kinoinstallation von James Bond dem großen Wintersportort Sölden ein besseres Image und vor allem noch sehr viel mehr Touristen bescheren. „007 wrid uns neue Märkte erschließen, beispielsweise in Asien“, ist sich Falkner sicher.
Das nur 3200 Einwohner große Dorf ist seit dem letzten 007-Film „Spectre“ im Bond-Fieber. Schließlich fanden die Dreharbeiten im spektakulären Glashaus Ice Q auf dem Gaislachkogel statt. Im Bergrestaurant mit imposantem Alpenpanorama wurde im Film eine futuristische Privatklinik, in der James Bond (Daniel Craig) vergeblich versucht, die Entführung der Psychologin Madeleine Swann (Léa Seydoux) zu verhindern. Direkt daneben wird die James Bond-Kinoinstallation in ebenfalls futuristischer Architektur entstehen.
Der hypermoderne Bau kostet sehr viel Geld. Schließlich soll die James-Bond-Erlebniswelt eine Fläche von 1300 Quadratmeter und eine 234 Quadratmeter große Plaza umfassen. Das Grundstück ist spektakulär: links und rechts geht es in die Tiefe, dahinter liegt eine Felswand. Einen zweistelligen Millionenbetrag werden die Söldener Bergbahnen am Ende ausgeben. Falkner, der Schneekaiser des Ötztal, nennt lieber keine genaue Bausumme. Als Bauherr bei der Erschließung im neuer Pistenkilometer in seiner Tiroler Heimat weiß der Manager nur zu gut: am Ende wird es immer teurer als am Anfang geplant. Der frühe Wintereinbruch in diesem Jahr setzt den Bauarbeiten längst zu. Stoppen kann der Schnee die Errichtung der James-Bond-Welt aber nicht. Auch bei Minusgraden wird in über 3000 Meter Höhe fleißig betoniert.
Der Weg, überhaupt die Erlaubnis zum Bau der James Bond-Erlebniswelt zu bekommen, war ein gewaltiger Hindernislauf. Bei den 15-tägigen Dreharbeiten hatte Falkner gute Beziehungen zu leitenden Mitarbeitern von Eon Productions. Mit seinem Netzwerk und seiner Hartnäckigkeit ist es ihm gelungen, die Markenrechte für sein James Bond-Monument im Ötztal zu erwerben. Die Londoner Filmfirma Eon Productions der Bond-Produzentin Barbara Broccoli hat grünes Licht gegeben.
„Die Marke und die Natur sind einmalig“, schwärmt Jack Falkner unten im Tal beim Gespräch. „Der Bau ist kein Museum, sondern er wird mit Hilfe modernster Technik auf eine neue, einzigartige Weise Augen und Ohren ansprechen“, verspricht der Tourismusmanager, der im Luxushotel „Central“ seiner Schwester wohnt. Nicht allen ist der Bau der Sehenswürdigkeit recht. Manche fürchten eine weitere Industrialisierung der Alpen. Doch am Ende überwiegen die wirtschaftlichen Argumente.
Darsteller Daniel Craig soll von der Kulisse begeistert gewesen sein.
Foto: Getty ImagesDenn wenn die James Bond-Welt funktioniert, könnte sie im Jahr bis zu einer Viertelmillion Besucher anlocken. Zum Vergleich die Ausstellung „Bon in Motion“ im London Film Museum lockt jährlich rund 650.000 Besucher. Falkner legt jedoch die Messlatte deutlich niedriger. Er erwartet 120.000 Bond-Fans im Jahr in seiner alpinen Ausstellungswelt. Für seine Bergbahnen wäre das ein Goldregen. Denn schließlich kostet die Berg-Talfahrt ohne Eintritt schon 37 Euro. Mit James Bond könnte insbesondere die Flaute zwischen Frühjahr und Herbst beseitigt werden. „Wir machen das nicht, weil wir bauwütig sind, sondern weil wir eine nachhaltige Entwicklung wollen“, verteidigt Falkner sein James Bond-Projekt.
Sölden zählt im Jahr 2,2 Millionen Übernachtungen. Die Touristen aus dem nahen Deutschland bildet die größte Besuchergruppe. Doch längst schielen Skiorte wie Sölden, Kitzbühel oder Lech am Arlberg auf zahlungskräftige Kundschaft aus Asien. Und gerade dort ist James Bond eine große Nummer.
Der Wintertourismus stagniert in Österreich. In der vergangenen Saison 2016/2017 verharrte die Zahl der Nächtigung bei knapp 69 Millionen nach Angaben der staatlichen Österreich-Werbung. Deshalb müssen sich die Ferienorte immer neue Attraktionen ausdenken, um Touristen anzulocken. „Österreichs Skigebiete schaffen nach der umfangreichen Modernisierungsphase in den vergangenen Jahr neue Highlights in Sachen Erlebnis, Unterhaltung, Infrastruktur und Sicherheit“, sagt Franz Hörl, Chef des Fachverbandes Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich. „Heutzutage sind neue Ideen gefragt, um Gäste anzulocken“, bestätigt auch der österreichische Tiroler Tourismusexperte Bernhard Wallmann.
Besonders die Wintergäste treiben traditionell den Umsatz an. Denn sie geben beispielsweise in Tirol durchschnittlich pro Person 160 Euro am Tag aus. Das ist kein Wunder. Denn allein der Skipass ist auf die Rekordhöhe von 53 Euro gestiegen. Das beschert den Bergbahnen immer höhere Einnahmen. Zuletzt lagen sie in Sölden bei über 60 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen liegt laut Falkner zwischen 30 und 40 Prozent. Doch das Bauen geht immer weiter. Mit der James Bond-Welt setzt Sölden nun ein medienwirksames Ausrufezeichen auf dem Gletscher.