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Kolumne: Wein und Wahrheit Wein als Spekulationsobjekt? Das sollte man beachten

Die Chef-Sommelière Stefanie Hehn aus dem Hamburger Fünf-Sterne-Hotel „The Fontenay“ erklärt, ob Wein auch als Wertanlage taugt.
21.11.2020 - 09:54 Uhr Kommentieren
Wer teuren Wein zu Hause hat, muss unbedingt auch in die Sicherheit investieren. Quelle: imago images/Imaginechina-Tuchong
Die Frage der Lagerung

Wer teuren Wein zu Hause hat, muss unbedingt auch in die Sicherheit investieren.

(Foto: imago images/Imaginechina-Tuchong)

Wein kann schnell zu einem teuren Hobby werden. Die Frage ist aber, ob man ihn wirklich als Wertanlage begreifen soll, denn das birgt eine Menge Herausforderungen.

Das geht schon mit der Frage der Lagerung los: Welche Räumlichkeiten habe ich zur Verfügung? Baue ich selbst etwas oder miete ich bei einem Fachmann Platz an? Was muss ich an Umbaumaßnahmen einkalkulieren, zum Beispiel was Klimatechnik angeht?

Wenn ich teuren Wein zu Hause lagern will, muss ich obendrein unbedingt auch in die Sicherheit investieren. So ein Weinkeller muss ja nicht nur einbruchsicher sein, sondern auch mit Kameras überwacht werden. Und dann habe ich noch keine einzige Flasche Wein, denn es geht ja auch vor allem um die Frage: Was soll ich überhaupt kaufen und sammeln?

Mein Tipp: Fokussieren Sie sich auf eine bestimmte Region! Dann haben Sie auch eher die Chance, sich selbst einen guten und tiefen Überblick zu verschaffen. Bordeaux ist zum Beispiel einfacher zu überschauen als Burgund, wo alles sehr kleinteilig ist mit teils winzigen Parzellen in den Weinbergen. Und man muss ja auch nicht gleich mit den besten und teuersten Weingütern anfangen.

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    Andererseits: Sieht man den Wein wirklich als Spekulationsobjekt, ist eine Region wie Burgund sicher vielversprechender, denn die Weine von dort steigen seit Jahren in den Preisen kontinuierlich. Rein geschmacklich würde ich übrigens immer sagen: Heute machen auch jüngere Weine schon Spaß. Einfach weil die Anbaumethoden und -technologien heute ganz andere sind als vor 30 Jahren – und die Qualität entsprechend enorm zugenommen hat. Ein Bordeaux aus den Achtzigerjahren ist überhaupt nicht mehr vergleichbar mit den heutigen Erzeugnissen.

    Unbedingt die Lieferkette klären

    Was die Wertentwicklung angeht, sollte man dann vor allem drei Dinge mitbringen: Geduld, Geduld, Geduld. Der Grund: Fünf Jahre muss man schon warten, um gerade bei den Preisen eine Veränderung zu sehen. Diese Zeitspanne kann man auch als Richtschnur eines Restaurant-Weinkellers nehmen, wenn es um dessen Umschlag geht. Nach fünf Jahren hat man also alles verkauft – und durch Neues ersetzt. Eigentlich macht man da also genau das Gegenteil von jemandem, der wirklich mit dem Wein Geld verdienen will.

    Überhaupt hat ja zuletzt auch Corona gezeigt, wie schnell sich alles ändern kann. Insofern weiß man natürlich nie, was in fünf Jahren überhaupt sein wird. Man sollte Wein deshalb nur dann als Spekulationsobjekt begreifen, wenn man auf das investierte Geld nicht wirklich angewiesen ist.

    Beim Kauf gilt auch: Je teurer ein Wein wird, umso genauer sollte man wissen, wo er herkommt. Und obwohl die Weine heute sogar schon mit QR-Codes gesichert werden, muss ich warnen: Wenn die genaue Herkunft beziehungsweise die Lieferkette nicht geklärt ist, würde ich vom Kauf immer abraten.

    Mancher alte Wein oxidiert sofort nach dem öffnen der Flasche – übrig bleibt oft nur Essig. Quelle: E+/Getty Images
    Obacht beim Dekantieren

    Mancher alte Wein oxidiert sofort nach dem öffnen der Flasche – übrig bleibt oft nur Essig.

    (Foto: E+/Getty Images)

    Generell gilt: Je weniger Expertise man selbst mitbringt, umso teurer wird’s. Natürlich gibt es auch Profis, die einen beim Aufbau des Wein-Portfolios unterstützen. Aber auch die bieten ihre Hilfe nicht umsonst an. Ohnehin braucht es dazu ja auch Vertrauen, denn manche dieser „Berater“ werden wiederum von Weingütern mitfinanziert. Da hält sich die Unabhängigkeit dann bisweilen in engen Grenzen.

    Im britischen Weinmagazin „Decanter“ kann man bei regelmäßig erscheinenden Rankings von Liv-Ex die Marktentwicklung einsehen. Auf einer Onlineplattform bietet Liv-Ex auch digitale Zugänge an, bei denen Sie dann einen Überblick über die Preisentwicklung gewinnen können. Man darf aber nicht vergessen: Auch das kostet für die kleinste Mitgliedschaft 200 Pfund – monatlich. Halten Sie sich immer vor Augen: Solche Summen müssen Sie erst mal wieder reinholen durch die Wertsteigerung Ihres Weines!

    Als Sommelière trifft man über die Jahre immer mal wieder auf Spekulanten, die einem im Restaurant ein paar Flaschen abschwatzen wollen, die dort noch fair bepreist sind. Ich erkläre dann immer, dass ich solche Deals weder machen darf noch will. Die ganz Hartnäckigen versuchen’s dann auch schon mal über den Concièrge. Da ich mittlerweile ganz gut weiß, welche Weine bei solchen „Sammlern“ besonders beliebt sind, stehen nicht alle Weine des Hauses auf unserer Online-Weinkarte. Und den Zugang zu unserem Keller haben nur die Sommeliers.

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay. Quelle: The Fontenay
    Die Kolumnistin

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay.

    (Foto: The Fontenay)

    Übrigens: Der Preis eines Weins oder sein Alter sagt am Ende rein gar nichts über seine Qualität aus. Ich hatte schon Gäste, die mir ganz stolz teure Weine aus den Vierziger- oder Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts mitbrachten. Als ich noch ein paar Jahre jünger war, kam mal einer und bat mich, seine kostbare Flasche fachgerecht zu dekantieren. Ich riet ihm davon ab und warnte, dass der Wein sofort oxidieren würde und er lieber ganz schnell ein paar kurze Schlucke genießen sollte. Es kam, wie es kommen musste: Wir dekantierten, ich durfte auch probieren, was ja sehr nett war. Aber leider verwandelte sich der teure Wein dann sehr schnell in Essig.

    Viele von diesen alten Weinen haben allenfalls noch einen morbiden Charme, um noch höflich zu bleiben. In Weinbeschreibungen heißt es dazu gern lakonisch: „passed its best“. Sie haben den Zenit ihrer einstigen Größe irgendwann überschritten. Meiner Erfahrung nach machen die allermeisten Weine in den ersten 20 Jahren am meisten Spaß: vielleicht nicht unbedingt auf dem Konto, aber auf der Zunge. Und um die sollte es vor allem gehen.

    Am Ende des Tages – Sie ahnen, worauf ich hinauswill – sollte Wein meiner Ansicht nach keine spekulative Investition sein, sondern vor allem ein Erlebnis. Kaufen sollte man einen Wein eigentlich nur, wenn man auch Lust hat, ihn selbst zu genießen.

    Mehr: Kolumne Wein und Wahrheit (18): Die teuersten Weine der Welt – und warum sie ein riskantes Investment sind.

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