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Kolumne: Zeit ist Geld Die zehn Erfolgsgeheimnisse von Rolex

Uhrenexperte Gisbert L. Brunner hat sich die aktuellen Neuheiten der Genfer Luxusmarke angeschaut – und leitet ein paar grundsätzliche Erkenntnisse ab.
04.09.2020 - 13:46 Uhr Kommentieren
Die Geschichte der Mutter aller professionellen Taucher-Armbanduhren reicht bis 1953 zurück.
Submariner-Modelle

Die Geschichte der Mutter aller professionellen Taucher-Armbanduhren reicht bis 1953 zurück.

Wer im deutschsprachigen Raum nach einem echten Experten für Uhren sucht, kommt an Gisbert L. Brunner nicht vorbei. Der mittlerweile pensionierte bayerische Beamte hat Hunderte von kostbaren Zeitmessern gesammelt, aber auch Dutzende von Büchern über die unterschiedlichsten Marken geschrieben.

Für den achten Teil seiner Kolumne „Zeit ist Geld“ hat sich Brunner die diese Woche lancierten Rolex-Neuheiten angeschaut.

Herr Brunner, nachdem die großen Uhrenmessen dieses Jahr Corona-bedingt ausfielen, muss nun jede Marke ihren eigenen Weg zur Präsentation der Neuheiten finden. Rolex hat am Dienstag der Welt sowohl digital wie in kleinen Journalistenrunden seine Innovationen präsentiert. Aber ist eine neue Variante des Modell-Klassikers Submariner schon eine Sensation?
Die Reaktion mancher Zeitgenossen auf die Vorstellung der neuen Submariner-Modelle 2020 war zu erwarten. Von „altbacken“ bis „langweilig“ reichten die Kommentare. Rolex muss das indessen nicht kümmern. Bekanntlich reicht die Geschichte der Mutter aller professionellen Taucher-Armbanduhren bis 1953 zurück. Seitdem ist die Submariner ununterbrochen am Markt. Rolex nennt ja keine Zahlen, aber ich denke, es ist über die Jahrzehnte hinweg das meistverkaufte aller Sportmodelle dieser Marke. Insofern ist Geheimnis Nummer eins des Rolex-Erfolgs schon mal: Sie waren eben in vielen Fällen die Ersten, und – zweitens – die Marke hat immer Ausdauer bewiesen.

Was genau ist an der Submariner 2020 denn neu?
Die Manufaktur beschreitet auch diesmal konsequent ihren Weg und stellt – Erfolgsgeheimnis Nummer drei – Evolution vor Revolution. Alle neuen Modelle sind um einen Millimeter auf nunmehr 41 im Durchmesser gewachsen. Schlankere Bandanstöße, welche an die Modellgeneration 2003 erinnern, verhelfen den Newcomern zu mehr Eleganz. Der wichtigste Unterschied erschließt sich Kennern beim Blick ganz in den Süden des Zifferblatts. Dort findet sich eine Krone zwischen „Swiss“ und „Made“. Und die weist unmissverständlich auf ein Exemplar der neuen, bereits 2016 lancierten Werkegeneration mit patentierter Chronergy-Hemmung und 70 Stunden Gangautonomie hin.

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    Wahrlich Feinheiten für Fans…
    … die derlei eben auch zu schätzen wissen. Bei der stählernen Oyster Perpetual Submariner überzeugt das Automatikkaliber 3230 ohne Datum. Die puristische Referenz 124060 kostet wie gehabt 7.350 Euro. Ans Submariner-Jubiläumsjahr 2003 knüpft die neue Oyster Perpetual Submariner Date an, Referenz 126610LV, mit grüner Drehlünette, nun aber aus kratzfestem Cerachrom-Werkstoff. Ihr Automatikkaliber 3235 besitzt ein Fensterdatum. Auch hier ist der Preis mit 8.750 Euro gleichgeblieben. Dieses Modell ist mein persönlicher Favorit 2020. Dass die Kunden für beide Modelle bei den Händlern Schlange stehen werden, steht trotz der weitgehend gleichgebliebenen Optik völlig außer Frage.

    Alle neuen Modelle sind um einen Millimeter auf nunmehr 41 Millimeter im Durchmesser gewachsen. Quelle: Rolex
    Oyster Perpetual Submariner

    Alle neuen Modelle sind um einen Millimeter auf nunmehr 41 Millimeter im Durchmesser gewachsen.

    (Foto: Rolex)

    Rolex gilt als eine der prestigeträchtigsten Uhrenmarken der Welt und ist zudem die umsatzträchtigste. Woran liegt’s?
    Zunächst einmal muss man konstatieren, dass Rolex-Gründer Hans Wilsdorf der von ihm gegründeten Marke Rolex schon zu Lebzeiten Weltgeltung verschafft hat – auch mit viel Sinn für gute Werbung. Den kurzen Markennamen mit nur fünf Buchstaben wählte er, weil man ihn in keiner Sprache verballhornen konnte. Außerdem eignete er sich damals für internationale Telegramme. Erfolgsgeheimnis Nummer vier ist auch deshalb: Wilsdorfs Weitsicht sowie seine überragenden Fähigkeiten, Trends zu erahnen und zu realisieren. Sie haben Rolex definitiv zu dem gemacht, was es heute ist: die mit Abstand stärkste und bedeutendste Uhrenmanufaktur der Welt. Das hat auch viel mit Erfolgsfaktor Nummer fünf zu tun: der Produktqualität.

    Nach der streben ja eigentlich alle.
    Durchaus, aber Hans Wilsdorf setzte schon ab 1910 auf offiziell zertifizierte Präzision am Handgelenk. Seine Armbanduhren, welche sich übrigens zunächst in erster Linie an Damen wandten, sollten ebenso genau gehen wie große Herren-Taschenuhren. Heute sind alle Zeitmesser mit dieser Signatur offiziell geprüfte Chronometer. Mehr noch: Die internen Verfahren, nach denen die Produkte hergestellt, reguliert und gecheckt werden, sind deutlich strenger als das, was die offizielle Prüfbehörde COSC für reine Uhrwerke verlangt. Die Uhren dürfen täglich nicht mehr als plus/minus zwei Sekunden von der astronomischen Norm abweichen.

    Dazu kommen – Erfolgsgeheimnis sechs – wichtige Innovationen, die die Branche aufgerüttelt haben, wie das 1926 gestartete, rundum verschraubte und daher wasserdichte „Oyster“-Gehäuse. Hans Wilsdorf hatte erkannt, dass die Uhr am Handgelenk anderen Belastungen ausgesetzt ist als wohlverstaut in der Tasche. Besagte Oyster-Schale und die Art, wie Wilsdorf sie anschließend vermarktete, kann als einer seiner genialsten Schachzüge gelten.

    Erfolgsfaktor Nummer sieben: Der gebürtige Oberfranke war möglicherweise der Allererste, der die Bedeutung zugkräftiger Testimonials erkannte. Schon 1927 etwa versuchte die Londoner Sekretärin Mercedes Gleitze, als erste Britin den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Der Versuch scheiterte zwar kurz vorm Ziel. Aber Wilsdorf hatte Gleitze eine Rolex mitgegeben, die ihren Dienst unbeirrbar verrichtete und zu einem gewaltigen PR-Erfolg für die noch junge Marke führte. Bis heute unterstützt Rolex – passend zum eigenen Image – viele Sportler.

    Mit einem Hit sind die meisten Firmen schon zufrieden, oder?
    Erfolgsfaktor acht ist sicher, dass das Erreichte bei Rolex nie genügte: Die logische Konsequenz aus der Oyster bestand zum Beispiel in einem automatischem Aufzug. Wurde die Krone nach dem täglichen Spannen der Zugfeder nicht richtig verschraubt, und das geschah relativ oft, drang Wasser bis zum Werk vor und richtete dort einigen Schaden an. Zusammen mit Emil Borer, dem Technikchef der damaligen Partnerfirma Manufacture des Montres SA in Biel setzte die Genfer Montres Rolex SA  erstmals in Armbanduhren überhaupt auf den zukunftsweisenden Rotor-Selbstaufzug. Der wurde schon 1770 von Abraham Louis Perrelet erfunden, feiert 2020 also seinen 250. Geburtstag. Die 1931 lancierte Oyster Perpetual war damit ein weiterer Schritt zur perfekten Armbanduhr.

    Kombination aus Edelstahl und 18 Karat Weißgold. Quelle: Rolex
    Oyster Perpetual Datejust 31

    Kombination aus Edelstahl und 18 Karat Weißgold.

    (Foto: Rolex)

    1945, pünktlich zum 40. Jubiläum seiner Firmengründung (der Name Rolex wurde erst 1908 geschützt), stellte Hans Wilsdorf die Oyster Perpetual „Datejust“ vor. Das Wort ist eine Kurzform von date just in time. Diese Armbanduhr, welche es bekanntlich ebenfalls bis in die Gegenwart gibt, vereinigte alle bisherigen Errungenschaften mit einem hilfreichen Fensterdatum, welches im Geschäftsleben damals mehr und mehr Bedeutung gewann.

    1953 brachte die Explorer. Auch sie ist bis heute im Programm. Im gleichen Jahr machte die Submariner von sich reden, über die wir schon sprachen. Und 1955 stand im Zeichen der nicht minder spektakulären GMT-Master, nach der die amerikanische Fluggesellschaft Pan Am gefragt hatte. Die Ideen zu dieser Zeitzonen-Armbanduhr skizzierte Hans Wilsdorf im Pariser Hotel Ritz, wohin er seine Frau für eine Shoppingtour eingeladen hatte. Als Jack Swigert 72 Stunden vor dem Start der Apollo-13-Mission für den erkrankten Tom Mattingly einspringen musste, nahm er seine GMT-Master in der Hosentasche mit.

    Als offizielle Missionsuhr hatte die Nasa ja bekanntlich den Speedmaster Professional Chronographen von Omega erkoren. Nach der glücklichen Rückkehr zur Erde bedankte sich Swigert in Genf, dass ihn seine Rolex „immer pünktlich“ begleitet hatte. Manche PR kann man sich eben nicht vorher kaufen.

    1982 ging die GMT-Master II mit unabhängig verstellbarem Stundenzeiger an den Start. Seit 2018 reißen sich die Kunden um die stählerne Pepsi mit rot-blauer Keramiklünette. Wer ein aktuelles Exemplar ergattern kann, bekommt am Parallelmarkt postwendend einen deutlich höheren Preis. Das gilt bekanntlich auch für den legendären Daytona-Chronographen in Stahl und viele andere Oyster-Modelle. 

    Es geht also vor allem um die Produkte?
    Die Philosophie ist als Erfolgsgeheimnis Nummer neun schon auch wichtig. Bei nahezu allen Rolex-Konzessionären herrscht seit Jahren Verfügbarkeits-Ebbe. Das Unternehmen könnte deutlich mehr Uhren verkaufen, als nachgefragt werden. Aber als selbstständiges, nicht börsennotiertes Unternehmen, das der Wilsdorf-Stiftung gehört, muss Rolex keine Gewinne um jeden Preis erzielen. Die Strategie, das Angebot immer leicht unter dem Nachfragelevel zu halten, bewirkt neben dem heutzutage deutlich positiveren Image, der gesunden Preis-Leistungs-Relation, dem extremen Qualitätsstandard und der Wertbeständigkeit eben jenen Hype, welchen ich in der Uhrenwelt als einmalig bezeichnen möchte.

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren. Quelle: Privat, Patek Phillippe
    Der Autor

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren.

    (Foto: Privat, Patek Phillippe)

    Hier können weltweit nur die Nautilus- und Aquanaut-Modelle von Patek Philippe mithalten. Bei Handtaschen genießt vielleicht die Birkin-Bag von Hermès diesen Ruf. Von all diesen Produkten entstehen oft weniger, als der Markt verlangt. Diese Zurückhaltung sollten sich viele Marken zu Herzen nehmen, welche unter massiven Graumarkt-Aktivitäten mit heftigen Preisabschlägen leiden.

    Zu vermuten steht übrigens auch, dass Rolex mit seinem immensen Immobilienbesitz noch mehr Geld verdient als mit dem angestammten Metier. Egal wo Rolex rund um den Globus seinen Geschäften nachgeht: Die Gebäude gehören dem Unternehmen selbst. Einen Teil nutzt es für sich, der Rest ist vermietet.

    Wie kommt es, dass diese strahlende Marke ausgerechnet in Deutschland teils noch immer von einem eher fragwürdigen Image verfolgt wird?
    Auf Hans Wilsdorfs Konto geht auch die Day-Date von 1956. Diese Armbanduhr mit Datums- und Wochentags-Anzeige gibt es traditionell nur in den Edelmetallen Gold und Platin. Gar nicht so wenige Menschen aus der Halbwelt nutzten diese Armbanduhr als immer und überall einsetzbare Währung am Handgelenk. Und das hat im Laufe der Zeit zu jenem Schmuddel-Image beigetragen, das Neider dem Hause Rolex gern andichteten. Dass selbst das allerdings nicht schadete, beweist der Siegeszug der Marke – selbst als die Quarzkrise in den 70er-Jahren die gesamte Schweizer Uhrenindustrie bedrohte. Rolex wollte damals auch eine Quarzuhr entwickeln, kam aber zu spät und machte aus der Not eine Tugend: Wir bleiben mechanisch. Deshalb ist auch Erfolgsgeheimnis Nummer zehn nicht zu unterschätzen: Man muss auch mal Glück haben.

    P.S.: Für echte Rolex-Fans und Uhrenliebhaber, die es noch werden wollen, hat Gisbert L. Brunner – ganz ohne Rolex-Unterstützung – im teNeues-Verlag das große „Watch Book Rolex“ veröffentlicht, das seit 2019 in der zweiten, erweiterten Auflage erhältlich ist. Das üppige Werk kostet 70 Euro und ist damit deutlich günstiger als eine Rolex, beschreibt aber die ganze Vielfalt der Marke aus Genf.

    Mehr: Lesen Sie hier Folge sieben der Kolumne: Welche Uhren aus Asien auch für Sammler interessant sind

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