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Kolumne: Zeit ist Geld Ewige Kalender – wo Zeit wirklich kostbar wird

Uhrenexperte Gisbert L. Brunner erklärt die Besonderheiten von Ewigen Kalendern und empfiehlt fünf Modelle in allen Preisklassen mit dieser ganz besonderen Komplikation.
21.08.2020 - 09:00 Uhr Kommentieren
Das 1925 entstandene Unikat ist heute im Firmenmuseum des Uhrenherstellers ausgestellt. Quelle: Patek Philippe
Erste Armbanduhr mit Ewigem Kalender von Patek Philippe

Das 1925 entstandene Unikat ist heute im Firmenmuseum des Uhrenherstellers ausgestellt.

(Foto: Patek Philippe)

Wer im deutschsprachigen Raum nach einem echten Experten für kostbare Uhren sucht, kommt an Gisbert L. Brunner nicht vorbei. Der mittlerweile pensionierte bayerische Beamte hat Hunderte von kostbaren Zeitmessern gesammelt, aber auch Dutzende von Büchern über die unterschiedlichsten Marken geschrieben.

Im sechsten Teil der Kolumne „Zeit ist Geld“ erklärt Brunner die Besonderheiten von Ewigen Kalendern und empfiehlt fünf Modelle in allen Preisklassen mit dieser ganz besonderen Komplikation.

Ewige Kalender gelten als eine der Königsdisziplinen der Uhrmacherei. Woran liegt das eigentlich?
Sie haben völlig recht: Armbanduhren mit ewigem Kalendarium gehören zu den uhrmacherischen Delikatessen, denn sie erleichtern den Umgang mit dem Datum ungemein. Das liegt an der Geschichte unseres Kalendersystems, welches 45 vor Christus mit Gajus Julius Cäsar begann. Böse Zungen behaupten, dass der Julianische Kalender sein größtes politisches Vermächtnis überhaupt ist.

Ein Teil des Julianischen Kalenders besteht in der Abfolge von drei Jahren mit je 365 und einem vierten Schaltjahr mit 366 Tagen. Der Imperator ordnete aber auch die Monatslängen im Laufe eines Jahres neu an. Gerade Monate bekamen 30 und ungerade Monate 31 Tage zugestanden. Hinzu gesellte sich der verkürzte Schaltmonat Februar. Für diese kalendarische Leistung sprach der römische Senat eine große Ehrung aus, indem der nach alter Zählung fünfte Monat des Jahres von Quintilis in Julius umbenannt wurde. Und der besaß 31 Tage.

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    8 v. Chr. erfuhr Cäsars Adoptivsohn und politischer Erbe Octavianus, besser bekannt als Kaiser Augustus, eine ähnliche Ehrung. Weil er am 1. Sextilis 30 v. Chr. seine Gegenspieler Antonius und Kleopatra endgültig unterworfen hatte, erhielt dieser Monat den Namen August(us). Nachdem dieser als gerader Monat nur 30 Tage besaß, fühlte sich der Herrscher allerdings benachteiligt. Um diesen Missstand zu beseitigen, mussten der Februar auf 28 bzw. 29 Tage gekürzt und der August ebenfalls mit 31 Tagen ausgestattet werden. Durch Umordnung der folgenden Monate blieb der Rhythmus von abwechselnd 30 und 31 Tagen erhalten.

    Und warum bereitete das Uhrmachern solches Kopfzerbrechen?
    Weil der Kalender 8 nach Christus aufs Neue startete, lassen sich die Schaltjahre bequem durch Division der Jahreszahl durch vier ermitteln. Uhren mit gewöhnlicher Datumsanzeige gibt es seit dem 14. Jahrhundert. Allen ist gemein, dass sie maximal 92 Tage am Stück genau gehen. Und zwar vom 1. Juli bis 30. September. Dann jedoch zeigen sie den 31., obwohl schon der 1. Oktober herrscht.

    Dieses Faktum motivierte den englischen Uhrmacher Thomas Mudge, 1764 die vermutlich erste Taschenuhr mit Ewigem Kalender vorzustellen. Sie berücksichtigte die unterschiedlichen Monatslängen in Normal- wie Schaltjahren. Ab dem 19. Jahrhundert gehörten immerwährende Kalendarien zum Repertoire nahezu aller renommierten Uhrenhersteller.

    Die erste Armbanduhr mit dieser Komplikation ist Patek Philippe zu verdanken. Das Unikat entstand 1925 durch entsprechende Transformation einer Damen-Taschenuhr und wäre heute viele Millionen Euro teuer, wenn sie denn aus dem Firmenmuseum auf den Markt gelangte. Patek Philippe präsentierte 1941 übrigens auch die ersten Serien-Armbanduhren mit dieser hilfreichen Zusatzfunktion.

    Was genau spielt sich da im Inneren der Uhr ab?
    Die Mechanik in diesen Zeitmessern ist keine Hexerei. Sie besteht aus rund 60 Komponenten, welche sich in der Regel schamhaft unter dem Zifferblatt verbergen. Als Antrieb zum Fortschalten der verschiedenen Indikationen, darunter in der Regel Datum, Wochentag und Monat dient ein Uhrwerk mit manuellem oder automatischem Aufzug.

    Klassische Kadraturen, der Name resultiert aus der Anordnung des Mechanismus unter dem französisch Cadran genannten Zifferblatt, verfügen über eine Art Gehirn. Gemeint ist der sogenannte Monatsnocken, in dessen Umfang die unterschiedlichen Monatslängen einprogrammiert sind.

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren. Quelle: Privat, Patek Phillippe
    Der Autor

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren.

    (Foto: Privat, Patek Phillippe)

    Seine erhabenen Stellen repräsentieren Monate von 31 Tagen Dauer, Kerben solche mit nur 30 Tagen. Hinzu gesellt sich ein kreisrunder Ausschnitt, in dem der Schaltjahresnocken einmal jährlich um 90 Grad gedreht wird. Drei seiner Kanten definieren den Monat Februar mit 28 Tagen, die vierte, mit größerem Abstand zum Nockenzentrum, diesen Monat in Schaltjahren. Eine wie auch immer geartete Schaltjahresindikation erleichtert das Einstellen nach längerem Liegen.

    Andere Konstruktionen besitzen ein ausgeklügeltes Räderwerk ohne die bei überlieferten Kadraturen nötigen Hebel, Schaltklingen und Sperrfedern. Obwohl unter dem Zifferblatt versteckt, verwenden Top-Manufakturen wie zum Beispiel A. Lange & Söhne, Audemars Piguet, Patek Philippe oder Vacheron Constantin große Sorgfalt darauf, die Komponenten des Kalendariums liebevoll zu bearbeiten. Neben dem Namen macht das am Ende auch den späteren Preisunterschied aus.

    Und solche Kalender sind wirklich „ewig“?
    Ende Februar 2100 müssen nahezu alle Uhren mit den üblichen ewigen Kalendarien passen. Und zwar wegen der 1582 von Papst Gregor XIII. verfügten Kalenderreform. Der Grund: Beim Ermitteln der korrekten Jahreslänge hatten sich Cäsar und sein astronomischer Berater Sosigenes verrechnet. Das Julianische Jahr währte um exakt elf Minuten und 14 Sekunden zu lange. Demzufolge rückte das an den ersten Frühlingsvollmond gekoppelte Osterfest immer weiter ins Jahr hinein.

    Der universale Herrscher auf Erden beseitigt das Manko dadurch, dass der Schalttag in allen nicht durch 400 teilbaren Säkularjahren, sprich 2100, 2200, 2300, 2500 und folgende auszufallen hat. Die am 24. Februar 1582 unterzeichnete Bulle „Inter gravissimas“ liefert übrigens auch Stoff für eine Quizfrage: Was passierte in Rom zwischen dem 5. und 14. Oktober 1582? Die Antwort: nichts. Um den Kalender wieder ins Lot zu bringen, folgte im alten Rom auf den 4. unmittelbar der 15. Oktober.

    Wie komplex ist das Stellen einer Uhr mit Ewigem Kalender?
    Der Umgang mit Ewigen Kalendern ist nicht sonderlich schwierig. Einmal richtig eingestellt und regelmäßig am Laufen gehalten, gibt es grundsätzlich nichts zu tun. Das ist übrigens die einzige Gattung Uhr, bei der ich, sofern sie mit einem Automatikwerk ausgestattet ist, ein elektrisches Umlaufgerät empfehle. Solche gibt es mit Batterieantrieb auch für den Tresor. Ansonsten sollte man ein mechanisches Uhrwerk, wenn nicht benötigt, einfach ruhen lassen. Das Auto stellt man schließlich auch nicht mit laufendem Motor in die Garage.

    Sollte das Kalendarium aus dem Takt geraten sein, lässt es sich mithilfe von Drückern oder der Krone wieder einstellen. Orientierung liefert die bereits erwähnte Schaltjahresanzeige. Sie lässt wissen, in welchem Jahr des Schaltjahreszyklus man sich gerade befindet. Manche Modelle besitzen zudem eine Tag-/Nacht-Indikation. Sie sorgt dafür, dass das Kalendarium um Mitternacht und nicht mittags weiterschaltet. Ist man beim Einstellen versehentlich über das Ziel hinausgeschossen, muss man entweder vier Jahre weiterschalten oder die Uhr so lange ruhen lassen, bis das Datum wieder stimmt.

    Die kleine Schwester des Ewigen Kalenders ist übrigens der Jahreskalender, über den wir zu einem späteren Zeitpunkt sprechen werden. Wem der Ewige Kalender zu wenig ist, erhält ihn zum Beispiel auch in Kombination mit einem Chronografen, einem Tourbillon, einer Äquationsanzeige, einem Repetitionsschlagwerk oder, wenn das Beste gerade gut genug ist, mit allem zusammen. Dann spricht man von Großen Komplikationen.

    Immerwährende Kalendarien gelten als Königsdisziplin der Uhrmacherei. Quelle: Patek Philippe
    Bestandteile des ewigen Kalenderwerks

    Immerwährende Kalendarien gelten als Königsdisziplin der Uhrmacherei.

    (Foto: Patek Philippe)

    Muss man für einen Ewigen Kalender besonders viel Geld ausgeben? Welche Modelle empfehlen Sie?
    Armbanduhren mit Ewigem Kalender sind keineswegs unbezahlbar. Die günstigste Möglichkeit, eine mechanische Armbanduhr mit Ewigem Kalender und Mondphasenindikation zu erstehen, eröffnet derzeit Frédérique Constant. Die Slimline Perpetual Calendar Manufacture gibt es mit schlankem Stahlgehäuse bereits für rund 8400 Euro. Das verbaute Basis-Automatikkaliber mit vorderseitig montiertem Kalendermodul, genannt FC-775, fertigt das Genfer Unternehmen in Eigenregie. Beim Einstellen hilft eine Schaltjahresanzeige.

    Montblanc stattet seinen Heritage Perpetual Calendar mit dem aus 378 Teilen zusammengefügten Automatikkaliber MB 29.22 aus. Zu den technischen Besonderheiten der selbst entwickelten Räderwerks-Kadratur gehören eine Schutzvorrichtung gegen Beschädigung des Schaltwerks und das völlig unkomplizierte Einstellen per Krone in beiden Richtungen. Wenn man im Eifer des Gefechts über das aktuelle Datum hinausgeschossen ist, lassen sich alle Indikationen problemlos wieder zurückdrehen. Zu haben in Stahl für circa 15.000 Euro.

    Ganz neu am Markt ist die IWC Portugieser mit Ewigem Kalender. Sie knüpft an das Erbe des 1985 vorgestellten Kalender-Bestsellers Da Vinci. Im Gegensatz zu damals gelangt die 42 Millimeter große Edelstahl-Armbanduhr mit dem komplett hauseigenen Automatikkaliber 82650 auf den Markt. Seine Gangautonomie beträgt rund 60 Stunden. Per Krone lassen sich die Einstellungen des komplizierten Kalendariums sehr unkompliziert vornehmen. Zu haben ist die Portugieser Perpetual Calendar für 22.500 Euro.

    Die komplizierte Referenz 5270 von Patek Philippe, dem Pionier der Armbanduhr mit Ewigem Kalender, debütierte bereits 2011. Neben dem immerwährenden Kalendarium mit Tag-/Nacht- und Schaltjahresanzeige besitzt sie einen aufwendigen Chronografen der Extraklasse. Beides entstammt komplett eigener Manufaktur. Die Mondphasenanzeige geht erst nach 122 Jahren und 45 Tagen einen Tag falsch. Einstellmaßnahmen erfolgen mithilfe der versenkt im Gehäuserand angebrachten Drücker. Das Jahr 2020 bringt eine Version im mittlerweile eher selten verwendeten Gelbgold. Ein Exemplar der Referenz 5270J schlägt mit 152.000 Euro zu Buche.

    Eine kalendarische Weltpremiere stammt indes von Vacheron Constantin. Die Traditionelle Twin Beat Perpetual Calendar mit Platingehäuse, Handaufzugskaliber und Ewigem Kalender agiert wahlweise mit zwei Unruhfrequenzen. Beim Tragen bewahrt die Schnelle die Zeit. Möchte man seinem kostbaren Zeitmesser eine längere Ruhepause verordnen, schaltet die komplexe Mechanik quasi fünf Gänge herunter. Bei diesem Schneckentempo kommt der Mikrokosmos sage und schreibe 65 Tage lang ohne weiteren Energienachschub aus. Trotzdem schaltet er die drei Anzeigen des ewigen Kalendariums pünktlich um Mitternacht weiter. Das und mehr schlägt mit rund 220.000 Euro zu Buche. Hier ist Zeit eben besonders kostbar.

    Mehr: Lesen Sie hier Folge fünf der Kolumne: Was Uhren made in Germany wirklich wert sind

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