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Kolumne: Zeit ist Geld Von Audemars Piguet bis Zenith: Was die großen Marken selbst bauen – und was nicht

Der Branchenexperte Gisbert L. Brunner erklärt, welche Marken ihre Uhrwerke lieber zukaufen – und warum das wenig über die Qualität einer Uhr aussagt.
18.12.2020 - 11:11 Uhr Kommentieren
Der Schweizer Hersteller verbaut neben zugelieferten Werken auch ein mehr oder minder breites Spektrum eigener Kaliber. Quelle: Hublot
Zeigermontage bei Hublot

Der Schweizer Hersteller verbaut neben zugelieferten Werken auch ein mehr oder minder breites Spektrum eigener Kaliber.

(Foto: Hublot)

In den vergangenen beiden Wochen ging es hier um die Herkunft des „Manufaktur“-Gedankens in der Uhrenbranche – und einige der strahlendsten Ikonen der zugrunde liegenden Philosophie, möglichst viel von einer Uhr selbst zu bauen. Als Gegenstücke zu den Manufakturen präsentieren sich die sogenannten „Etablisseure“. Auch hier hatte schon Georges-Albert Berner, einst Direktor der Uhrmacherschule in Biel, die richtige Definition parat.

In seinem berühmten Wörterbuch spricht er von Fertigstellern, sprich Uhrenfabrikanten, welche alle zugekauften Einzelteile der Uhr, also Rohwerke und Bestandteile, zusammensetzen. In der Uhrenszene besitzen Etablisseure nicht nur eine ebenso lange Tradition wie die Fabrikanten mit eigenen Kalibern, sondern sie sind aus verständlichen Gründen auch in der Überzahl.

Vor allem nach der aus tiefer Not geborenen Gründung der Schweizer Rohwerkeholding Ebauches SA im Jahr 1926 konnten die Fertigsteller bei der Wahl ihrer Uhrwerke aus dem Vollen schöpfen.

Allerdings, und das war der Hintergrund des vom Staat initiierten Kartells, besaßen gleichartige Produkte bei allen Mitgliedern auch den gleichen Preis. 1950 verzeichnete die Chronik insgesamt 68 ganz oder teilweise übernommene Uhrenindustrie-Unternehmungen, darunter auch die 1932 aus der Uhrenmanufaktur Eterna ausgegliederte Rohwerkefabrik Eta. Letztere hatte 1928 erstmals mehr als eine Million Uhrwerke gefertigt. Einen Teil nutzte die Mutter für ihre Produkte, der Rest ging an Etablisseure.

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    Bis 1969 lief alles in gewohnten Bahnen. Dann löste die Präsentation erster Quarz-Kaliber für Armbanduhren ein heftiges Erdbeben aus. Anschließend fielen zahlreiche Manufakturen der ungestümen Elektronikrevolution zum Opfer. Manche verschwanden für immer von der Bildfläche, andere kehrten ab Mitte der 1980er-Jahre im Zuge der Mechanikrenaissance zurück auf die Bühne der Zeitmessung. Allerdings unter teilweise stark veränderten Vorzeichen.

    Auch die Palette konventionell tickender Ebauches-SA-Kaliber schmolz damals rapide zusammen. Am Ende blieb nur besagte Eta unter dem Dach der Swatch Group mit gängigen Automatikkalibern wie 2824-A2, 2892-A2 und 7750. Als der Quasi-Monopolist im Juli 2002 massive Lieferbeschränkungen ankündigte, machte sich bei den Betroffenen zunächst schieres Entsetzen breit.

    Das Unternehmen zählt zum elitären Schweizer Manufaktur-Zirkel. Quelle: Gisbert L. Brunner
    Uhrwerksbrücken von Audemars Piguet

    Das Unternehmen zählt zum elitären Schweizer Manufaktur-Zirkel.

    (Foto: Gisbert L. Brunner)

    Die Einschaltung der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) bewirkte zwar einen Aufschub. An der grundsätzlichen Situation konnte sie zwar nichts ändern. Aber das unliebsame Geschehen besaß auch seine positiven Seiten. Zum einen entwickelte sich mit der Sellita SA ein ernst zu nehmender Eta-Konkurrent. Viele seiner Uhrwerke sind waschechte Klone, passen also ohne Modifikation in existente Gehäuse, was Etablisseuren sehr gelegen kommt.

    Und angefacht durch die Popularität hochwertiger Mechanik-Armbanduhren waren schon vorher bemerkenswerte Entwicklungsaktivitäten in Gang gekommen. Genau diese führten im Laufe der Jahre zu einer erstaunlichen Vielfalt neuer Kaliber.

    Ein Teil davon entstand und entsteht unter dem eigenen Dach, ein anderer im Verbund mit Partnern. Beinahe von selbst mag sich verstehen, dass exklusive, oftmals nur in relativ geringen Stückzahlen gefertigte Mechanik mehr kostet als die in Großserien hergestellte. Außerdem ist uhrmacherische Manufakturarbeit nicht zwangsläufig zuverlässiger und präziser als tickende Mechanik von der Stange. Erstgenannte besitzt halt nur das Flair des Besonderen.

    Viele Marken fahren heute zweigleisig

    Die Suche nach exklusiver Mechanik gestaltet sich heutzutage nicht sonderlich schwierig. Zum elitären Schweizer Manufakturzirkel gehören neben den bereits genannten Topmarken Jaeger-LeCoultre, Patek Philippe und Rolex unter anderem auch Audemars Piguet, Girard-Perregaux, IWC, Piaget und Zenith.

    Zum Kreis der Auf- oder Einsteiger zählen ab den 1990er-Jahren beispielsweise A. Lange & Söhne, Cartier, Chopard, Glashütte Original, Parmigiani Fleurier, Roger Dubuis oder Vacheron Constantin. Neben der Eigenproduktion kooperieren diese Firmen aber weiterhin mit Partnern.

    Zum Kreis der Manufakturen, welche Uhrenliebhaber mit begrenztem Budget ansprechen wollen, gehören Alpina, Frederique Constant, Oris oder die Rolex-Tochter Tudor. Ähnliches beweist Nomos in Glashütte. 29 Jahre nach dem Start nutzt das Familienunternehmen nur hausgemachte Mechanik. Zweigleisig, sprich mit Eigenem und Zugekauftem, fahren in Deutschland Damasko, MeisterSinger, Mühle, Tutima und Wempe.

    Neben eigenen Werken setzt der Schweizer Hersteller auch auf zugelieferte Kaliber. Quelle: Breitling
    Vormontage bei Breitling

    Neben eigenen Werken setzt der Schweizer Hersteller auch auf zugelieferte Kaliber.

    (Foto: Breitling)

    In der Schweiz verbauen zum Beispiel Baume & Mercier, Breitling, Carl F. Bucherer, Corum, Hublot, Maurice Lacroix, Panerai, TAG Heuer, Tudor und Ulysse Nardin neben zugelieferten Werken auch ein mehr oder minder breites Spektrum eigener Kaliber. Montblanc profitierte einerseits von der jahrzehntelangen Kompetenz des zugekauften Chronographen-Spezialisten Minerva, wartet ferner mit eigenen industrialisierten Kalibern auf und stattet seine Einsteigermodelle mit Zugeliefertem aus.

    Bulgari erwarb seine Manufakturkompetenz durch Zukäufe. Blancpain profitierte vom Zusammenschluss mit der Frédérique Piguet SA, die Schwester Breguet von der Integration des Rohwerkespezialisten Lémania. Und Omega bezieht seine exklusiven Kaliber weiterhin von der Eta.

    Daneben gibt es inzwischen eine Fülle kleiner, aber feiner Fabrikanten mit Manufakturanspruch. Anbieter wie Armin Strom, Arnold & Son., Christophe Claret, Cyrus, Ferdinand Berthoud, Greubel Forsey, Grönefeld, H. Moser & Cie., Lang & Heyne, MB & F, Moritz Grossmann oder Richard Mille, um nur einige zu erwähnen, möchten damit primär eine finanziell gehobene Klientel erreichen.

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren. Quelle: Privat, Patek Phillippe
    Der Autor

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren.

    (Foto: Privat, Patek Phillippe)

    Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt diese Aufzählung selbstverständlich nicht. Aber sie bringt auch so zum Ausdruck, dass Uhrenliebhaber beiderlei Geschlechts heute nach ihrer ganz persönlichen Mechanik-Façon glücklich werden können. Am Preis muss das nicht scheitern. Langlebige tickende Manufakturarbeit gibt es heute schon ab rund 500 Euro.

    Wer im deutschsprachigen Raum nach einem echten Experten für Uhren sucht, kommt an Gisbert L. Brunner nicht vorbei. Der mittlerweile pensionierte bayerische Beamte hat Hunderte von kostbaren Zeitmessern gesammelt, aber auch Dutzende von Büchern über die unterschiedlichsten Marken geschrieben.

    Mehr: Kolumne Zeit ist Geld (22): Wahre „Manufaktur“ ist, wer es selbst macht.

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