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Kolumne: Zeit ist Geld Wahre „Manufaktur“ ist, wer es selbst macht

Der Branchenexperte erklärt, was die Luxusuhrenmarken Jaeger-LeCoultre, Patek Philippe und Rolex gemeinsam haben – außer ihrem guten Ruf.
10.12.2020 - 10:21 Uhr Kommentieren
Eigene Uhrwerke produziert Rolex seit dem Jahr 2000. (Foto: Gisbert L. Brunner)
Montage des Kalibers 4130

Eigene Uhrwerke produziert Rolex seit dem Jahr 2000.

(Foto: Gisbert L. Brunner)

In der vergangenen Woche habe ich Ihnen einiges über Herkunft und Nutzung des viel gebrauchten Begriffs „Manufaktur“ erzählt. Zum Kreis der besten Manufakturen mit großer Tradition gehören beispielsweise Jaeger-LeCoultre, Patek Philippe oder Rolex.

Ausnahmslos alle verbauen in ihren Uhren selbst entwickelte und produzierte Kaliber, angefangen vom Handaufzugswerk bis hin zu ganz unterschiedlichen Komplikationen. Bei ihnen bewegt sich die Fertigungstiefe in einer Größenordnung von 95 Prozent oder mehr.

In Sachen Manufaktur zeichnet die Geschichte übrigens ein deutlich anderes Bild als heute. Patek Philippe beispielsweise fertigte bis zur Übernahme durch die Familie Stern im Jahr 1932 gar keine eigenen Rohwerke. Zum Kreis der Lieferanten gehörten das Haus LeCoultre, welches damals auch viele andere Branchengrößen wie Audemars Piguet oder Vacheron Constantin mit Ebauches versorgte, und die heutige Tochter Victorin Piguet. Beide gingen ihrer Tätigkeit im abgeschiedenen Vallée de Joux nach.

1933 traf der neue Vorstandsvorsitzende Jean Pfister, der bis dahin für die Uhrenmanufaktur Tavannes gearbeitet hatte, in enger Übereinstimmung mit Charles und Jean Stern die zukunftsweisende Entscheidung, fortan eigene Rohwerke zu entwickeln und herzustellen.

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    Auf diese Weise konnte die notleidende Firma rasch wieder an Boden gewinnen, finanziell gesunden und neue Topkunden akquirieren. Danach dauerte es freilich noch bis 2009, bis Patek Philippe mit dem Handaufzugschronographen CH 29-535 die letzte Lücke im Spektrum hauseigener Kaliber schloss.

    Jaeger aus Paris und LeCoultre aus Le Sentier besiegelten ihre langjährige Kooperation 1937 ganz offiziell durch den gemeinsamen Markennamen Jaeger-LeCoultre. Gleichzeitig gelangten erste Uhren mit dieser Signatur auf den Markt.

    Eine Besonderheit weist auch die Manufakturgeschichte des Hauses Rolex auf. Als Firmengründer Hans Wilsdorf seine Aktivitäten im Dienste der Präzisionszeitmessung startete, verbündete er sich mit der 1878 von Jean Aegler gegründeten und ab 1881 in Biel ansässigen Uhrenfabrik. In der Folge entstanden zwei rechtlich vollkommen eigenständige Firmen:

    2009 schloss der Hersteller mit dem Handaufzugschronographen CH 29-535 die letzte Lücke im Spektrum hauseigener Kaliber. (Foto: Gisbert L. Brunner)
    Prüfung der Gyromax-Unruh bei Patek Philippe

    2009 schloss der Hersteller mit dem Handaufzugschronographen CH 29-535 die letzte Lücke im Spektrum hauseigener Kaliber.

    (Foto: Gisbert L. Brunner)

    In Genf beschäftigte sich die von Hans Wilsdorf und seinen Nachfolgern geleitete Montres Rolex SA mit der Kreation, Herstellung und Wartung fertiger Uhren. Demgegenüber oblag der von den Aeglers betriebenen Manufacture de Montres Rolex SA die Werke-Entwicklung und -fabrikation.

    Erst 2004 endete die jahrzehntelange Zwangsehe mit strikter Gütertrennung. Für schätzungsweise 2,5 Milliarden Schweizer Franken erwarb die Genfer Rolex-Stiftung den Bieler Kaliberzweig. Den Wandel zum Multi mit ausschließlich eigenen Uhrwerken hatte Rolex übrigens schon 2000 durch die Vorstellung des Chronographenkalibers 4130 vollzogen.

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren. Quelle: Privat, Patek Phillippe
    Der Autor

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren.

    (Foto: Privat, Patek Phillippe)

    Neben ausschließlich eigenen Kalibern eint besagtes Spitzentrio auch eine umfassende Kompetenz auf dem komplexen Terrain der Unruhspiralen. Im Fernen Osten trifft all das übrigens auch auf Seiko zu. Das altehrwürdige japanische Unternehmen stattet seine mechanischen Uhren ausschließlich mit hauseigenen Mechanik-Kalibern aus. Etliche davon sind erstaunlich preisgünstig zu haben.

    Es muss also nicht immer die Schweiz sein, wenn man sich „Manufaktur“ wünscht. Und es muss übrigens auch nicht immer „Manufaktur“ sein, wenn man sich hohe Qualität gönnen möchte. Aber davon nächste Woche mehr.

    Wer im deutschsprachigen Raum nach einem echten Experten für Uhren sucht, kommt an Gisbert L. Brunner nicht vorbei. Der mittlerweile pensionierte bayerische Beamte hat Hunderte von kostbaren Zeitmessern gesammelt, aber auch Dutzende von Büchern über die unterschiedlichsten Marken geschrieben.

    Mehr: Kolumne Zeit ist Geld (21): Was Uhren-Liebhaber unter „Manufaktur“ verstehen.

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