Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kolumne: Zeit ist Geld Wie Rolex, Omega und Wempe die Präzision ihrer Uhren messen

Der Branchenexperte Gisbert L. Brunner stellt die wichtigsten Zertifikate für luxuriöse Uhren vor und erklärt, wofür sie stehen – heute im zweiten Teil.
  • Gisbert L. Brunner
20.11.2020 - 12:36 Uhr Kommentieren
In seinem Prüfverfahren kooperiert Omega mit dem Eidgenössischen Institut für Metrologie.
Auf dem Weg zum „Master Chronometer“

In seinem Prüfverfahren kooperiert Omega mit dem Eidgenössischen Institut für Metrologie.

Die Schweizer COSC ist nicht das einzige Institut, das die Ganggenauigkeit und Präzision mechanischer Armbanduhren misst. Weil die COSC traditionell nur speziell präparierte Uhrwerke prüft, geht beispielsweise Rolex einen wichtigen Schritt weiter. Seit 1910 entwickelte sich die Manufaktur sukzessive zum weltweit größten Hersteller amtlich geprüfter Chronometer. Im Laufe der Jahre reifte die Erkenntnis, dass die COSC-Normen den aktuellen Stand der Technik nicht mehr hinreichend repräsentieren.

Und auch wenn die Uhrwerke der Genfer für den rechtlich geschützten Titel „Chronometer“ weiterhin zur offiziellen Prüfung müssen: Darüber hinaus durchlaufen komplette Armbanduhren in speziellen Laboren noch ein eigenes, deutlich strengeres Testverfahren nach hauseigenen Kriterien. Hierfür verwendet Rolex selbst entwickelte, vollautomatisch agierende und somit unbestechliche Hightech-Gerätschaft. Ganz nebenbei werden dort auch die Wasserdichte, die Effizienz des Selbstaufzugs sowie die Gangreserve gecheckt.

Am Ende stehen deutlich praxisnähere Resultate. Das imageträchtige Prädikat „Chronometer der Superlative“ und fünf Jahre Garantie erhält eine Armbanduhr jedoch nur dann, wenn sie täglich nicht mehr als minus oder plus zwei Sekunden von der amtlichen Norm abweicht.

Bei ihren COSC-zertifizierten Manufakturkalibern verfährt die Rolex-Tochter Tudor auf sehr ähnliche Weise. Allerdings sind die finalen Genauigkeitskriterien für die fertige Uhr etwas weniger streng. Täglich darf ein Tudor-Chronometer maximal zwei Sekunden nach oder vier Sekunden vorgehen. Und auch das ist deutlich strenger, als die COSC erlaubt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Auf dem Weg zum „Master Chronometer“ kooperiert der Mitbewerber Omega derweil mit dem Eidgenössischen Institut für Metrologie (METAS). In einem entsprechend ausgestatteten Atelier muss jede Armbanduhr nach der amtlichen COSC-Prüfung acht weitere Kontrollschritte erfolgreich absolvieren. Sie beziehen sich auf die Prüfung der mittleren täglichen Ganggenauigkeit, die Funktionstüchtigkeit und Ganggenauigkeit in einem Magnetfeld von 15.000 Gauss, die Wasserdichte, aber etwa auch die Abweichung der Laufzeit in sechs Positionen. Die akzeptierte Toleranz liegt da zwischen null und plus fünf Sekunden täglich. Nachgehen ist nicht zulässig.

    Für sein internes Prüfverfahren verwendet Rolex selbst entwickelte, vollautomatisch agierende und somit unbestechliche Hightech-Geräte. (Foto: Gisbert L. Brunner)
    Gangkontrolle

    Für sein internes Prüfverfahren verwendet Rolex selbst entwickelte, vollautomatisch agierende und somit unbestechliche Hightech-Geräte.

    (Foto: Gisbert L. Brunner)

    Was den Schweizern recht war, betrachteten ihre nordöstlichen Nachbarn nur als billig. In diesem Sinne kümmerten sich das Deutsche Hydrografische Institut (DHI) aus Hamburg sowie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig (PTB) samt ihrer Außenstelle, der Uhrenprüfstelle des Landesgewerbeamts in Stuttgart, um Zertifizierungen.

    1970, zu Beginn der Quarzkrise, stellten sie ihre Tätigkeit mangels Nachfrage sang- und klanglos ein. Wo es kaum noch mechanische Armbanduhren gab, war auch eine Prüfung obsolet geworden. Damit endete die Epoche offizieller deutscher Chronometerprüfungen. Vorübergehend jedenfalls.

    Denn 2006 lebte die Tradition nach 36-jähriger Pause wieder auf – ausgelöst letzten Endes durch den 1989 vollzogenen Mauerfall und die Renaissance der deutschen Luxus-Uhrenindustrie. Ganz nebenbei harrte auch die 1910 eröffnete, nach der Errichtung des Eisernen Vorhangs aber reichlich heruntergekommene Glashütter Sternwarte einer neuen Nutzung. 2004 hatte der Hamburger Juwelier Wempe das abseits gelegene Gebäude unter seine Fittiche gebracht. Nach kostspieligen Renovierungsarbeiten erstrahlte es in neuem Glanz. Parallel dazu bemühte sich das Familienunternehmen um ein Comeback der deutschen Chronometerprüfung.

    Damals erlebte Firmenpatriarch Hellmut Wempe beim zuständigen Landesamt für Mess- und Eichwesen Thüringen (LMET) noch eher zurückhaltende Beamte. Allerdings währte die anfängliche Skepsis nur kurz. Zug um Zug wurden exakte Bedingungen für die Prüfung und deren Ablauf geschaffen. Nach einem Entscheid für die nötige Gerätschaft und Klärung der Kontrollmechanismen erfolgte am 14. Juli 2006 die offizielle Akkreditierung auf Grundlage der Deutschen Industrienorm 8319.

    2004 kaufte der Hamburger Juwelier Hellmut Wempe das Gebäude – seit 2006 erfolgt dort die amtlich überwachte Kalibrierung von Uhren. Quelle: imago/Torsten Becker
    Glashütter Sternwarte

    2004 kaufte der Hamburger Juwelier Hellmut Wempe das Gebäude – seit 2006 erfolgt dort die amtlich überwachte Kalibrierung von Uhren.

    (Foto: imago/Torsten Becker)

    Seitdem vollzieht sich in der Glashütter Sternwarte die amtlich überwachte Kalibrierung oder „Rückführung auf nationale Normale zur Darstellung der Einheiten in Übereinstimmung mit dem internationalen Einheitensystem (SI)“. Die dort angesiedelten Wempe Chronometerwerke agieren dabei vertragsgemäß nur als verlängerter Arm des LMET. Für das streng reglementierte Prüfprozedere nutzen sie Klimaschränke, elektronische Zeitwaagen und sabotagesichere Computer. Letztgenannte „belauschen“ komplett fertiggestellte Uhren mit Sekundenstopp. Nur solche dürfen zum Genauigkeitscheck.

    Ganz billig ist die Angelegenheit übrigens nicht. Wegen der hohen Investitionskosten fallen für jede Prüfung und die Ausstellung des sogenannten Kalibrierscheins mehr als 100 Euro an. Ein Vielfaches der Schweizer Chronometerprüfung von COSC.

    Der deutsche 15-Tage-Check erfolgt gleichfalls in den fünf Lagen „Krone links“, „Krone oben“, „Krone unten“, „Zifferblatt oben“ und „Zifferblatt unten“ bei 23,8 und 38 Grad Celsius sowie maximal 60 Prozent Luftfeuchtigkeit. Nach jeweils 24 Stunden erfolgt das Aufziehen der tickenden Prüflinge für den folgenden Tag. Komplikationen wie beispielsweise Chronograph werden erst am zehnten Tag eingeschaltet.

    Wie in der Schweiz muss sich der mittlere tägliche Gang mechanischer Zeitmesser am Ende des Zyklus in einer Bandbreite zwischen minus vier und plus sechs Sekunden bewegen. Die mittlere tägliche Gangabweichung darf zwei Sekunden, die größte fünf Sekunden unter keinen Umständen überschreiten. Für Quarzuhren gelten natürlich deutlich strengere Werte.

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren. Quelle: Privat, Patek Phillippe
    Der Autor

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren.

    (Foto: Privat, Patek Phillippe)

    Trotz aller Präzision und Unbestechlichkeit der Apparatur eidgenössischer Provenienz wachen über allem eisern und konsequent die genannten Behörden. Die glauben und zertifizieren nur, was sie selbst überprüft haben. Ganz nach Lenins Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser.“

    Doch auch das ist noch lange nicht alles, was der Zertifikate-Markt rund um die Uhrenbranche mittlerweile zu bieten hat. Nächste Woche mehr – unter anderem dann noch mit Geheimnissen von Patek Philippe, Montblanc und Jaeger-LeCoultre.

    Wer im deutschsprachigen Raum nach einem echten Experten für Uhren sucht, kommt an Gisbert L. Brunner nicht vorbei. Der mittlerweile pensionierte bayerische Beamte hat Hunderte von kostbaren Zeitmessern gesammelt, aber auch Dutzende von Büchern über die unterschiedlichsten Marken geschrieben.

    Mehr: Kolumne Zeit ist Geld (18) – Woran sich auch kostbarste Uhren messen lassen müssen

    Startseite
    0 Kommentare zu "Kolumne: Zeit ist Geld: Wie Rolex, Omega und Wempe die Präzision ihrer Uhren messen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%