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Kolumne: Zeit ist Geld Woran sich auch kostbarste Uhren messen lassen müssen

Der Branchenexperte Gisbert L. Brunner erklärt die wichtigsten Uhrenzertifikate – und wofür sie überhaupt stehen. Heute: das Schweizer Prüfbüro COSC.
  • Gisbert L. Brunner
13.11.2020 - 15:26 Uhr Kommentieren
Antreten müssen die individuell nummerierten Uhren beim COSC mit speziellem Prüfzifferblatt, genormtem Sekundenzeiger und Einheitskronen Quelle: Keystone Schweiz/laif
In transparenten Schalen

Antreten müssen die individuell nummerierten Uhren beim COSC mit speziellem Prüfzifferblatt, genormtem Sekundenzeiger und Einheitskronen

(Foto: Keystone Schweiz/laif)

„Zeit ist das, was man an der Uhr abliest“, hat Albert Einstein vor mehr als 100 Jahren postuliert. Für schlichter gestrickte Zeitgenossen erläuterte der große Wissenschaftler seine Relativitätstheorie dann etwa so: Wenn man zwei Stunden mit einem schönen Mädchen verbringt, vergeht die Zeit relativ schnell. Sitzt man hingegen zwei Minuten lang auf einer heißen Ofenplatte, verstreicht sie relativ langsam.

Bei modernen Armbanduhren sind zwei Minuten dann relativ viel, wenn sie jeden Tag so viel vor- oder nachgehen. Selbst einfachere Modelle sollten innerhalb von 24 Stunden höchstens 30 Sekunden von der Norm abweichen. Hochwertige Exemplare verhalten sich deutlich präziser. Wer beim Kauf auf Nummer sicher gehen möchte, achtet deshalb auf eine wie auch immer geartete Prüfung.

Quasi amtlicher Natur sind die Chronometerprüfungen und das traditionsreiche Genfer Siegel. Daneben haben anspruchsvolle Manufakturen wie beispielsweise Patek Philippe, Chopard, Jaeger-LeCoultre oder Montblanc eigene Qualitätskriterien definiert. Denen wollen wir uns diese Woche und in den nächsten beiden Ausgaben dieser Kolumne widmen.

Logischerweise soll eine Armbanduhr möglichst genau gehen. Vor allem dann, wenn sich die Dinge um hochwertige und deshalb kostspielige Objekte drehen. Das Thema Präzision beschäftigt die Menschheit allerdings nicht erst seit gestern. Jeremy Thacker schreiben die Chroniken das Prädikat „Chronometer“ zu. Bereits 1714 soll es der Engländer in seinen Abhandlungen über die Ermittlung der geografischen Länge auf hoher See verwendet haben.

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    1925 legte die Schweizer Gesellschaft für Chronometrie folgende Definition fest: „Ein Chronometer ist eine Uhr, welche einen Gangschein eines astronomischen Observatoriums erhalten hat.“ Und genau das galt bis 1967, als die Chronometerprüfungen der eidgenössischen Sternwarten endeten. Anschließend übernahmen sieben Prüfbüros diese Aufgabe mit amtlichem Charakter. 1973 gingen diese Institutionen wiederum in der kurz COSC genannten „Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres“ auf.

    Eidgenössische Herkunft als Voraussetzung

    Damit sich normale Uhrwerke auch Chronometer nennen dürfen, muss die auf strikte Neutralität verpflichtete Behörde ihre Zustimmung erteilen. Das wiederum geschieht erst nach ausgiebiger Prüfung

    Voraussetzung für die Annahme mechanischer oder auch elektronischer Probanden ist zunächst mal ihre eidgenössische Herkunft. Antreten müssen die Uhren individuell nummeriert mit speziellem Prüfzifferblatt, genormtem Sekundenzeiger und Einheitskronen sowie umgeben von transparenten Kunststoff-Schalen.

    Für mechanische Uhrwerke sieht das Reglement Kategorien mit 20 Millimeter oder größeren Durchmessern sowie weniger als 20 Millimeter vor. Die Kleinen müssen geringere Genauigkeitsansprüchen erfüllen. Automatikwerke sind ohne Rotoren einzuliefern.

    Zum Examen, das entsprechend der Schweizer Norm SN/ISO 3159 über die Bühne geht, wandern die Kandidaten in militärischer Aufstellung auf spezielle Prüfplatten. Nach dem ersten Spannen der Zugfeder per Elektromotor vollzieht sich das Geschehen routiniert nach dem immer gleichen Schema: 24 Stunden und bei 23 Grad Celsius verbringen die Kandidaten in senkrechter Position mit der Krone auf der linken Seite. Es folgen eine Kontrollmessung, maschineller Aufzug, weitere 24 Stunden mit der Krone links und weitere Kontrollmessung.

    Nach abermaligem maschinellem Aufzug stehen sie jeweils zwei Tage in den Positionen „Krone oben“, „Krone unten“ sowie in Flachlage mit dem Zifferblatt oben und unten auf dem Stundenplan. Zudem haben sich die Uhrwerke auch noch bei Temperaturen von acht und 38 Grad zu bewähren. Bei Chronografen richtet sich das Interesse darauf, ob die während der letzten 24 Stunden zugeschaltete Stoppfunktion das Gangverhalten beeinflusst.

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren. Quelle: Privat, Patek Phillippe
    Der Autor

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren.

    (Foto: Privat, Patek Phillippe)

    Es versteht sich von selbst, dass riesige Quantitäten von jährlich weitaus mehr als einer Million Checks nach ausgefeilten Methoden verlangen. Weil penible Augenkontrolle der Gangabweichungen vollkommen unmöglich ist, bedient sich die COSC spezieller Computer und Spezialkameras. Letztgenannte haben alles genauestens im Blick.

    Pro Stunde erfassen sie bis zu 3600 Werke. Die Werte wandern in den Rechner, welche sie mit der cäsiumgesteuerten Radiozeit aus Braunschweig abgleichen und selbst Sekundenbruchteile erbarmungslos als Norm-Verfehlung brandmarken.

    Alle solcherart ermittelten Daten hält ein elektronischer Speicher akribisch fest. Somit lässt sich die Spreu nach Ablauf der insgesamt 15-tägigen Testperiode rasch vom Weizen trennen. Vier bis zehn Prozent der Einlieferungen gehen als „Versager“ kommentarlos an die Absender zurück. Entweder sind sie irgendwann stehen geblieben, oder sie haben sich regelwidrig verhalten. Ungeachtet dessen fallen auch hier die entsprechenden Prüfgebühren an.

    Die Erfolgreichen mit Durchmessern ab 20 Millimetern sind täglich nicht mehr als minus vier und plus sechs Sekunden von der astronomischen Norm abgewichen. Ihre derart ermittelte Präzision kann sich absolut sehen lassen. Gemessen an den 86.400 Sekunden eines Tages beträgt sie rund 99,99 Prozent. Nach der siegreichen Heimkehr erfolgt die Komplettierung unter anderem mit Zifferblatt, Zeigern, Aufzugswelle und Krone, gegebenenfalls Rotor sowie der Einbau in die Schale.

    Zertifikat für den erfolgreichen Scheck

    Dabei können sich die im Rahmen der Zertifizierung ergebenen Werte logischerweise verändern. Gewissenhafte Fabrikanten nehmen daher vor der Lieferung eine weitere Regulierung vor. Gangscheine begleiten offiziell geprüfte Armbandchronometer in aller Regel nicht, sondern Zertifikate, welche den erfolgreichen Check bestätigen.

    Aber das ist nicht der einzige Maßstab. Es gibt noch andere. Im Laufe der Jahre haben viele Uhrenmarken ihre eigenen Messinstrumente entwickelt. Was Rolex, Omega, aber auch der deutsche Juwelier Wempe zu dem Thema beigesteuert haben, erfahren Sie nächste Woche hier. 

    Wer im deutschsprachigen Raum nach einem echten Experten für Uhren sucht, kommt an Gisbert L. Brunner nicht vorbei. Der mittlerweile pensionierte bayerische Beamte hat Hunderte von kostbaren Zeitmessern gesammelt, aber auch Dutzende von Büchern über die unterschiedlichsten Marken geschrieben.

    Mehr: Kolumne Zeit ist Geld (17): Klein, aber fein: Wo eine Uhr auch mal eine Million Euro kosten kann. 

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