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E-CommerceMytheresa will digitalen Luxushändler schaffen

Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont verkauft sein Sorgenkind. Der Münchener Onlinehändler Mytheresa soll YNAP übernehmen. Für die Deutschen ist der Deal in doppelter Hinsicht attraktiv.Nadine Schimroszik, Anja Müller 07.10.2024 - 15:37 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Der Münchener Händler Mytheresa will mit einer Übernahme wachsen. Foto: MyTheresa

Berlin, Düsseldorf. Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont hat im zweiten Anlauf einen Käufer für seinen Verluste schreibenden Onlinehändler Yoox-Net-a-Porter (YNAP) gefunden. Richemont habe sich mit der deutschen E-Commerce-Firma Mytheresa auf einen Deal verständigt, wie beide Unternehmen am Montag mitteilten. Die Münchener sollen YNAP demnach im ersten Halbjahr 2025 vollständig übernehmen.

Im Gegenzug erhalte Richemont eine Beteiligung von einem Drittel an Mytheresa. Der auf Luxusmode von Gucci, Yves Saint Laurent oder Burberry spezialisierte Onlinehändler kam an der New Yorker Börse zuletzt auf einen Wert von 367,5 Millionen Dollar.

Mytheresa bekommt eine Mitgift von 555 Millionen Euro, mit der die Sanierung von YNAP finanziert werden soll. Das werde mehrere Jahre dauern, räumte Mytheresa-Chef Michael Kliger in einer Telefonkonferenz ein. YNAP schreibe Verluste. „Wir werden viel Arbeit haben, aber die Chancen sind enorm. Wir schaffen eine der führenden Luxusplattformen der Welt.“

Die drei Marken Mytheresa, Net-A-Porter und Mr Porter würden weiter betrieben, könnten aber einen großen Teil der Infrastruktur gemeinsam nutzen, um Synergien zu heben und Komplexität zu reduzieren. Die auf Luxusmode mit Preisnachlässen spezialisierte Plattform Yoox soll abgespalten werden. „Wir sind davon überzeugt, dass diese Transaktion einen erheblichen Wert für unsere Aktionäre, Markenpartner und vor allem für unsere High-End-Kunden schaffen wird“, sagte Kliger.

Für Mytheresa ist der Deal in zweifacher Hinsicht attraktiv: Mit YNAP wird der finanzstärkste und größte Konkurrent nun Teil des Unternehmens. Zugleich haben die Münchener mit Richemont nun einen Ankeraktionär. Am New Yorker Aktienmarkt, an dem Mytheresa seit 2021 notiert ist, stieg der Kurs zum Handelsstart am Montag deutlich an.

YNAP: Teilverkauf an Farfetch scheiterte 2023

Richemont-Präsident Johann Rupert zeigte sich erfreut, dass YNAP eine neue Heimat gefunden habe: Mytheresa sei ideal positioniert, die Stärken beider Unternehmen zu bündeln.

In Zusammenhang mit dem Verkauf schreibt Richemont rund 1,3 Milliarden Euro auf YNAP ab. Der Schweizer Konzern ist etwa für seinen Cartier-Schmuck und IWC-Uhren bekannt.

Im Dezember 2023 hatte Richemont den geplanten Teilverkauf von YNAP an die britische Farfetch abgeblasen. Hintergrund war die Übernahme von Farfetch durch den südkoreanischen E-Commerce-Riesen Coupang.

„Mit dem Verkauf zieht Richemont einen Schlussstrich unter den fehlgeschlagenen Ausflug in die Welt des Online-Handels von Produkten fremder Hersteller, was nie sein Kerngeschäft war“, sagte Analyst Jon Cox von Kepler Cheuvreux. Die Kosten des Ausstiegs seien verkraftbar.

Der Umsatz von Mytheresa war im Geschäftsjahr 2023/24, das im Juni endete, um zehn Prozent gewachsen. Der Nettoumsatz lag bei 841 Millionen Euro. Dem Münchener Onlinehändler war es gelungen, den durchschnittlichen Bestellwert von 654 Euro auf 703 Euro zu erhöhen. Die bereinigte Ebitda-Marge war indessen von fünf auf 3,1 Prozent gesunken.

Für das laufende Geschäftsjahr hatte der Onlinehändler vor wenigen Wochen ein Wachstum zwischen sieben und 13 Prozent angekündigt. Kliger sagte am Montag, das fusionierte Unternehmen habe das Potenzial, um 15 bis 20 Prozent pro Jahr zu wachsen. Net-a-Porter und Mr Porter setzten zuletzt 1,2 Milliarden Euro um, die künftig abzuspaltende Plattform Yoox 900 Millionen.

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