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Rath checkt ein: Le Bristol ParisStil lässt sich nicht in Zimmerpreisen bemessen

Drei Hotels konkurrieren in Paris um den Status als bestes Haus der Stadt. Hotel-Experte Carsten K. Rath erkundet das einzig unabhängige, das Le Bristol.Carsten K. Rath 03.03.2018 - 11:00 Uhr Artikel anhören

Der Entrepreneur ist Keynote-Speaker und Autor zu den Themen Reise, Service und Führung. Rund um den Globus hat er Touristik- und Hotellerie-Unternehmen gegründet und geleitet und Tausende Mitarbeiter geführt.

Foto: Handelsblatt

Paris. Drei ehrenwerte Häuser kämpfen in Paris um die Krone des besten Hotels: Das Ritz Paris, das George V und das Le Bristol liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gunst der anspruchsvollsten Gäste. Alle drei bieten eine spektakuläre Lage und Ausstattung auf Weltklasse-Niveau. Carsten K. Rath hat ins Le Bristol eingecheckt um zu sehen, welche Qualitäten der unabhängige Kandidat in diesem Trio zu bieten hat.

Früher war die Wahl des besten Hotels in Paris keine Qual: „Paris plus Grand Hotellerie gleich Ritz“ lautete die Devise – jedenfalls für die verwöhntesten unter den Gästen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Diese Erkenntnis dürfte einer der ausschlaggebenden Gründe gewesen sein, warum die ewige Ikone ganze vier Jahre lang renoviert wurde, bevor sie im Sommer 2016 wiedereröffnete. Nach Hotellerie-Maßstäben ist das eine sehr lange Zeit, in der viele treue Gäste notgedrungen abgewandert sind – ebenso wie Teile des Personals. Nun muss sich das Haus erneut etablieren, was für die beiden schärfsten Konkurrenten eine willkommene Gelegenheit ist, Boden gut zu machen.

Zu ihnen zählt das als ‚Leading Hotel of the World‘ vermarktete Le Bristol. Ein Haus, das zur Oetker Collection gehört und eigenständig geführt wird. Gerade deshalb mag es einem weniger versierten Paris-Besucher nicht so vertraut sein wie die beiden bekannteren und viel beschriebenen Hauptkonkurrenten. Entrez-vous: Werfen wir also einen Blick in diesen Tempel des Pariser Chic. Ganz ‚entre nous‘, versteht sich.

„Petit“ statt protzig

Das Le Bristol liegt in der Rue Faubourg Saint-Honoré in unmittelbarer Nähe zum Élysée-Palast, dem Place de la Concorde und der Champs-Élysées – zentraler geht es in Paris nicht. Die Architektur, die Geschäfte in unmittelbarer Nähe und die elegante zurückgenommene Dekoration lassen keine Zweifel daran aufkommen, wo man sich befindet: Die Gäste des Le Bristol residieren in einer Stadtvilla im Epizentrum der Hautevolee, die in ihrer Urform bereits im 16. Jahrhundert errichtet wurde. In dieser Umgebung ist alles petit statt protzig, aber umso größer in der Wirkung: Jedes Lämpchen wirkt in diesem Teil der Stadt wie von liebevoller Hand arrangiert und poliert.

Das Hotel fügt sich in dieses Bild nahtlos ein: Das „Grand“ in Grand Hotel hat hier nichts mit der protzigen Verschwendung zu tun, die viele Hotels in Städten wie Dubai, New York oder Singapur prägt. Wer in diesem Arrondissement zu Hause ist, hat es nicht nötig, seinen Wohlstand rauszuhängen. Hier will man nicht mehr, hier hat man schon. Selbst internationale Gäste, die diese dezente Noblesse weniger schätzen als Prunk mit Ausrufezeichen, bekommen spätestens beim Blick aus dem Fenster zu spüren, wo sie gelandet sind: Von den zwei kleinen Balkonen meines Zimmers im achten Stock blicke ich auf den Eiffelturm, das Parlament und die
Dächer der Stadt, wie es einem König zur Ehre gereichen würde. Tatsächlich residieren durch die Nähe zum Sitz des Premierministers regelmäßig Staatsoberhäupter im Le Bristol. Schon Konrad Adenauer und Charlie Chaplin sind in dem 1925 eröffneten Haus eingekehrt – und ich spüre sofort, warum.

Die feine französische Art

Der anmutig-gediegene Gesamteindruck setzt sich auch innerhalb des Hauses nahtlos fort. Egal, was man anfasst: Alles ist von extrem hoher Qualität und leise wie der Luxus, den das Haus ausstrahlt. Von den Fußböden bis hin zu den Broussard-Vorhängen wirkt die Ausstattung wie für Menschen erdacht, die alles außer dem Besten irritieren würde.

Ein solcher Gesamteindruck lässt sich nicht allein mit teuren Materialien erzeugen; ab einem gewissen Punkt kommt das Management in der Grand Hotellerie mit Investitionen in die Hardware nicht mehr weiter. An diesem Irrtum sind schon viele Häuser gescheitert.

Ab jenem Punkt ist es der menschliche Faktor, der Service, der den Ausschlag gibt. Perfektion bedeutet in der Hotellerie auch einen täglichen Arbeitsaufwand, den sich viele Häuser nicht leisten können oder wollen. ein Detail verdeutlicht das: In einem hochwertigen Ketten-Hotel verbringt eine Reinigungskraft im Schnitt 14 bis 17 Minuten mit der Aufbereitung eines Zimmers. Im Le Bristol werden Beobachter feststellen, dass zwei Fachkräfte doppelt so lange für einen Raum benötigen. Denn die besonderen Materialien bei der Reinigung angemessen pfleglich zu behandeln, jedem Winkel akribische Aufmerksamkeit zu widmen und auch noch jeden Gardinenzipfel perfekt zu drapieren, braucht Zeit und ein gutes Auge. Und vor allem braucht es die Haltung, dass an diesem Ende nicht gespart werden darf.

Das Le Bristol kennt seine Zielgruppe intim; nicht umsonst sind über die Hälfte der 188 Zimmer Suiten. Darunter die Suite Impériale: Mit 260 m2 ist sie die größte One-Bedroom-Suite in Paris – und mit 24.000 Euro pro Nacht auch eine der teuersten. Zwar sind Zimmer im Le Bristol online und mit langfristiger Planung auch unter 1000 Euro zu haben. Doch für die meisten Kunden in dieser Kategorie gilt ohnehin: Über Geld spricht man nicht. Dieses Motto sollte beherzigen, wer eincheckt. Schon ein Cappuccino kostet im Le Bristol 15 Euro.

Ob ein Hotel – zumal eines der Kategorie ‚5 Sterne Superior‘ – im Vergleich mit den Besten bestehen kann, zeigt sich aber nicht am Offensichtlichen wie dem Preis oder der Lage. Letztere bezahlt man überall mit; den feinen Unterschied macht in der Top-Kategorie die Liebe zum Detail, was nicht natürlich auch im Preis niederschlägt. Die Minibar in meinem Zimmer ist das perfekte Beispiel: Aufmachung und Auswahl sind großartig. Selbst das Branding, das dem Kenner sofort das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, ist dezent – von der Schokolade über die Friandises bis zum Porzellan von Havilland.

Zu oft wird auch in der Top-Kategorie nur eine Standard-Bestückung angeboten, die nicht zum luxuriösen Selbstverständnis passt – und vor allem nicht zum Bedarf der Gäste. Doch Standards erfüllen, die von der starren, veralteten Sterne-Klassifizierung vorgegeben werden, kann jeder. Standards setzen nicht. Das erfordert Kreativität. Und die geht unter, sobald in einem Grand Hotel allein die Effizienz regiert.

Ein Differenzierungsfaktor, den die Luxus-Zielgruppe zu schätzen weiß, sind Anspielungen auf Vertrautes. Der Pool im obersten Stockwerk ist einer Privatyacht nachempfunden; eine Anlehnung an das Hôtel du Cap-Eden-Roc an der Côte d‘Azur.
Die Idee: Der Poolbesuch soll sich anfühlen, als legte man nach einem sonnengetränkten Nachmittag am Cap d’Antibes an, um sogleich einen Aperitif gereicht zu bekommen. Und es funktioniert: Obwohl weit und breit kein Mast in Sicht ist, materialisiert sich der Duft des Segeltuchs auf wundersame Weise in der Nase. Das Le Bristol spielt mit den Sinnen seiner Gäste – die feine Art der ‚joie de vivre‘.

Eine Käseplatte wie ein Monet

Wo die Nase verwöhnt wird, darf der Gaumen nicht ignoriert werden. Auch kulinarisch kann das Haus mit den Konkurrenten durchaus mithalten – und mehr. Das Le Bristol verfügt über drei Restaurants. Das Objekt der Begierde echter Gourmets ist das Épicure mit drei Michelin-Sternen. Wer nicht mindestens einen Monat im Voraus reserviert, hat keine Chance.

In der gesamten Gastronomie wurde den Details viel Aufmerksamkeit gewidmet: Das Mintgrün der Gläser wiederholt sich in den Tellern. Die Gedecke sind arrangiert wie mit der Schablone. Alles greift derart perfekt ineinander, dass ich beinahe überrascht bin, nicht auch noch mintgrüne Schnecken serviert zu bekommen.

Ein Frühstücksbuffet sucht man im Le Bristol übrigens vergebens: Vom Continental Breakfast für 45 Euro bis zum Le Bristol Breakfast für 85 Euro wird hier ausschließlich à la carte gespeist. Manchen Gast mag das enttäuschen, mich entspannt es. Nicht, weil ich nicht zum Buffet marschieren muss, sondern weil der Service so exzellent funktioniert. Das spart mir nicht zuletzt Zeit. Ich habe Tausende Service-Kräfte in Grand Hotels trainiert; wer auch immer diesen Job hier macht, verdient Anerkennung.

Von der Küche ganz zu schweigen. Allein die Croissants reichen schon, um den Tag zu versüßen: Sie sind so buttrig-zart, dass sich das Kauen eigentlich erübrigt. Die Marmelade ist hausgemacht, der Cappuccino-Schaum trägt das Hotel-Logo, die Käseplatte sieht aus wie ein Monet. Beim Obst stimmt nicht nur die Auswahl, sondern auch der Reifegrad jeder einzelnen Sorte.

Wer die Gastronomie eines internationalen Grand Hotels aus der Innensicht kennt, weiß, welche logistische Leistung hinter diesem Gesamtpaket steckt. In der westlichen Hemisphäre sind Hotels und Restaurants heute praktisch keine Grenzen mehr gesetzt; alles kann zu jeder Jahreszeit herangeschafft werden. Ein Hotel, das einen „sense of place“ in sich trägt wie das Le Bristol, weiß in diesem Überangebot die richtigen Akzente zu setzen. Hier werden Standards wie das Mineralwasser eben nicht nach dem Preis oder der Mode ausgesucht. Stattdessen setzt man aus Prinzip auf regionale Produkte von hoher Qualität und eben nicht auf ein Wasser aus Hawaii, nur weil es gerade hip ist.

Service als Kunstform

Wie nahtlos der Service im Le Bristol funktioniert, zeigt sich darin, wie leise und verlässlich alles vonstattengeht, ohne dass ich einen Gedanken daran verschwenden müsste. An der Rezeption nenne ich aus leidvoller Gewohnheit meine Zimmernummer; die Mitarbeiterin spricht mich jedoch ohne Zögern mit meinem Namen an. Wenn ich morgens aufstehe, erwarten mich als deutschen Gast an meiner Tür zwei deutsche Tageszeitungen – ohne, dass ich darum gebeten hätte oder auch nur gefragt worden wäre. Wahrer Luxus tut sich nicht lautstark kund. Er geschieht einfach, als gebe es nichts Selbstverständlicheres auf der Welt.

Den Mitarbeitern im Le Bristol gelingt der Spagat, der vielleicht die größte Kunst im High-End-Service überhaupt darstellt: Sie begegnen ihren Gästen auf Augenhöhe, ohne dabei zu vergessen, wer hinter dem Tresen steht und wer davor. Dass alle Mitarbeiter diese Haltung ausstrahlen, lässt auf eine enorme Qualität der Personalführung und Schulung schließen. Hier muss ich als Gast um nichts streiten oder kämpfen. Jeder Wunsch wird mir von den Augen abgelesen; selbst der, von dem ich noch nicht wusste, dass ich ihn hatte.

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Die Frage des Kellners, ob ich zu meinem Obstsalat nicht auch eine Auswahl von Beeren probieren möge, verneine ich – und bekomme sie trotzdem serviert. Meinen Widerspruch haucht er mit einem charmanten Lächeln davon: „Je sais, Monsieur. Ich habe mir trotzdem erlaubt, sie ihnen zu bringen.“ Nachdem ich gekostet habe, bin ich ihm dankbar. Und sein Lächeln sagt mir, dass er das weiß, ohne dass ich es aussprechen müsste. Das ist mehr als Professionalität – das ist Stil, wie er auch in den teuersten Hotels nicht immer selbstverständlich ist.

Fazit: Der stille Charme kompromissloser Qualität
Wahrer Luxus schreit nicht, wahrer Luxus ist leise. Das Le Bristol ist wie eine echte Grande Dame, die es nicht nötig hat, ihren Status vor sich herzutragen. Wenn der alte César Ritz das gewusst hätte: Die Konkurrenz hat sein Haus nicht nur eingeholt, sondern vielleicht sogar überholt. Das Le Bristol ist eines jener erlesenen Häuser, die ihren Anspruch nicht nur in jedem Detail einlösen, sondern meine hohen Erwartungen noch übertreffen. Hier werden bei der Qualität einfach keine Abstriche gemacht – koste es, was es wolle. Glamour-verliebte Gäste werden wohl auch zukünftig im Ritz einkehren und sich die Etage mit Madonna teilen. Wer bei der Auswahl seines Hotels das Hauptaugenmerk auf Qualität und Gasterfahrung legt, trifft mit dem Le Bristol eine gute Wahl.

Insider-Tipps für den Paris-Aufenthalt
Restaurant: Innovative französische Küche serviert Mickael Poyault im Bistro Brute – ein Leuchtturm für Feinschmecker inmitten all der Touri-Lokale im 8. Arrondissement.
Fitness: Wer im Zentrum joggen möchte, sollte sich vom Eiffelturm aus in südwestlicher Richtung an der Seine entlang bewegen, um die größten Touristenmassen zu meiden.
Sightseeing: Das Fahrrad ist das beste Transportmittel, um Paris zu erkunden. Es verleiht Flexibilität und passt stressfrei durch die malerischen Gassen von Le Marais.

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