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Buchrezension Braucht es mehr Kompromissbereitschaft gegenüber Russland?

Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck plädiert für einen pragmatischeren Umgang mit Russland. Doch wichtige Fragen bleiben offen.
23.04.2020 - 13:59 Uhr 3 Kommentare
Der Politiker ist Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums. Quelle: dpa
Matthias Platzeck

Der Politiker ist Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums.

(Foto: dpa)

Darum geht es: Kooperation statt Konfrontation – Sicherheit für Europa gibt es nur unter Einbindung Russlands. Diese Überlegung ist Ausgangspunkt des aktuellen Buchs von Matthias Platzeck. Elf Jahre lang war der Politiker Ministerpräsident von Brandenburg, ist Chef des Deutsch-Russischen Forums.

Nun kritisiert er das Verhalten der westlichen Welt, bemängelt fehlendes Verständnis für die Transformationsprozesse in Russland. Die „legitimen Sicherheitsinteressen“ der Atommacht würden ignoriert. Alte Feindbilder tauchten wieder auf. Die einst guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland seien zerbrochen.

So fordert Platzeck eine Rückbesinnung auf die Ostpolitik unter Willy Brandt und Egon Bahr. Beide Seiten – Russland und Deutschland – müssten Schritte aufeinander zu machen. Platzeck rät dazu, die deutsche und europäische Außenpolitik wieder pragmatischer zu gestalten, statt vergeblich von der russischen Führung die Übernahme des westlichen Demokratiemodells zu fordern.

Das ist der Autor: Platzeck kennt den Osten. Der gebürtige Potsdamer wuchs in Sichtweite sowjetischer Kasernen auf, erlebte in der ehemaligen DDR den politischen Um- und wirtschaftlichen Zusammenbruch persönlich und als Politiker.

In der Wendezeit der DDR war er als Vertreter des runden Tischs Minister ohne Geschäftsbereich, dann Umweltminister im Land Brandenburg, zwischen 2002 und 2013 führte er Brandenburg als Ministerpräsident.

Matthias Platzeck: Wir brauchen eine neue Ostpolitik: Russland als Partner.
Propyläen Verlag
256 Seiten
22 Euro

Das überrascht: Platzecks Forderung nach einem Perspektivwechsel, um zu Kompromissen zu gelangen, ist in der weiterhin stark polarisierten Russlanddebatte anregend. Tiefgründig sind auch seine Überlegungen zu Kremlchef Wladimir Putin, mit dem im Westen oft die Demokratiedefizite Russlands personifiziert werden. Denn auch ohne Putin würde sich Moskau nicht sofort demokratisieren, schreibt der Autor. Und er gibt zu bedenken: Ein Umsturz beinhalte immer ein sicherheitspolitisches Risiko für Europa.

Bei Fertigstellung des Buchs war das Ausmaß der Covid-19-Pandemie noch nicht ersichtlich. Doch viele Thesen des Autors gewinnen angesichts der aktuellen Krise an Dringlichkeit und Relevanz. Platzecks Forderung, die Oberlehrer-Attitüde im Umgang mit der Atommacht abzulegen, ist zwar nicht neu, wird aber viel zu selten beherzigt.

Das nervt: Es ist durchaus irritierend, wie oberflächlich und zurückhaltend im Buch die Kritik an Russland ausfällt. Gerade was das Vorgehen Moskaus in der Ostukraine und auf der Krim angeht, enthält sich der Autor jeder tieferen Analyse.

Dabei hätte das grobe militärische Eingreifen Russlands auf dem Gebiet seines Nachbarlands sicherlich nicht ganz unter den Tisch fallen dürfen. Und wie der von ihm geforderte Verzicht auf Sanktionen den Konflikt in der Ostukraine beenden soll, löst Platzeck für den Leser leider nicht vollends auf.

Mehr: Matthias Platzeck: „Die Coronakrise wird unsere Gesellschaft verändern“

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3 Kommentare zu "Buchrezension: Braucht es mehr Kompromissbereitschaft gegenüber Russland?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Schönenberg, wieso nehmen Sie die Annexion der Krim durch die Ukraine und Herrn Chruschtschow vor etwa 60 Jahren jetzt Herrn Putin übel? Das verstehe ich nicht. Abgesehen von der unterschiedlichen Landsmannschaft unterscheiden sich die beiden auch in ihrer Weltanschauung: Herr Chruschtschow war Kommunist und Herr Putin ist eher christlich orientiert. Oder ist Ihnen das egal: Russe ist Russe (oder eigentlich Sowjet ist Sowje).. Das passt doch alles überhaupt nicht zusammen.
    Sagen Sie es doch lieber gleich: Sie mögen alles nicht, was weiter östlich als Goslar lebt ...

  • Seltsam verbrämte Ansichten! Hier geht es weniger um das russische Volk, sondern um Herrn Putin. Dieser Herr ist und bleibt ein Geheimdienstler. Der Umgang mit der Opposition in Russland spricht ein übriges. Die Annektion der Krim und das Handeln im Donbass spricht für permanentes Zündeln. Was ist mit Syrien und Herrn Assad?

  • Entschuldigung, aber das traditionell gute Verhältnis zwischen Deutschland und Russland zerbrach um die vorletzte Jahrhundertwende, als Willi II im Rahmen eines Familienkrachs mit fünf (!) Schlachtschiffen als Begleitschutz für seine Jacht seinen Onkel, den Zaren, in Sankt Petersburg besuchte, um ihm seine Meinung zu geigen. Als sich der Zar diese nicht geigen ließ, fuhr er wieder weg und begann einige Jahre später den ersten Weltkrieg gegen ihn, um ihn Mores zu lehren.
    Seit dieser Zeit erklärt die Propaganda immer wieder, daß die Russen und besonders ihre jeweiligen politischen Führer deutschland-feindlich und auch allgemein böse seien. Vierzig Jahre später führte dann der Deutsche Führer die deutsche Armee und SS nach Russland, zu einem der schlimmsten Kriegsverbrechen der Menschheit.
    Trotzdem mögen uns die Russen und auch Herr Putin immer noch, und "böse" sind sie schon gar nicht, ganz im Gegenteil. Wie ich mich erstmalig bei einem Aufenthalt als Austauschwissenschaftler zur Zeit Chruschtschows und dann bei immer wiederholten Besuchen und Treffen überzeugen konnte: weder die Russen noch die Führung wollen "erobern" - Land haben sie weiß Gott genug - sondern sie wollen in Freundschaft kooperieren:
    Und nochmals Entschuldigung: Ihre Schlußbemerkung über die Ostukraine ist hochgradig unpassend. Schließlich wurden die russische Krim und der Donbass von einem ukrainischen Diktator, Chruschschow, der Ukraine "geschenkt". Die Bevölkerung war damit keinesfalls einverstanden und litt darunter auch heute noch, zum Beispiel unter den Einschränkungen bezüglich der Verwendung ihrer eigenen Sprache. Daß Putin ihr jetzt bei der Korrektur dieses Unrechts hilft, ist lobenswert und schon gar kein Grund für Ihre nun wirklich nicht handelsblatt-gemäße Häme.

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