Rezension: Dr. Dooms Gruselkabinett – Nouriel Roubini sieht überall Fallen und überall Chaos
Eine neue Weltordnung, Klimakrise, die Schuldenkrise oder bröckelnde Demokratien: Nouriel Roubini sieht gleich zehn Bedrohungen auf uns zu kommen.
Foto: HandelsblattUnter den vielen Wiederholungen im neuen Buch von Nouriel Roubini fällt eine Episode auf, die einst half, seinen Ruhm zu begründen. Der amerikanische Ökonom hatte 2006 in Las Vegas gerade wieder auf einer Konferenz vor dem Platzen der Immobilienblase und vor einem Wirtschaftscrash (der 2008 kam) gewarnt, da verabschiedete ihn der Moderator spöttisch: „Ich glaube, wir brauchen jetzt alle erst mal einen Schnaps.“
Wer „Megathreats“ liest, Roubinis neues Werk über „zehn Bedrohungen unserer Zeit“, wird mit einem Schnaps nicht auskommen. Er wird eine ganze Schnapsflasche brauchen.
Es handelt sich schließlich um zehn sehr düstere Megabedrohungen, deren Eintreffen „unser Leben und die Weltordnung in einer Weise aus der Bahn werfen wird, wie es nie jemand von uns erlebt hat“, schreibt Roubini: „Wir stehen am Rande einer Klippe, und der Boden unter unseren Füßen gibt nach.“
Inmitten einer Zeit multipler Krisen legt der 64-jährige Professor der Stern School of Business an der New York University ein Buch vor, das die zweifelsohne gestiegenen Risiken der Weltwirtschaft wie unter einem Dunkelgraufilter analysiert, dabei einen leichten Rausch der Apokalyptiker wiedergibt und sich am Ende nicht sehr lange mit Ideen für eine Erstversorgung im Katastrophenfall aufhält: Roubinis „dystopisches“ Szenario gewinnt nach dieser gewissenhaften Aufbereitung des Bösen spielend leicht gegen das ebenfalls präsentierte „utopische“ Wunschszenario, das uns alle noch recht günstig dem großen Schlamassel entkommen ließe. Doch hierfür bräuchte es Wirtschaftswachstum und globale Kooperation, beides wird derzeit dringend vermisst.