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„Rent a Teacherman“Bremen schickt Männer in die Grundschulen

An vielen Grundschulen unterrichten keine Männer. Ein Bremer Projekt soll das ändern – und schickt Lehramtsstudenten an die Grundschulen. Manche Schule musste dafür erst eine Herrentoilette einrichten. 09.09.2017 - 17:12 Uhr Artikel anhören

Kristian Bunte ist einer der wenigen männlichen Lehrer an einer Grundschule.

Foto: dpa

Bremen. Kristian Bunte ist eine Ausnahme: Er arbeitet als Lehrer an einer Grundschule in Bremen und ist damit der einzige Mann im Kollegium. Ein Einzelfall ist der 29-Jährige jedoch nicht. An vielen deutschen Grundschulen sind Männer Mangelware.

So waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Schuljahr 2015/2016 unter den rund 105.000 Vollzeit-Lehrkräften an Grundschulen gerade mal 17.300 Männer. Das bundesweit einmalige Projekt „Rent a Teacherman“ der Universität Bremen soll das ändern. Es „vermietet“ seit fünf Jahren sozusagen Lehramtsstudenten an männerlose Grundschulen.

Regisseur Sönke Wortmann über Eltern, Lehrer und Schule
Sönke Wortmann ist 55 Jahre alt. Ihm gelang als Regisseur 1994 der Durchbruch mit der Komödie „Der bewegte Mann“.
Für Aufsehen sorgte Wortmann mit seinen Fußballfilmen „Das Wunder von Bern“ über den deutschen WM-Sieg 1954 und „Deutschland - Ein Sommermärchen“.
In seinem neuen Film geht es um Eltern, die kampfeslustig, wenn es um das Wohl ihrer Kinder geht: „Frau Müller muss weg!“. Als Vater von drei Kindern kennt sich Sönke Wortmann mit Elternabenden aus. Was er zum Thema sagt.
„Ich sage meistens nichts, aber ich finde es wichtig, dass man sich anhört, wo der Schuh drückt - wenn er drückt.“
„Die Konstellation Elternabend habe ich im Kino so noch nicht gesehen. Lehrer sind auch froh, dass dieses Thema angesprochen wird. Ihr Leidensdruck ist genauso groß, wie bei den Eltern.“
„Wir glauben fälschlicherweise, dass sich in dem Moment, wenn die Kinder zehn Jahre alt sind, ihr Leben mit dem Übertritt zum Gymnasium entscheidet. Das stimmt nicht.“
„Jetzt bleibt mal locker, vertraut euren Kindern, das wird schon alles. Das ist eine Haltung, die ich ein bisschen vermisse. Die Eltern sind heute zu protektiv.“

Die Idee dazu hatte der Erziehungswissenschaftler Christoph Fantini. Viele Kinder würden in der Kita und der Grundschule nicht auf einen einzigen Mann treffen. „Dadurch entstehen sehr stereotype Bilder in ihren Köpfen: Männer sind stark und machen was mit Maschinen. Frauen sind schlau. Deshalb können sie studieren und Lehrerin werden“, sagt Fantini.

An 10 der 17 Bremer Grundschulen ohne männliche Lehrkraft sind seine Studenten im Einsatz. Manche Schulen mussten dafür erst noch eine Herrentoilette einrichten. Die Studenten leiten Sport- oder Theater-AGs, unterstützen die Lehrerinnen und übernehmen den Sexualkundeunterricht für die Jungen.

Sobald sie ihren Bachelor haben, dürfen sie an zwei Tagen in der Woche auch alleine vor der Klasse stehen. Zwölf Lehramtsstudenten beschäftigt Fantini zurzeit. „Diese tauchen inzwischen auch auf Kollegiumsfotos auf“, sagt Fantini.

Das Bremer Bildungsressort wertet das Projekt ebenfalls als Erfolg und will es weiterhin finanziell unterstützen. Dass mehr Männer an Grundschulen unterrichten sollten, findet auch Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Die ideale Schule
...fordern 94 Prozent der Lehrer und 92 Prozent der Eltern.
...fordern 85 Prozent der Lehrer und 83 Prozent der Eltern.
...fordern 77 Prozent der Lehrer und 74 Prozent der Eltern.
Kleine Klassen wünschen sich 76 Prozent der Lehrer und 80 Prozent der Eltern.
Eine gezielte Förderung nach Begabung wünschen sich 75 Prozent der Lehrer und 78 Prozent der Eltern.
Geeignete Räumlichkeiten fordern 72 Prozent der Lehrer und 64 Prozent der Eltern.
Eine gute Vorbereitung auf das Berufsleben ist für 51 Prozent der Lehrer und 67 Prozent der Eltern ein wichtiger Faktor für die ideale Schule.
Die Möglichkeit zum Schüleraustausch ist für 27 Prozent der Eltern und 39 Prozent der Eltern wichtig.

Das Bremer Projekt sieht sie dennoch kritisch. „Ich halte es für problematisch, dass männliche Studierende an Schulen unterrichten dürfen, weibliche dagegen nicht.“ Außerdem greift ihr das Projekt zu kurz. „Es gibt nicht nur das Rollenvorbild Mann. Das Lehrerzimmer muss insgesamt bunter werden.“ Dazu gehörten auch Lehrer mit ausländischen Wurzeln oder Behinderungen.

Auch andere Universitäten wollen mehr Männer für die Grundschulen begeistern. Die Uni Hamburg informiert zum Beispiel Schüler über die Arbeit von Grundschullehrern und vermittelt Praktika. An der Uni Hildesheim gibt es Workshops für Lehramtsstudenten, die für Geschlechterfragen sensibilisieren. „Angehende Lehrer sind Multiplikatoren“, sagt Sabrina Zourelidis vom Gleichstellungsbüro. „Um die Stereotypen zu durchbrechen, setzen wir an der Ausbildung an.“

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Kristian Bunte arbeitete drei Jahre lang als „Teacherman“. Seit Anfang dieses Schuljahrs ist er Lehrer für Mathe und Naturwissenschaften an einer Grundschule im Bremer Norden. „Ich habe das Gefühl, dass Jungen schneller den Kontakt zu mir suchen. Deshalb habe ich gleich einen Draht zu denen.“

Auch deshalb sind männliche Lehrkräfte nach Ansicht Fantinis so wichtig. Sie sind nicht nur Rollenvorbilder für die Jungen, sondern auch Vertrauenspersonen – mit denen sie über Sexualität sprechen können oder durch die sie sich auf Klassenfahrten aufgehoben fühlen.

dpa
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