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Spekulationen um Flug MH370Nach möglichem Wrackteil auch Koffer angespült

Seit März 2014 ist das Flugzeug mit Flugnummer MH370 verschollen. Doch nun löst der Fund eines Wrackteils im Indischen Ozean neue Spekulationen aus. Stammt es vom Unglücksflug MH370? 30.07.2015 - 16:43 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Sydney, Paris. Seit 16 Monaten ist Malaysia-Airlines-Flug MH370 spurlos verschwunden, jetzt könnte ein angeschwemmtes Wrackteil Hinweise auf das Schicksal der 239 Menschen an Bord geben. Australiens Vize-Premierminister Warren Truss hält es für eine „realistische Möglichkeit“, dass das etwa zwei Meter lange, mit Muscheln besetzte Teil von dem vermissten Flugzeug stammt. Auch Malaysias Ministerpräsident Najib Razak will das nicht ausschließen.

Gefunden wurde das Wrackteil auf der Insel La Réunion östlich von Afrika. Den ersten Berichten zufolge könnte es von einem Flugzeug des Typs Boeing 777 stammen, sagte Najib am Donnerstag. Ein solcher Flugzeugtyp war auch bei Flug MH370 im Einsatz. Aber es sei zu früh für Spekulationen, ob es sich um einen Teil der Unglücksmaschine handele. Das Fundstück werde nach Toulouse gebracht, um es dort von der französischen Flugunfall-Untersuchungsbehörde Bea überprüfen zu lassen. „Wir hatten schon oft falschen Alarm, aber um der Familien Willen, die geliebte Menschen verloren haben, bete ich, dass wir die Wahrheit herausfinden werden“, fügte der malaysische Regierungschef hinzu.

Der Fund auf der französischen Insel La Réunion, Hunderte Kilometer vor der Ostküste Afrikas, sei eine bedeutende Spur, sagte Truss. Australien koordiniert die Suche nach MH370 im südlichen Indischen Ozean. Dort, etwa 4000 Kilometer von der Fundstelle entfernt, soll MH370 vor 16 Monaten abgestürzt sein. Winde und Strömungen könnten schwimmende Teile über eine so weite Strecke bringen, sagen Meeresforscher.

Das Flugzeug war am 8. März 2014 auf dem Weg von Kuala Lumpur in Malaysia nach Peking vom Radar verschwunden. Das Flugzeug flog nach den Ermittlungen noch sieben Stunden nach dem letzten Radarkontakt Richtung Süden, wie automatische Satellitensignale nahelegten. Ermittler gehen bislang davon aus, dass die Maschine abstürzte, als der Treibstoff ausging. Niemand weiß, was an Bord passiert ist. Die Piloten hatten nie Probleme gemeldet oder Alarm geschlagen.

An dem Wrackteil, das eine Flügelklappe zu sein scheine, sei die aufgedruckte Nummer BB670 gefunden worden, so Truss. Das sei keine Serien- oder Registrierungsnummer, aber vielleicht eine Wartungsnummer. Auch diese könne helfen, die Herkunft des Flugzeugteils zu bestimmen. Die Muscheln auf dem Fundstück sollen von Meeresbiologen untersucht werden.

Nach dem Fund eines angeschwemmten Flugzeugteils auf der Insel La Réunion im Westindischen Ozean hat ein französischer Hubschrauber Ausschau nach möglichen weiteren Trümmerteilen gehalten. Hauptziel sei es, zu schauen, ob weitere Objekte angespült worden seien, die möglicherweise zum verschwundenen Flug MH370 gehörten, sagte ein Polizeibeamter am Donnerstag.

MH370 - 239 Menschen aus 14 Ländern
Die Maschine der Malaysia Airlines ist auf dem Weg von Kuala Lumpur in Malaysia nach Peking verschwunden. Zwei Drittel der 227 Passagiere an Bord stammten aus China. Zusätzlich waren 12 Besatzungsmitglieder an Bord, insgesamt Menschen aus 14 Ländern.
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Die Bea hat Experten nach La Réunion geschickt, um die Ermittlungen zu koordinieren. „Wir haben bislang keine eindeutige Verbindung nachgewiesen zum Flug MH370“, sagte ein Sprecher der Gendarmerie. Auch die Präfektur der Insel erklärte, das Fundstück sei noch nicht identifiziert. „Keine Hypothese kann ausgeschlossen werden, einschließlich der Herkunft von einer Boeing 777.“ Ein Mitarbeiter des malaysischen Verkehrsministeriums sagte jedoch, es sei „fast sicher“, dass das Wrackteil von einer Boeing 777 stamme. Er berief sich auf Regierungsexperten. Derzeit wird nur eine Maschine diese Typs vermisst.

Einmal im Jahr stellt das Flugunfallbüro Jacdec für das Fachmagazin „Aero International“ ein Sicherheitsranking der 60 größten Fluggesellschaften auf. Die Sicherheit berechnet sich nach der Anzahl der Ausfälle pro Flugkilometer, gewichtet um die Schwere des Unfalls und einen Landesfaktor. Da alle Unfälle der vergangenen 30 Jahre zeitlich gewichtet in die Statistik eingehen, schneiden viele Airlines wegen schwerer Unglücke in der Vergangenheit schlecht ab. Wir zeigen, welche 20 Airlines im Ranking die hinteren Plätze belegen.

Foto: ap

Eine der größten Fluggesellschaften der Welt und in der Rangliste relativ weit hinten: American Airlines findet sich mit dem Jacdec-Index von 0,139 (ein niedriger Wert bedeutet höhere Sicherheit) auf Platz 41. Die Airline fusionierte zuletzt mit US Airways und behielt ihren Namen bei. American ist seit sechs Jahren unfallfrei. Doch erst 2001 gab es einen Absturz: Ein Airbus A300 stürzte mitten im New Yorker Stadtteil Queens ab, alle 260 Insassen starben.

Foto: Reuters

Mit dem Startjahr 1988 ist Air China eine der jüngeren Fluggesellschaften in der Rangliste, hat aber bereits zwei Flugzeugverluste erlitten. 2002 starben 129 Passagiere bei einem Absturz. Der Index liegt bei 0,142.

Foto: Reuters

Im September 2011 wurde Alaska Airlines zu einer Geldstrafe von 590.000 US-Dollar verurteilt, nachdem es bei der Wartung einer Boeing 737 zu Regelverletzungen kam – und Jahre später ein Feuer ausbrach. Die letzte große Katastrophe liegt mittlerweile 16 Jahre zurück: Im Jahr 2000 stürzte eine Maschine in den Pazifik. Obwohl die Airline eher unbekannt ist, gilt sie als zukunftsgerichtet: Alaska Airlines war eine der ersten Fluggesellschaften, die Flugscheine und das Check-in über das Internet anbot. Der Index liegt bei 0,163.

Foto: ap

Die größte Fluggesellschaft des bevölkerungsreichsten Landes der Welt gehört zu den unsichersten Airlines der Welt. Das letzte tödliche Unglück geschah am 8. Mai 1997. Den Piloten des Flugs 3456 misslang bei schwerem Gewitter der erste Landungsversuch in Shenzhen. Bei einem zweiten schoss die Maschine aufgrund des durch den ersten Landeversuch beschädigten Fahrwerks über die Landebahn hinaus. 35 Menschen kamen dabei ums Leben. Index 0,193 – macht Platz 44.

Foto: AFP

Die staatliche Fluggesellschaft Thailands war 2012 noch unter den „Top 10“ der unsichersten Airlines. Langsam arbeitet sie sich in sicherere Gefilde. Der letzte große Unfall datiert zwar auf 1998, doch kleine Pannen sorgen für eine schlechte Sicherheitsnote. Zum Beispiel kam im September 2013 ein Flugzeug bei der Landung am Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi von der Landebahn ab, es wurden mehrere Personen verletzt. Der Index für 2015 liegt daher bei 0,216.

Foto: AFP

Die Südkoreaner mussten in den vergangenen Jahren schwere Zwischenfälle melden. 2013 verunglückte eine Boeing beim Landeanflug auf den Flughafen von San Francisco. Die Maschine setzte vor der Landebahn auf und kam schwer beschädigt auf dem Rollfeld zum Stehen. Drei Personen wurden getötet und 181 Menschen verletzt. 2015 streifte ein Flugzeug beim Landeanflug auf Hiroshima eine Antenne – viele Passagiere wurden verletzt. Das beschert der Airline eine schlechtere Platzierung im Sicherheitsranking (Index 0,241). Drei Flugzeugverluste stehen in der Jacdec-Statistik.

Foto: ap

Insbesondere der Absturz einer McDonnell Douglas MD-87 in Mailand 2001 mit 110 Todesopfern und die Probleme mit der Bombardier Q400 im Jahr 2007 bescheren den Schweden eine negative Sicherheitsnote. Drei Zwischenfälle sorgten dafür, dass alle Q400 aus der Flotte entfernt wurden. Seitdem fliegt die SAS wieder unfallfrei (Index 0,279).

Foto: Reuters

Neu in der Rangliste der unsichersten Fluggesellschaften der Welt ist Aeromexico (Index 0,343). Die Airline ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Der schwerste Flugzeugverlust mit 64 Todesopfern aus dem Jahr 1986 geht zeitlich gerade noch in das Rating ein.

Foto: dpa

Nordkoreanische Agenten zündeten 1987 eine Bombe in einer Maschine der südkoreanischen Airline. Doch acht Abstürze in 30 Jahren sind nicht allein terrorverschuldet. Der letzte Absturz der Airline liegt allerdings 17 Jahre zurück. Platz 49 mit einem Index von 0,362.

Foto: ap

Auch die größte türkische Airline sorgte in den vergangenen Jahren für Negativschlagzeilen. Im Februar 2009 stürzte eine Boeing 737 beim Anflug auf Amsterdam in unbewohntes Gebiet und brach auseinander. Von den 128 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern an Bord kamen neun Menschen ums Leben. In den vergangenen 30 Jahren kam es zu sieben Abstürzen. Die aufstrebende Airline rückt bei Jacdec mit einem Index von 0,366 einen Platz herunter.

Foto: Reuters

In den 90er-Jahren hatte die panamaische Fluggesellschaft einen größeren Zwischenfall. Am 6. Juni 1992 stürzte eine Boeing 737 der Copa Airlines ab. 40 Passagiere und sieben Crew-Mitglieder kamen dabei ums Leben. Am 21. Oktober 2013 kam es bei der Fluggesellschaft zu einem Systemausfall, worauf 110 Flüge der Airline ausfielen. Index: 0,388.

Foto: ap

Die brasilianische Airline gehört zu den größten Billigfluggesellschaften der Welt und wurde im Jahr 2001 gegründet. Trotz der jungen Geschichte gab es bereits einen tragischen Absturz: Durch eine Kollision mit einem anderen Flugzeug stürzte 2006 eine Boeing 737 der Fluggesellschaft im Amazonas-Gebiet ab, alle 154 Menschen an Bord starben. Das führt zu Platz 52 mit einem Index von 0,547.

Foto: Handelsblatt

Während die regionalen Konkurrenten Etihad und Emirates in der Sicherheitsstatistik obere Plätze belegen, tut sich Saudia schwer. Ein Absturz aus dem Jahr 1996 sorgt für eine negative Platzierung im Ranking (Index 0,548). Erst 2014 wurde eine Boeing 767-300 bei einer Notlandung auf dem Flughafen von Medina schwer beschädigt. Bei der folgenden Evakuierung des Flugzeuges wurden 29 der 299 Passagiere des Fluges verletzt.

Foto: Imago

Seit einem tragischen Absturz im Jahr 2007 rangieren auch die Brasilianer ziemlich weit hinten im Sicherheitsranking (Index 0,677). Auf dem Flughafen São Paulo schlitterte ein Airbus A320 über das Ende der Landebahn hinaus, rammte ein vierstöckiges Gebäude und ging in Flammen auf. Bei dem Unglück kamen fast 200 Menschen ums Leben. Aber es geht bergauf: 2013 war TAM noch die zweitunsicherste Airline der Welt.

Foto: dapd

Zwei tragische Katastrophen 2014 haben Malaysia Airlines im Ranking der unsichersten Fluggesellschaften der Welt tief fallen lassen. Zuerst riss am 7. März 2014 der Kontakt zum Malaysia-Airlines-Flug 370 ab. Das Flugzeug wurde bis heute nicht gefunden. Knapp vier Monate später stürzte Flug MH17 im umkämpften Gebiet der Ostukraine ab. Eine Flugabwehrrakete hatte das Flugzeug abgeschossen. Es spricht vieles dafür, dass russische Separatisten für den Abschuss verantwortlich waren. Im Vergleich zum Vorjahr erholt sich Malaysia Airlines um zwei Plätze (Index: 0,711).

Foto: Reuters

Garuda Indonesia war in den vergangenen 30 Jahren in sechs schwere Unfälle verwickelt, bei denen 282 Menschen starben. Den letzten großen Zwischenfall gab es 2007, als eine Maschine bei der Landung in Flammen aufging. Es wurden 21 Menschen bei dem Unfall getötet. Index: 0,749.

Foto: AFP

Die kolumbianische Fluggesellschaft wurde bereits 1919 gegründet. Die Airline ist so stark gewachsen, dass sie neu im Ranking aufgenommen wurde (Index: 0,998). In den vergangenen 30 Jahren gab es drei Flugzeugverluste mit 323 Todesopfern – der letzte im Jahr 1990. Seitdem ist Avianca unfallfrei.

Foto: Imago

Die Liste der Zwischenfälle bei China Airlines ist lang. Der letzte liegt mehr als acht Jahre zurück. Nach einer Landung in Okinawa fing eine Boeing 737 Feuer. Dabei wurde allerdings lediglich ein Besatzungsmitglied leicht verletzt. Der letzte große Zwischenfall ereignete sich im Jahre 2002: Aufgrund von Materialermüdung brach eine Boeing 747 der Airline während eine Fluges von Taipeh nach Hongkong vermutlich auseinander. Das Ranking ist mit einem Index von 1,047 unverändert schlecht.

Foto: AFP

Auf dem zweiten Platz der unsichersten Airlines 2015 steht die Gesellschaft, die im Vorjahr noch an der „Spitze“ stand. Lion Air mit Sitz in Jakarta verzeichnete in ihrer Geschichte sieben Flugzeugverluste, davon einen mit Todesopfern. Außerdem hat die Airline ('Index: 1,058) auffällig viele Zwischenfälle bei Starts oder Landungen. Ein Unglück aus dem April 2013 war besonders spektakulär: Eine Maschine im Anflug auf den Flughafen Denpasar auf Bali kam vor der Landebahn im Meer auf und zerbrach in zwei Teile (Bild). Zum Glück überlebten alle 108 Insassen das Unglück.

Foto: ap

Wieder im Ranking vertreten ist Vietnam Airlines – und steigt ausgerechnet als Schlusslicht wieder ein (Index: 1,094). Bei fünf Flugzeugverlusten in 30 Jahren kamen 171 Menschen ums Leben. Das letzte Unglück mit Todesopfern datiert auf das Jahr 1997.

Foto: Reuters

Boeing wollte zunächst nicht Stellung nehmen. „Wir können keine dieser Berichte kommentieren, weil alle Informationen von den Ermittlern kommen müssen“, meinte das Unternehmen auf Anfrage. Dies entspreche dem internationalen Protokoll bei Unfall-Untersuchungen. Boeing wolle aber weiterhin bei der Aufklärung des Unglücks mithelfen. Auch Malaysia Airlines wollte sich an Spekulationen über den Fund nicht beteiligen. „Im Moment wäre es für die Airline zu früh, über die Herkunft des Objekts zu spekulieren“, teilte das Unternehmen in Kuala Lumpur mit.

Einen Tag nach dem Fund ist auch ein Teil eines Koffers entdeckt worden. Es sei an der gleichen Stelle aufgetaucht, wo das Wrackteil angeschwemmt wurde, berichtete die Regionalzeitung „Le Journal de l'Île de la Réunion“. Ob die beiden Fundstücke in einem Zusammenhang stehen, ist bislang unklar.

Australische Meeresforscher stützten die MH370-Theorie. „Wir hatten erwartet, dass 12 bis 18 Monate nach dem Absturz Teile in Madagaskar oder Umgebung auftauchen“, sagte Küsten-Ozeanograph Charitha Pattiaratchi von der Universität Westaustraliens. Er hoffe, dass noch weitere Wrackteile gefunden werden. Der Rumpf des Flugzeugs liege aber wohl auf dem Meeresgrund.

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Die Forscher dämpfen aber Erwartungen, vom Fundort eines Treibgut-Stücks Rückschlüsse auf die Absturzstelle ziehen zu können. „Wir wüssten höchstens: Sie ist im östlichen Teil des Ozeans, südlich des Äquators und nicht zu nah an der australischen Küste“, sagte Jochen Kämpf von der Flinders-Universität in Adelaide. Das sei ungenauer als das 120 000 Quadratkilometer große Gebiet, das mit Hilfe von Satellitensignalen ermittelt wurde. Dort suchen derzeit Schiffe mit Unterwasser- und Sonargeräten. Es ist eine der abgelegendsten Meeresregionen der Welt.

Die Mehrheit der Passagiere von MH370 stammte aus China. Angehörige äußerten sich skeptisch über den Fund. Viele fürchten, es handele sich nur um ein Gerücht - sie warten auf eine offizielle Bestätigung. „Es ist so weit weg, wo sie das Teil gefunden haben“, wunderte sich Liu Dongliang, dessen Bruder an Bord der Maschine war. „Die Nachricht kommt nicht von einer offiziellen Quelle, deswegen bezweifle ich, dass es wahr ist“, sagte Liu Dongliang am Donnerstag telefonisch der Deutschen Presse-Agentur in Peking.

dpa
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