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Verschwundenes FlugzeugSuche nach MH370 geht weiter

Wo befand sich MH370, als es zum Absturz kam? Das bleibt das größte Rätsel der Luftfahrt. Eine internationale Experten-Organisation will dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Indes geht die Suche weiter. 07.03.2015 - 10:25 Uhr Artikel anhören

Eine Maschine der neuseeländischen Luftwaffe überfliegt das Gebiet, in dem Flug MH370 verschwunden ist. Trotz intensiver Suche konnte bislang keine Spur der verschollenen Boeing entdeckt werden.

Foto: Reuters

New York/Peking/Canberra. Die Suche nach MH370 geht auch ein Jahr nach dem mysteriösen Verschwinden des Flugzeugs unvermindert weiter. „Unsere Entschlossenheit, Antworten zu finden, ist unerschütterlich“, sagte der für die Luftfahrt zuständige stellvertretende australische Regierungschef Warren Truss am Samstag in der Hauptstadt Canberra. Premierminister Tony Abbott hatte Angehörige diese Woche mit dem Hinweis aufgeschreckt, er könne nicht versprechen, dass die Suche mit gleicher Intensität unbegrenzt weitergehe.

Australien koordiniert die Suche nach dem Wrack rund 2000 Kilometer westlich der Stadt Perth im Indischen Ozean. Die Maschine der Malaysia Airlines war am 8. März 2014 mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking verschwunden. Bis heute fehlt jede Spur. Die malaysische Behörde für Zivilluftfahrt wollte am Samstag einen neuen Zwischenbericht zu den Ermittlungen veröffentlichen.

„Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen derjenigen, die an Bord waren“, sagte Truss. „Ich kann ihr Gefühl der Hilflosigkeit nachvollziehen. Sie haben Antworten verdient, und wir tun alles, was möglich ist, um ihnen diese Antworten zu geben.“

Verschwörungstheorien rund um Flug MH370
Die Ermittler haben alle Passagiere und Besatzungsmitglieder unter die Lupe genommen. Niemand hatte Terror-Sympathien oder -Verbindungen, auch die beiden Iraner nicht, die mit gefälschten europäischen Pässen an Bord waren. Sie träumten vom besseren Leben in Europa. Keine Terrororganisation hat sich je zu einem Anschlag bekannt.
Das behauptet der Amerikaner Christopher Green in einem auf YouTube populären Video, allerdings ohne jedwede Indizien. Ein Schurkenstaat habe die Maschine gekapert, wolle sie mit Atomwaffen ausstatten und eines Tages auf eine US-Stadt lenken. Der US-Autor Jeff Wise vermutet die Maschine dagegen in russischen Händen, ebenfalls ohne irgendwelche konkreten Anhaltspunkte.
Das FBI taucht immer bei Verschwörungstheorien auf: Die USA seien hinter etwas her gewesen, das an Bord war, meint der chinesische Blogger He Xin. Die US-Botschaft in Kuala Lumpur sah sich sogar genötigt zu dementieren, dass das Flugzeug auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean landete. Ex-Airline-Chef und Buchautor Marc Dugain kombiniert diese Theorien zu seiner Version: Hacker manipulierten die Bordcomputer von außen und lenkten die Maschine in Richtung des US-Stützpunkts, wo sie vom US-Militär abgeschossen wurde.
Das behauptet der britische Autor Nigel Cawthorne in einem Buch. Bei einer damals stattfindenden thailändisch-amerikanischen Militärübung im Südchinesischen Meer sei scharfe Munition verwendet worden. Die Geschichte vom stundenlangen Flug in Richtung Süden sei erfunden worden, um sicherzustellen, dass das Wrack an falscher Stelle gesucht und nie gefunden wird. Seriöse Experten zweifeln dagegen nicht an den Angaben der Satellitenfirma Inmarsat, die Stunden nach dem Verschwinden Daten von der Maschine auffing.
Das halten mehrere erfahrene Unfallermittler für die wahrscheinlichste Variante. Sie äußern sich in einer Dokumentation des Senders National Geographic: Der Pilot dirigiert den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit, nimmt eine Sauerstoffmaske, löst in der Kabine einen Druckabfall aus, der alle ins Koma versetzt und fliegt Richtung Süden, bis die Maschine mit leeren Tanks abstürzt. Warum würde aber jemand auf Suizid-Mission die Maschine so lange fliegen lassen?
An Bord war zwar eine Ladung mit gut 200 Kilogramm hoch brennbaren Batterien. Ein Brand hätte womöglich die beiden Kommunikationssysteme zerstören können - aber die Piloten hätten zuvor im Cockpit Alarm gehört und über Funk eine Notsituation gemeldet, sagen Piloten. Hätten toxische Dämpfe oder ein Druckabfall Passagiere und Crew bewusstlos gemacht, hätte die Maschine nach dem letzten Radarkontakt nicht zwei abrupte Kursänderungen nehmen kön

In China haben einige Angehörige der MH370-Insassen Angst, zum Jahrestag des Verschwindens der Boeing auf die Straße zu gehen. Eine ursprünglich geplante Protestkundgebung vor der Malaysischen Botschaft werde vermutlich nicht stattfinden, sagten mehrere Angehörige am Samstag.

Wegen der in Peking stattfindenden Jahrestagung des Volkskongresses sei die Polizei derzeit sehr streng. Deshalb würden sie vermutlich im Stillen an ihre Familienmitglieder und Freunde denken und auf einen öffentlichen Protest verzichten. Die Maschine der Malaysia Airlines war mit 239 Menschen an Bord am 8. März 2014 verschwunden, davon kamen 153 aus China.

Die Suche nach Flug MH370
Derzeit untersuchen vier Schiffe mit Echolot den Meeresboden im südlichen Indischen Ozean. Rund 40 Prozent eines 60.000 Quadratkilometer großen Gebiets wurden bereits durchkämmt, bis Mai soll die Suche abgeschlossen werden. Was nach dem Mai geschieht, ist noch unklar. Die Winterstürme der südlichen Hemisphäre dürften in jedem Fall weitere Suchaktionen über Monate beeinträchtigen.
Experten berechneten den möglichen Absturzort mit Hilfe von Signalen, die ein Satellit von der Maschine empfing – sogenannte Handshakes. Daraus ergaben sich zwei mögliche Routen, aus denen die in Richtung Indischer Ozean ausgewählt wurde. Hätte die Maschine die andere Route genommen, wäre sie über asiatisches Festland geflogen und nicht unbemerkt geblieben.
Die Experten stünden vor der Herausforderung, wenn nicht das Wrack, so zumindest aber die Flugschreiber in 4000 Metern Tiefe und in völliger Dunkelheit zu finden und zu bergen. Immerhin können sie dabei auf die Erfahrungen bei der Suche nach den Blackboxes von Air-France-Flug AF447 zurückgreifen: Diese waren zwei Jahre nach dem Absturz im Juni 2009 von einem Tauchroboter im Atlantik geborgen worden.
Der Druck in der Tiefe des Meeres ist zwar extrem hoch gewesen, die Strömungen dagegen meist relativ schwach, so dass vermutlich kaum Trümmer weggetrieben worden wären. Experten gehen daher davon aus, dass zumindest Teile der Maschine noch in leidlich gutem Zustand wären.
Spekuliert wird vor allem über technische Probleme oder Konstruktionsfehler, über einen Terroranschlag, eine Entführung oder eine spektakuläre Selbstmordaktion des Piloten – doch Belege gibt es für keine der Thesen. Die glaubwürdigste Theorie ist nach Einschätzung der Ermittler, dass Passagiere und Besatzung nach einem plötzlichen Sauerstoffabfall in der Maschine bewusstlos wurden und die Boeing per Autopilot weiterflog, bis der Treibstoff ausging und sie ins Meer stürzte.
Die Website Aviation Safety Network listet nur einen weiteren Fall auf: 1962 verschwand demnach eine vom US-Militär gecharterte Turboprop der US-Gesellschaft Flying Tiger Line mit 107 Insassen auf dem Weg von Guam zu den Philippinen. Ihr Schicksal ist bis heute unbekannt.
Ohne den Flugschreiber der Maschine wird die Flugzeugindustrie niemals wissen, was genau falsch lief. Dafür aber beflügelt das Schicksal von MH370 die Bemühungen für eine bessere Überwachung von Maschinen. Eine Flugsicherheitskonferenz in Montreal brachte im vergangenen Monat eine Initiative auf den Weg, wonach Flugzeuge bereits ab dem kommenden Jahr so ausgestattet sein sollen, dass sie bei Notfällen im Minutentakt ein Signal absetzen.

Eine Boeing 777-200ER wiegt voll beladen 298 Tonnen und ist so lang wie sechs Schulbusse. Kaum vorstellbar, dass so ein Flugzeug spurlos verschwinden kann. Aber genau das ist vor fast einem Jahr geschehen. Trotz einer beispiellosen Suche wurden bis heute keine Wrackteile von Flug 370 der Malaysia Airlines mit 239 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord gefunden.

Das wäre vielleicht anders, wäre der Kurs des Flugzeuges live per Satellit verfolgt worden. Aber das gab es während dieses Fluges nicht, denn planmäßig sollte er größtenteils über Land führen - und damit voll von Radarstationen am Boden erfasst werden.

Fluggesellschaften und Regulierer beraten seit MH370 intensiv darüber, wie viel Flug-Tracking nötig ist, um das spurlose Verschwinden einer Maschine auszuschließen. Jetzt liegt ein Plan auf dem Tisch, der vorschreibt, dass bis Ende 2016 alle Fluggesellschaften die Positionen ihrer Jets alle 15 Minuten feststellen müssen.

Es ist zweifelhaft, dass eine solche Maßnahme einen Verlust wie jenen vor einem Jahr ausschließen würde. Aber sie könnte ein schnelleres Auffinden und eine schnellere Bergung ermöglichen. Das zu wissen, wäre zumindest etwas beruhigend für die Öffentlichkeit. In einem Zeitalter, in dem sich feststellen lässt, wo sich ein vermisstes Smartphone oder ein FedEx-Paket befindet, ist es schwer nachvollziehbar, dass etwas in der Größe einer Boeing 777 verschwunden bleibt.

„Die Meinung der Öffentlichkeit darüber, was akzeptabel ist, hat sich radikal geändert“, sagt Todd Curits, ein früherer Boeing-Ingenieur und Direktor der Airsafe.com Foundation. In der Industrie vollziehe sich dieser Prozess langsamer.

Katastrophenjahr für Asiens Luftfahrt
Transasia Flug GE235 rammt kurz nach dem Start in Taiwans Hauptstadt Taipeh eine Brücke in einem Wohngebiet und stürzt anschließend in einen Fluss. 38 Insassen kommen um, 15 überleben. Beide Triebwerke sind ausgefallen. Es ist eine Maschine vom Typ ATR-72.
AirAsia-Flug QZ8501, ein Airbus A320, verschwindet zwischen Indonesien und Singapur vom Radar. 162 Menschen sind an Bord, überwiegend Indonesier. Der Pilot des Billigfliegers setzt keinen Notruf ab. Wrackteile werden zwei Tage später in der Javasee entdeckt.
Transasia-Flug 222 stürzt bei schlechtem Wetter im Landeanflug auf Penghu Insel (Taiwan) ab, es gibt 48 Tote und 10 Überlebende. Es ist eine Maschine vom Typ ATR-72.
Malaysia Airlines MH17, eine Boeing 777, stürzt über dem Kampfgebiet in der Ostukraine ab, aller Wahrscheinlichkeit nach ist sie von einer Rakete abgeschossen worden. 298 Menschen an Bord kommen um, es sind überwiegend Niederländer.
Das Verschwinden Malaysia Airlines MH370 gehört zu den größten Rätseln der modernen Luftfahrt. Es wird davon ausgegangen, dass die Boeing 777 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking vor der Küste von Westaustralien in den Indischen Ozean stürzte. An Bord befinden sich 239 Menschen. Bis heute gibt es keine konkreten Hinweise auf den Verbleib der Maschine.

Fluggesellschaften und Regulierer sind sich darin einig, dass es zu teuer wäre, vor allem für Entwicklungsländer, den Kurs aller 90.000 Flüge am Tag rund um die Welt ständig zu verfolgen. Und die Vorteile wären begrenzt. In der Branche herrscht die Auffassung, dass Flug MH370 eine Anomalie war, ein Vorgang, der sich wahrscheinlich nicht wiederholen werde. Wenn Fluggesellschaften - wiederum vor allem in Entwicklungsländern - Geld für Modernisierung im Cockpit ausgäben, stünden vermutlich Systeme zur Verhinderung von Unfällen wie Kollisionen oben auf der Liste.

„Wenn man bei neuen Auflagen zu aggressiv und strikt vorgeht, dann werden Länder schlicht entscheiden, sich nicht anzuschließen“, sagt John Hansman, ein Aeronautik-Professor am Massachusetts Institute of Technology.

Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation ICAO, Teil der Vereinten Nationen, hat die geplanten neuen Anforderungen im Februar umrissen.

Ein förmliches Votum über die Regeln wird bis November erwartet. Die Luftfahrt-Regulierer jedes Landes müssten sie dann akzeptieren und in die Tat umsetzen. Australien, Indonesien und Malaysia haben just angekündigt, dass sie zu den ersten Nationen gehören wollen, die ein solches Tracking testen.

Die Airlines wären demnach dafür verantwortlich, alle 15 Minuten Aufschluss über die Flugposition ihrer Maschinen zu erhalten. Das könnte per Bodenradar geschehen, automatisch via Satellit bei Flügen über dem Meer oder sogar mündlich direkt aus dem Cockpit.

Die ICAO spezifiziert nicht die Art der Kommunikation, sondern überlässt das den Fluggesellschaften. Sie verlangt nicht, dass die Airlines beispielsweise 50.000 bis 100.000 Euro ausgeben, um die Cockpits mit neuer Elektronik aufzumöbeln. Der größte Teil der Technologie ist bereits vorhanden.

Nach Angaben von Inmarsat, dem britischen Unternehmen für Satellitenkommunikation, verfügen 11.000 kommerzielle Flugzeuge schon über seine Satellitenverbindung. Das seien mehr als 90 Prozent der globalen Langstrecken-Flotte. Maschinen, die über Land fliegen, würden von Radarstationen am Boden erfasst.

Im Fall von MH370 glauben Experten, dass Malaysia Airlines bei einer 15-Minuten-Vorschrift das Verschwinden der Maschine früher erkannt hätte. Stattdessen verging mehr als eine Woche bis zur Schlussfolgerung, dass die Boeing wahrscheinlich etwa 1770 Kilometer westlich von Australien in den Indischen Ozean stürzte.

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Dabei ist es natürlich so, dass ein Flugzeug innerhalb von 15 Minuten mehr als 250 Kilometer zurücklegen kann - ein erhebliches Gebiet über einem Ozean, wenn es gilt, nach einer vermissten Maschine zu suchen. Daher schlägt die ICAO eine zweite Phase von neuen Regeln vor.

Demnach soll jedes Flugzeug, das über 19 Sitze oder mehr verfügt und nach 2020 gebaut wurde, automatisch minütlich seine Position melden, wenn es von seiner Route abweicht, unplanmäßig absinkt oder höher fliegt oder wenn ein Feuer an Bord entdeckt wurde. Piloten hätten keine Möglichkeit, dieses Meldesystem abzuschalten. Es würde es möglich machen, die Position einer Maschine in einem Radius von ungefähr elf Kilometern zu bestimmen.

Da aber jedes Flugzeug leicht 20 Jahre oder länger eingesetzt werden kann, würde es bis mindestens 2040 dauern, bis jede Maschine in der Luft über eine solche Automatik verfügt. „Man muss realistisch sein“, sagt Andrew Herdman vom Verband der Airlines in der Asien-Pazifik-Region. In der Zukunft würden Fluggesellschaften von neuer, billigerer Luftfahrtelektronik profitieren. Aber gegenwärtig „müssen sie den besten Nutzen aus der bestehenden Technologie ziehen“.

ap
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