Blut spenden: So viel Geld gibt es für Plasmaspenden in Deutschland
Düsseldorf. Der Bedarf an Blutplasma hat in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Grund dafür ist dem Paul-Ehrlich-Institut zufolge eine gestiegene Nachfrage nach grundlegenden Arzneimitteln, die auf menschlichem Blutplasma basieren. Doch genau davon werde bundesweit zu wenig gespendet, warnt ein Zusammenschluss aus Ärzte-, Patienten- und Industrieverbänden, darunter der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI).
Dabei erfüllen Spender nicht nur eine gesellschaftliche Aufgabe. Sie werden auch für ihren Aufwand entschädigt, häufig in Form von Bargeld. Regelmäßig in einen börsengehandelten Indexfonds angelegt, ließe sich damit theoretisch eine kleinere Summe ansparen. Warum sich Blutspenden dennoch nicht als regulärer Nebenverdienst eignen.
Welche Formen der Blutspende gibt es?
Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gibt es drei verbreitete Wege, Blut zu spenden. Die in Deutschland häufigste Form ist die Vollblutspende, wobei dem Spender etwa 500 Milliliter Blut entnommen werden. Es enthält alle Bestandteile und ist damit für mehrere Menschen und unterschiedliche Zwecke einsetzbar. So könne laut DRK eine einzige, etwa zehn Minuten dauernde Vollblutspende bis zu drei Patienten das Leben retten.
Neben den Vollblutspenden gibt es sogenannte Blutbestandteilspenden. Dazu zählen die Plasma- sowie die Thrombozytenspende. Bei beiden läuft das Blut durch eine sogenannte Apheresemaschine, die das Blut in seine Bestandteile unterteilt und entweder das Blutplasma oder die Thrombozyten zurückbehält. Die restlichen Blutbestandteile werden wieder dem Körper zugeführt.
Wie oft kann man Blut und Plasma spenden?
Das hängt von der Art der Spende ab. Vollblutspenden erfordern einen Mindestabstand von acht Wochen zwischen zwei Spenden. Denn der Körper benötigt Zeit, um das verlorene Blut vollständig zu ersetzen. So ist gesetzlich festgelegt, dass Männer bis zu sechsmal jährlich Vollblut spenden dürfen. Für Frauen ist die Zahl aufgrund des niedrigeren Anteils an roten Blutkörperchen auf vier Spenden pro Jahr begrenzt.
Eine Plasmaspende ist häufiger möglich. Laut Hämotherapie-Richtlinie der Bundesärztekammer müssen zwischen zwei Plasmaspenden mindestens zwei Kalendertage liegen. Einige Organisationen, darunter das DRK, empfehlen jedoch einen Abstand von etwa sieben Tagen. Bis zu 60 Spenden pro Jahr sind beim DRK und anderen Blutspendediensten möglich.
Dabei ist das Spenden von Plasma zeitaufwendiger als die Vollblutspende und dauert zumeist zwischen 30 und 45 Minuten.
Noch länger dauert der Prozess, wenn gezielt Thrombozyten entnommen werden. So müssten dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zufolge Spender mit einem Zeitaufwand von rund 90 bis 120 Minuten rechnen. Nach Angaben der Bundesärztekammer sind innerhalb von zwölf Monaten bis zu 26 Spenden von Thrombozyten möglich.
Wie viel Geld bekommt man für das Spenden von Plasma?
Blut- oder Plasmaspenden gelten als soziales Engagement und basieren auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Einige Blutspendedienste zahlen für die Spende von Blut, Plasma oder Thrombozyten jedoch eine Aufwandsentschädigung. Laut Transfusionsgesetz werden Spender dabei nicht direkt für ihr gespendetes Blut bezahlt, sondern erhalten Geld als Ausgleich für die entstandenen Kosten und den Aufwand. Daher fallen Aufwandsentschädigungen bis zu einem bestimmten Betrag nicht unter die steuerpflichtigen Einnahmen.
Bundesweit gibt es keine pauschale Höhe für Aufwandsentschädigungen, an der sich Spender orientieren können. Die meisten Anbieter zahlen zwischen 20 und 30 Euro für eine Vollblut- oder Plasmaspende. Da die Vollblutspende weniger Zeit in Anspruch nimmt als eine Apheresespende, erhalten Spender bei Letzterer tendenziell eine höhere Aufwandsentschädigung. Dabei entschädigen die großen Blutspendedienste in Deutschland eine Plasmaspende wie folgt:
| Blutspendedienst | Standorte (Bundesländer) | Betrag pro Plasmaspende |
|---|---|---|
| CSL Plasma GmbH | Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein | 23–25 Euro, je nach Abgabemenge |
| Haema GmbH | Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen | 25 Euro |
| Plasma Service Europe GmbH | Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Thüringen | 25–30 Euro, je nach Abgabemenge |
| Octapharma Plasma GmbH | Berlin, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt | 22–25 Euro, je nach Abgabemenge |
| DRK-Blutspendedienst | Bundesweit nur in stationären Spendezentren | 15–25 Euro |
Quelle: Handelsblatt-Recherche
Für eine Thrombozytenspende erhalten Freiwillige teilweise Entschädigungen von bis zu 60 Euro. Manche Blutspendedienste vergeben anstelle von Bargeld auch Gutscheine, etwa für das Kino oder Schwimmbad.
Plasma über Jahre spenden: Lohnt sich das?
Als regulärer Nebenverdienst eignet sich die Entschädigung für eine regelmäßige monatliche Plasmaspende nicht. Das Geld kann, auch wenn der Spender es zehn Jahre lang in einen ETF auf den MSCI-World-Index investieren würde, nur einen geringen Teil zum Vermögensaufbau beitragen.
Bei einer angenommenen ETF-Rendite von im Schnitt sechs Prozent pro Jahr ließen sich so mit eiserner Disziplin etwa 20.000 Euro ansparen:
- Monatliche Einzahlung: 125 Euro aus fünf Plasmaspenden je 25 Euro
- Dauer: zehn Jahre beziehungsweise 120 Monate
- Gesamteinzahlungen: 15.000 Euro
- Jährliche Rendite: sechs Prozent
- Zins- und Zinseszinserträge: 5485 Euro
- Endwert nach zehn Jahren: 20.485 Euro
Nach 20 Jahren – unter der Annahme einer stabilen Gesundheit, Disziplin, Rendite und einem anhaltenden Bedarf an Plasmaspenden – würde sich das eingezahlte Kapital von insgesamt 30.000 Euro auf 58.000 Euro knapp verdoppeln.
Eine solch dauerhafte und häufige Blutplasmaspende dürfte für die meisten Menschen allerdings kaum realistisch oder umsetzbar sein. Zudem müssten Plasmaspender, die alle Wege der Blutspende voll ausschöpfen, die steuerliche Belastung berücksichtigen.
Muss man Aufwandsentschädigungen fürs Plasmaspenden versteuern?
Eine Aufwandsentschädigung für Plasmaspenden ist zunächst nicht einkommensteuerpflichtig. Übersteigen die Einnahmen jedoch die Grenze von 256 Euro im Jahr, werden sie als sonstige Einkünfte nach dem Einkommensteuergesetz steuerpflichtig, erklärt Steffen Gall von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH). In dem Fall seien die gesamten Einnahmen steuerpflichtig, nicht nur der Teil über den besagten 256 Euro. Im obigen Beispiel also die gesamten 1500 Euro im Jahr.
In der Steuererklärung müssen die Einnahmen dann in der Anlage „Sonstige Einkünfte“ angegeben werden. Laut VLH-Sprecher Gall könne man gleichzeitig aber auch Aufwendungen für die Blut- oder Plasmaspenden geltend machen, zum Beispiel die Fahrtkosten.
Wann darf man Blutplasma spenden?
Nach Angaben der Bundesärztekammer müssen Spender volljährig sein und mindestens 50 Kilogramm wiegen, wobei die Höchstgrenze – gemessen am Body-Maß-Index (BMI) – bei 40 liegt. Das Körpergewicht entscheidet auch darüber, wie viel Milliliter Blutplasma gespendet werden dürfen. Dabei wird vor Ort eine ärztliche Anamnese durchgeführt, die im Einzelfall über eine Eignung zur Spende entscheidet.
Erstpublikation: 03.11.2025, 09:16 Uhr.