Handelsblatt-Musterdepots: Das Dynamik-Depot: Die Saisonalität spricht für eine Jahresendrally
Die Strategen (v. l.): Laetitia-Zarah Gerbes (Acatis Investment), Gabriele Hartmann (Perspektive Asset Management) sowie David Wehner (Do Investment)
Foto: privatMünchen. Die Kapitalmärkte werden von vielen Faktoren beeinflusst, und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Entwicklung an den Börsen zu analysieren. Die Analyse von Saisonalitäten ist eine der Analysemöglichkeiten.
Mit Saisonalitäten sind regelmäßige Muster gemeint, die sich in der Regel in jedem Kalenderjahr wiederholen. Diesem Muster folgend gehören die Monate August und September zu den schwächsten Aktienmarktphasen innerhalb eines Kalenderjahrs.
In diesem Jahr scheint sich diese Saisonalität zu bewahrheiten: Konjunktursorgen treiben die Börseninvestoren um, vor allem mit Blick auf das kriselnde China. Auch von der US-Notenbank kommen Warnsignale. Die Märkte befinden sich im Korrekturmodus.
Das Entscheidende dabei ist jedoch, dass es nicht neue Negativüberraschungen waren, die den Aktienmärkten die Euphorie raubten, sondern lediglich eine etwas genauere Inaugenscheinnahme altbekannter Risiken. Schließlich ist die Konjunkturentwicklung in Europa und China schon seit Monaten abwärtsgerichtet.
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Chinas Wirtschaft konnte sich nicht nachhaltig nach dem Ende der Coronarestriktionen erholen, wie sich das viele Börsenoptimisten ausgemalt hatten. Auch mit Blick auf die USA gibt es in den nächsten Monaten nur wenig Grund zum Optimismus.
Da erst jetzt die Zinserhöhungen der vergangenen neun Monate ihre konjunkturdämpfende Wirkung entfalten, würde eine weitere Zinserhöhung die Stimmung am Aktienmarkt weiter dämpfen. Aber vermutlich wird die Fed keine andere Wahl haben, als die Zinsen erneut zu erhöhen, will sie die Inflation langfristig in den Griff kriegen.
Der US-Dollar konnte jedenfalls im Wert zulegen. Eine Rezession der US-Konjunktur scheint mir dennoch unausweichlich. Aus diesem Grund schließe ich auch hierzulande ein Soft Landing der Konjunktur aus, insbesondere mit Blick auf die ernüchternden Konjunkturdaten in dieser Woche. Wir müssen uns auf eine Rezession in den nächsten Quartalen einstellen.
Zwei Anleihe-ETFs gekauft
Diese fundamentale Einschätzung gepaart mit den kontinuierlich gestiegenen Renditen für lang laufende Staatsanleihen, vor allem US-Treasuries und Bundesanleihen, führt meines Erachtens zu einer relativen Attraktivität von Anleihen- gegenüber Aktienrisiken. Aus diesem Grund habe ich in den vergangenen Wochen im Dynamik-Depot ein ETF veräußert, welches in kurz laufende US-Staatsanleihen investiert und mit einem Teil der frei gewordenen Liquidität zwei Anleihe-ETFs gekauft, die in Euro denominierte Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen sieben und zehn Jahren und 15 und 30 Jahren investieren.
Falls der Kapitalmarkt einen wirtschaftlichen Abschwung oder sogar eine Rezession einpreist, dann würden die Renditen für lang laufende Staatsanleihen sinken und die Kurse der beiden Anleihe-ETFs steigen.
Auf der Aktienseite war ich ebenfalls aktiv. Zum einen habe ich Unilever wieder in das Dynamik-Depot aufgenommen, nachdem ich den Titel nach einem Kurssprung mit Gewinn veräußerte und die Aktie sich in den letzten Wochen wieder verbilligte.
Zudem habe ich meine Position in Mastercard nach einem starken Kursanstieg in den letzten zwei Monaten veräußert und die frei gewordene Kasse in Walt Disney und Schneider Electric reinvestiert. Die beiden Unternehmen mussten in den vergangenen Wochen Kursrückgänge hinnehmen.
Korrektur würde zu Aktienkäufen genutzt
Darüber hinaus habe ich die japanische Aktie Nintendo ins Dynamik-Depot aufgenommen. Das Unternehmen ist momentan dabei, die Veröffentlichung des Nachfolgers der global erfolgreichen Konsole Switch vorzubereiten. Zudem ist Nintendo fundamental günstig bewertet, und die japanische Regierung plant nach ersten Nachrichtenmeldungen ein Fiskalpaket im Oktober, um die Konjunktur zu unterstützen.
Falls das Muster anhält und Investoren im Monat September mit einer stärkeren Korrektur an den Aktienmärkten konfrontiert sein sollten, würde ich die niedrigeren Kursnotierungen für Zukäufe im Dynamik-Depot nutzen. Denn die angesprochene Saisonalität spricht für ein starkes viertes Quartal in Kapitalmarktjahren, die vor einem US-Wahljahr liegen.
Ob auf dieses statistische Maß in diesem Jahr Verlass sein kann und welcher Auslöser eine Jahresendrally bedingen kann, wird die Zeit zeigen. In der jüngsten Vergangenheit haben Zentralbank-Interventionen ein solches Szenario ausgelöst und diese sind oftmals nur ein Kreditevent entfernt.