Altersvorsorge: FDP-Vorschlag einer Aktienrente: So sollte das Depot für eine auskömmliche Rente aussehen
Wer über den Kapitalmarkt Vermögen für ein sorgenfreies Alter ansparen möchte, muss bisher weitgehend privat sparen.
Foto: The Image Bank/Getty ImagesFrankfurt, Berlin. Die FDP hat mit einer Idee zur Altersvorsorge den Bundestagswahlkampf gestartet. Unter dem Motto „Die Rente enkelfit machen“ werben Rentenexperte Johannes Vogel und der Fraktionsvize im Bundestag, Christian Dürr, für eine „gesetzliche Aktienrente“. Sie soll das bisherige Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher Rente, betrieblicher und privater Vorsorge erweitern. Gerade Menschen mit geringen Einkommen könnten so „endlich Eigentum für die Altersvorsorge erwerben“, sagt Vogel.
Jeder gesetzlich Rentenversicherte soll demnach zwei Prozent seines Einkommens in die Aktienrente einzahlen – je zur Hälfte getragen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Dafür wird der Beitrag zur gesetzlichen Rente um diesen Anteil gesenkt, heute also auf 16,6 Prozent. Nach Einschätzung der Politiker soll diese Absenkung der gesetzlichen Rente langfristig durch das kapitalgedeckte System mehr als ausglichen werden.
Der Bochumer Rentenexperte Martin Werding hält das System von 2022 an für umsetzbar. Er nimmt für eine „Basisvariante“ eine durchschnittliche Rendite von 6,5 Prozent an – was als relativ hoch gilt.
Wer über den Kapitalmarkt Vermögen für ein sorgenfreies Alter ansparen möchte, muss bisher weitgehend privat sparen – zumal eine von der jetzigen Bundesregierung versprochene Reform der Riester-Rente ausbleibt. Experten raten: möglichst früh, möglichst breit in Aktien sparen.
Anleger, die ihr Finanzvermögen noch mindestens fünf bis zehn Jahre investieren wollen, sollten ihr Depot stärker „in Richtung Produktivvermögen der Wirtschaft nachjustieren“, empfiehlt Stefan Freytag, Chef des zur Deutschen Bank gehörenden Deutsche Oppenheim Family Office. Angesichts der Politik der Notenbanken, die den „Nullzins noch mehrere Jahre festschreibt, bekommen Aktien im Vergleich zu Anleihen einen ungleich höheren Renditehebel“, sagt er. In der Coronakrise habe sich der Zinsdruck nach unten noch verschärft, ergänzt Christian Lange, Mitglied der Geschäftsleitung des VZ Vermögenszentrums.
Bei Aktien zählt der weltweite Mix
In den vergangenen fünf Jahren haben die Vermögensverwalter bereits zu einem deutlichen Abbau der Anleihequote geraten. Häufig fiel dabei der Ratschlag, als Alternative zu Zinspapieren Aktien mit der Aussicht auf stabile Gewinne und Ausschüttungen zu kaufen, etwa von Konsumgüter-Konzernen wie Nestlé und Danone.
In einem Musterportfolio für Anleger mit mittlerer Risikoneigung und einem längeren Anlagehorizont der Deutschen Oppenheim ist der Anleiheanteil in den letzten fünf Jahren von 50 Prozent auf ein Drittel gesunken. Im Gegenzug legten der Aktien- und der Immobilienanteil zu – und es wurde etwas Gold beigemischt. VZ-Experte Lange empfiehlt für ein dynamisches Depot eine Aktienquote von 70 Prozent. Die Anleihequote beträgt 20 Prozent. Rohstoffe machen zehn Prozent aus, die Hälfte davon Gold.
Bei Aktien zählt für die Experten der weltweite Mix. „Emotionen sind der schlimmste Feind der Anleger“, warnt Freytag. Dazu zählt er auch Heimatliebe, also das Übergewicht an deutschen und europäischen Aktien. USA und China sind für ihn ein Muss: „Dort gibt es Unternehmen mit innovativer, technologischer Schlagkraft, die Europa nicht hervorbringt.“
Die Vermögensmanager empfehlen passive Indexfonds auf Aktien, die „kostengünstig und transparent“ sind, wie Freytag lobt. Lange rät: Nach Belieben könnten Anleger zusätzlich ein paar Akzente mit Einzelwerten setzen, wenn sie sich mit den Unternehmen beschäftigen wollten. Deutsche Oppenheim bietet Kunden ein langfristig ausgerichtetes Portfolio mit 20 bis 25 Aktien an, von Unternehmen mit soliden, stetigen Geschäftsmodellen. Dazu gehören Aktien aus Bereichen wie IT, Infrastruktur, Pharma, Wasser, Finanzdienstleister, Energie und Grundstoffe.
Um trotzdem etwas Rendite mit Bonds zu erzielen, bieten sich Freytag zufolge Pfandbriefe oder Staatsanleihen anderer Länder der Euro-Zone wie Italien an – allerdings mit kürzerer Laufzeit. „In den nächsten zwei bis drei Jahren dürfte es keine Konflikte geben, die die Euro-Zone zum Bersten bringen“, meint er. Lange von VZ gefallen US- und Schwellenländer-Anleihen, die zwar Währungsrisiken bergen, aber noch Zinsen bringen.
Außerdem setzen die Manager auf Unternehmensanleihen. Lange findet einen globalen Mix aus Hochzinspapieren mit ihrer geringeren Bonität einen Blick wert, trotz drohender Kreditausfälle. „Es werden nicht alle Bonds ausfallen“, meint er. Hier bevorzugt er aktiv gemanagte Fonds: Denn „in den Indexfonds sind die größten Schuldner am stärksten vertreten“.
Eine Alternative zu Aktien und Anleihen sind Immobilien. Derzeit ist dieser Bereich aber auch schwierig: wegen der bereits hohen Preise und der Krisenanfälligkeit bestimmter Sparten wie Büros, Gewerbeimmobilien, Hotels. Übrig blieben Wohn- und Logistikimmobilien, meint Freytag. Er empfiehlt für kleinere Anlagesummen Fonds und rechnet mit Erträgen von zwei bis drei Prozent.
Um mit einem angesparten Vermögen im Alter sorglos leben zu können, brauchen auch Rentner eine „kluge Mischung aus Strategien“, betont Lange von VZ. Wer etwa die ersten zehn Jahre eine feste monatliche Extrarente haben wolle, müsse dafür einen Teil für einen Sparplan abzweigen, erklärt Thomas Mai, Altersvorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Bremen.
Kapital sollte auch im Rentenalter weiter arbeiten
Für den Rest des Vermögens, der später gebraucht werde, sollten die Menschen über ihren Schatten springen, fordert der Verbraucherschützer: Wer mehr als zehn Jahre Zeit hat, könne getrost auch auf Aktien setzen. Je nach Rentenlücke und Risikoempfinden sollten zwischen 25 und 75 Prozent in Aktien gesteckt werden, schlägt Mai vor. Dieser Anteil sollte in internationale Aktienfonds oder die preiswerteren Indexfonds (ETFs) fließen, der Rest in breit anlegende stabilere Produkte wie Anleihe-, Immobilienfonds oder Auszahlpläne.
Das Kapital sollte auch im Rentenalter weiter für einen arbeiten, betont VZ-Berater Lange. Dafür hat VZ eine sogenannte Etappenstrategie entwickelt. Im Kern wird mit dem Vermögen ein Auszahlplan mit Fonds gebaut. Auszahlungen fließen aus einem Verbrauchsteil, der in wertstabileren Rentenfonds mit Firmenbonds guter Qualität und Staatsanleihen sowie Immobilienfonds steckt. In Aktienfonds soll weiter Vermögen aufgebaut werden. Unterm Strich soll das Kundenkapital erhalten bleiben, zugleich sollen regelmäßige Auszahlungen möglich sein.
Bei einer eher konservativen Renditeerwartung von rund 1,5 Prozent im Jahr bräuchte ein Sparer für eine Auszahlung von 500 Euro im Monat ein Vermögen von gut 400.000 Euro. Werden vier Prozent Rendite erreicht, müssen nur knapp 40 Prozent dessen eingesetzt werden – allerdings muss ein Anleger dann am Aktienmarkt investieren und mit den Wertschwankungen dort leben können.
Die Etappenstrategie von VZ arbeitet in Zehnjahresphasen. Für die erste Dekade werden die gewünschten Auszahlungen aus dem Verbrauchsteil festgelegt, und entsprechendes Kapital wird eingeplant. Dieser sogenannte Verbrauchsteil macht je nach Bedarf eines Anlegers und dem Vermögen vielleicht ein Drittel bis die Hälfte des Vermögens aus. Dort will Lange zwei bis zweieinhalb Prozent Rendite nach Kosten pro Jahr erzielen.
Der Rest wandert renditeorientiert in einen separaten Wachstumstopf, der breit in Aktienfonds investiert wird. Aus dessen Erträgen speist sich nach dem Modell ab der zweiten Dekade der neue Verbrauchsteil, der wiederum regelmäßige Auszahlungen ermöglicht.
Bei starken Marktbewegungen wird nachjustiert. Das Ursprungskapital des Wachstumstopfs bleibt konstant investiert. Langes Zielrendite beträgt dort vier bis sechs Prozent im Jahr.
Wichtig ist, auf die Kosten zu achten. Denn sie nagen an der Rendite. Verbraucherschützer Mai rät: Laufende Kosten sollten maximal zwei Prozent nicht übersteigen. ETFs sind günstiger, gewissen Auszahlkosten kommen hinzu, weil die Anteile über die Börse verkauft werden. VZ bietet die Etappenstrategie ab einem Vermögen von 200.000 Euro an und verlangt dafür 0,7 bis 1,4 Prozent des Kapitals im Jahr.