Anlagestrategie: Inflation, Rezessionsangst, Zinsanstieg: Wo Experten Chancen sehen – und wovon sie abraten
Verschiedene Perspektiven in Europa und den USA.
Foto: APFrankfurt. Unterschiedlicher können die Bedingungen für Investoren kaum sein in den beiden klassischen Anlageregionen USA und Europa: Die US-Aktienmärkte gelten auch nach jüngsten Kursverlusten noch als teuer, die dortigen Anleiherenditen scheinen wieder einen Blick wert. In Europa wirken die Kapitalmärkte trotz der Nähe zur Ukraine ruhiger.
Für Vincent Mortier, seit Februar Chef-Anlagestratege des französischen Fondsriesen Amundi, bildet die unterschiedliche Geldpolitik auf den beiden Kontinenten den Kern dieser unterschiedlichen Welten. Im Gespräch mit dem Handelsblatt rät er ab von US-Aktien und empfiehlt eher Titel aus Europa und Asien. Andere Strategen denken ähnlich.
Den breiten US-Aktienmarkt hält Chef-Investor Mortier für deutlich überteuert: Der S&P 500 könnte seiner Ansicht nach in diesem Jahr noch rund zehn bis 20 Prozent absacken. Noch höhere Risiken sieht er bei den in den vergangenen Jahren besonders beliebten Technologie-Aktien – auch wenn diese Papiere zuletzt bereits deutlich verloren haben.
Die Kurse solcher sogenannter Wachstumsaktien spiegeln oft die Hoffnung auf Gewinne weit in der Zukunft wider. Diese müssen bei steigenden Zinsen auf ein niedrigeres Niveau abgezinst werden. Zudem verteuert sich deren Refinanzierung über Kredite oder am Kapitalmarkt. Dies bringe „Margendruck und verringert die Bewertung der Aktien“, sagt Mortier und warnt: „Manche nicht profitablen Tech-Papiere sind derzeit noch immer 30 bis 40 Prozent überbewertet.“