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Handelssaal der Frankfurter Börse

Nach einem Dax-Plus von mehr als 25 Prozent im vergangenen Jahr erwarten die Anleger ein eher ruhiges Aktienjahr 2020.

(Foto: Bloomberg)

Anlegen 2020 – Sentiment-Jahresumfrage Der Pessimismus der Anleger weckt Hoffnung auf eine Dax-Rally

Nach einem tollen Börsenjahr 2019 erwarten die Anleger nun eine Verschnaufpause am Aktienmarkt. Doch ein Aufschwung in Richtung 15.000 Punkte ist wahrscheinlicher.
12.01.2020 - 10:55 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Laut der Sentiment-Theorie passiert an der Börse immer das Gegenteil von dem, was die Anleger erwarten. Deshalb könnte das Börsenjahr 2020 wie folgt verlaufen: Zunächst gibt es zum Start einen überraschenden, aber nur moderaten Ausverkauf. Erst im Frühjahr finden die Aktienmärkte einen Boden, von dem aus die Kurse wieder steigen. Dieser Boden liegt jedoch oberhalb von 12.000 Punkten.

In den Sommermonaten folgt anschließend eine Rally in Richtung 15.000 Punkte. Diese Marke wird dann im Herbst deutlich übersprungen. Nach den US-Wahlen erfolgt im Sinne der Börsenweisheit „buy on rumor, sell on fact“ (Kaufen Sie bei Gerüchten, verkaufen Sie bei Fakten!) eine Konsolidierung und danach ein moderater Jahresausklang mit einem Schlussstand von rund 14.500 Punkten.

Warum der Sentiment-Experte Stephan Heibel dieses Szenario entworfen hat? Weil verschiedene Untersuchungen zeigen, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete eintritt. „Es gibt natürlich unzählige andere Alternativen“, meint Heibel. „Wir werden nächstes Jahr sehen, wie viel von unserer Analyse tatsächlich eingetreten ist.“

Seit fünf Jahren fragt das Handelsblatt Anleger, was sie vom kommenden Börsenjahr erwarten. Heibel wertet anschließend die Ergebnisse im Sinne der Sentiment-Theorie aus. Die besagt: Es ist unwahrscheinlich, dass die Mehrheitsmeinung eintritt.

Das hat die Umfrage vor einem Jahr erneut bestätigt. Damals wurden Aktien so unattraktiv wie nie zuvor gesehen. Anleger versprachen sich größere Chancen bei Edelmetallen, Nahrungsmitteln, Immobilien, Öl und Industriemetallen.

Heibel schlussfolgerte daraus vor einem Jahr: „Gerade die Unbeliebtheit der Aktien in dieser Umfrage macht Mut für das Börsenjahr 2019.“ Denn laut Sentiment-Analyse wird ein Boden im Bärenmarkt dann gefunden, wenn Anleger kapitulieren. „Aktien wird für 2019 nicht viel zugetraut, Anleger haben kapituliert“, meinte er damals.

Das Resultat: Im vergangenen Börsenjahr stieg nur der Ölpreis (plus 31,8 Prozent) stärker als der Dax, der um 25,5 Prozent zulegen konnte. Sämtliche Aktienmärkte zogen mit an: Der Dow Jones stieg um 24,2 Prozent, der Nikkei legte 18,2 Prozent zu und Shanghai-A-Aktien gewannen 22 Prozent.

Die anderen Assetklassen schnitten – zum Teil – deutlich schlechter ab: Gold gewann 18,1 Prozent, Getreide sechs Prozent, Immobilien fünf Prozent und Kupfer plus 3,2 Prozent.

Damit hat das vergangene Jahr erneut bestätigt, dass die Finanzmärkte ein ums andere Mal mit Überraschungen aufwarten. Das betrifft auch die Auswahl der wichtigen Themen. Zwar wurde vor einem Jahr der Geldpolitik der Notenbanken die größte Bedeutung beigemessen. Allerdings nicht in dem Sinne, wie es 2019 geschah: Vor einem Jahr dominierte noch die Angst vor einem Ende der lockeren Geldpolitik. Tatsächlich hat die erneute Lockerung der Geldpolitik die Aktienmärkte angetrieben.

Die Themen Brexit, die Unberechenbarkeit Trumps sowie die italienische Verschuldung entfalteten wider Erwarten der Mehrheit im abgelaufenen Jahr kaum negative Wirkung. So erwarteten Anleger vor einem Jahr trotz des unmittelbar vorangegangenen Ausverkaufs im Chaos-Dezember nur eine Jahresperformance von zehn bis elf Prozent. Damit waren sie im Rückblick viel zu pessimistisch.

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Und was erwarten die Anleger im Detail vom Börsenjahr 2020? Im Durchschnitt einen Dax-Anstieg bis Jahresende auf 13.419 Punkte. Das entspricht einem Jahresplus von nur 1,3 Prozent, was bei diesem Zeithorizont großzügig als Seitwärtsbewegung interpretiert werden kann. Nach dem Plus von 25 Prozent im Vorjahr gehen Anleger nun von einer Verschnaufpause aus.

Nur wenig besser sieht der Median des Jahreshöchststands aus: Der liegt bei 13.750 Punkten, ein Plus von 3,8 Prozent. Nur jeder Fünfte hält einen Dax-Stand von über 14.000 Punkten Ende 2020 für möglich. Mehr als ein Plus von 5,7 Prozent traut also nur eine Minderheit dem deutschen Börsenbarometer zu.

Immerhin haben Anleger kaum Angst: Nur elf Prozent halten einen Dax-Stand zum Jahresende von unter 12.500 Punkten für wahrscheinlich. Das entspräche einem Minus von 5,7 Prozent. Damit hat die Mehrzahl der Umfrageteilnehmer eine sehr enge Bandbreite für die Frankfurter Benchmark definiert: 12.500 bis 14.000 Punkte. Eine ähnliche Prognose geben die Volkswirte und Analysten der großen Banken für 2020 ab.

Ein Blick auf die Börsenhistorie zeigt aber, dass dieser Ausgang eher unwahrscheinlich ist. In den vergangenen 50 Jahren hat der Leitindex 14-mal mit einer negativen Jahresperformance abgeschlossen. Ein Plus von weniger als fünf Prozent gab es jedoch nur viermal. Dagegen folgte auf ein Jahr mit einem Dax-Plus von über 20 Prozent sechsmal ein weiteres Jahr mit einem Wertzuwachs von ebenfalls über 20 Prozent. Viermal folgte ein Jahr mit Verlusten.

„Es ist zu einfach, aus der guten Performance des Dax im abgelaufenen Jahr nunmehr ein schwaches oder neutrales Jahr abzuleiten“, meint Heibel. Seiner Ansicht nach gibt es durchaus eine Reihe von Faktoren, die ein weiteres Börsenjahr mit zweistelligem Zuwachs erwarten lassen.

Dabei erwarten die Anleger einen typischen Jahresverlauf: Mit einem Jahreshoch im April knapp unter 14.000 Punkten könnten die Aktienmärkte im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen unter Druck geraten und im August ein Tief unter 11.700 Punkten schreiben, um sich dann bis zum Jahresende bis über 13.400 Punkte zu erholen.

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Das macht aber ein anderes Szenario wahrscheinlicher: Wenn die Mehrheit für die kommenden Monate bis April steigende Kurse erwartet, ist die Möglichkeit einer frühen Korrektur wahrscheinlicher. „Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran könnten bereits der Anlass sein, der die Aktienmärkte für einige Wochen in Atem hält“, erläutert Heibel.

Den Höchstkurs des Jahres erwarten die meisten Anleger maximal bei 14.400 Punkten, ein Plus von 8,7 Prozent. Im Sinne der Sentiment-Theorie ist es sehr wahrscheinlich, dass der Dax im laufenden Jahr diese Hürde überspringt.

Für einen Ausverkauf geben Anleger dem deutschen Leitindex deutlich mehr Raum: immerhin 18 Prozent der Umfrageteilnehmer können sich ein Tief unter 10.800 Punkten vorstellen. Das würde den Index um 18,5 Prozent fallen lassen.

Diese Gegenüberstellung zeigt deutlich, dass Anleger derzeit mehr Angst vor einem Ausverkauf haben, als dass sie Chancen in einer Rally sehen. Eine solch defensive Erwartungshaltung gilt als „bullishes“ Zeichen.

„Gerade die gedämpfte Performanceerwartung für den Aktienmarkt im Jahr 2020 macht mir Hoffnung, da die meisten Anleger einen heftigen Ausverkauf für genauso wahrscheinlich halten wie einen nur moderaten Anstieg“, lautet das Fazit des Sentimentexperten.

Die wichtigen Anlagethemen für 2020

Bei den Themen für 2020 sind die Geldpolitik (derzeit positive Erwartung), der Handelsstreit (derzeit positive Erwartung) sowie die US-Wahlen die wichtigsten. Für die beiden ersten liegt die Gefahr in einer negativen Überraschung. Für die US-Wahlen gibt es noch kaum Erwartungen, die sich im Aktienmarkt niedergeschlagen haben.

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Den weiteren Themen schreiben die Umfrageteilnehmer nur eine geringe Relevanz zu: Die Verschuldung Europas spielt kaum mehr eine Rolle. Dabei wird allerdings übersehen, dass Italien inzwischen bei einer Schuldenquote von 134 Prozent angelangt ist und selbst Frankreich mit 98 Prozent alles andere als solide dasteht.

Die Ölpreisentwicklung wird nach Einschätzung von Heibel zu Recht als wenig bedeutend abgetan: Selbst die neuen Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben den Ölpreis nicht mehr in Richtung 100 Dollar pro Fass (159 Liter) bewegen können. Es gibt nicht zu wenig Öl, sondern zu viel. Jeder Förderausfall wird binnen kürzester Zeit an anderer Stelle ausgeglichen. Einen nachhaltigen Einfluss auf die Konjunkturentwicklung dürfte der Ölpreis also im Jahr 2020 kaum haben.

Die Kanzlerfrage wird als völlig irrelevant abgetan, obwohl im nächsten Jahr die Bundestagswahl stattfindet.

Die größten Investmentchancen

Die Anleger geben Aktien wieder größere Chancen als noch vor einem Jahr. Lediglich Immobilien trauen sie eine noch bessere Performance zu. Angesichts der durchschnittlichen Erwartungen für Aktien ist es nicht überraschend, dass die moderate Performanceerwartung für Aktien von Immobilien übertroffen werden soll.

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Wenn also Aktien kein großes Kursplus zugetraut wird, aber sie dennoch als zweitbeste Investmentchance gesehen werden, ergibt sich insgesamt ein ziemlich pessimistisches Bild von den Finanzmärkten im Jahr 2020. Auch für Edelmetalle und Nahrungsmittel sind Anleger optimistisch. Für Industriemetalle sowie das Öl ist die Erwartung moderat bullish.

Genau wie im Vorjahr wird auch in diesem Jahr weder Staatsanleihen noch Unternehmensanleihen viel zugetraut. „Dabei haben gerade die beiden Unternehmensanleihen in meinem Heibel-Ticker-Portfolio im vergangenen Jahr um 18 Prozent zugelegt“, erläutert der Sentiment-Experte.

Seiner Ansicht nach bleiben Edelmetalle sowie auch Anleihen ein wichtiges Investment in jedem diversifizierten Portfolio. Heibels Credo lautet: „Es wäre gefährlich, sich nur auf Chancen im Immobilienmarkt zu konzentrieren, da Finanzmärkte sich in der Regel eben genau anders entwickeln als erwartet.“

Mehr: Die mit Abstand besten deutschen Aktien 2019 stammen von kleineren Unternehmen aus den Nebenwerten. Ein Blick auf die zehn Firmen mit dem größten Kursplus.

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