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Anleger-UmfrageErst ein zwischenzeitlicher Ausverkauf dürfte die aktuelle Schwächephase an den Märkten beenden

Seit dem Corona-Crash 2020 handeln viele unerfahrene Aktionäre an der Börse. Diesen Anfängern steht nun die erste Korrektur am Aktienmarkt bevor.Jürgen Röder 17.01.2022 - 16:27 Uhr Artikel anhören

Die vergangenen Handelstage waren für Anleger extrem nervenaufreibend. Wie wird es weitergehen?

Foto: dpa

Düsseldorf. Nach dem holprigem Jahresauftakt am deutschen Aktienmarkt ist noch kein Ende weiterer Kursverluste in Sicht. Das lässt sich aus den Daten der aktuellen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment ableiten.

Dabei gibt es bereits einen recht großen Pessimismus sowohl in Deutschland als auch in den USA, sowohl unter Privatanlegern als auch unter den Profis. Das ist laut Sentimentanalyse ein Kontraindikator und signalisiert eher wieder steigende Kurse. Doch nach Meinung des Sentimentexperten Stephan Heibel „fehlt die Zuversicht, um diesen Pessimismus in Aktienkäufe zu wandeln, die frühzeitig diese tendenzielle schwache Börsenphase beendet“.

Bereits vor einer Woche bereitete dem Experten die rückläufige Erwartungshaltung der Anleger Sorge. Daran hat sich nichts geändert. Die deutlichen Kursverluste in der vergangenen Woche im Technologie- und im Gesundheitssektor waren eher eine zusätzliche Belastung.

Laut Sentimentanalyse es gibt zwei Arten, wie eine schwache Börsenphase enden kann. Die erste Variante: Eine fundamentale Entwicklung hebt den Optimismus bei den Anlegern und damit die Kaufbereitschaft. Starke Konjunkturdaten wären beispielsweise ein solcher Faktor. Gepaart mit einem entsprechenden Zukunftsoptimismus enden dann solche Kursrückgänge schnell. Anleger sind bereit, wieder zu kaufen, wenn sie an steigende Kurse glauben.

Die andere Variante ist ein panikartiger Ausverkauf, bei dem am Ende alles aufs Parkett geworfen wird. In diesem Fall werden jegliche Spekulationen aufgelöst und auch Positionen, von denen der Aktionär langfristig nicht vollständig überzeugt ist. „Das wäre dann ein finaler Ausverkauf, der dann endet, wenn nichts mehr zu verkaufen ist“, erläutert Heibel.

Seit dem Corona-Crash Anfang 2020 endete fast jeder Ausverkauf schließlich durch wieder aufkommendes Kaufinteresse – also das geschilderte erste Szenario. Nach einem Minus von fünf bis sieben Prozent gab es stets Schnäppchenjäger, die mit ihren Käufen charttechnisch für einen neuen „Boden“ sorgten. Anleger, die in einen solchen Rücksetzer hinein kauften, konnte sich schon wenige Tage später über Kursgewinne freuen.

Zuletzt gab es Ende Oktober 2020 einen Rücksetzer mit einem Minus von mehr als zehn Prozent. Dann sprechen Börsianer von einer Korrektur. Kurz vor der US-Präsidentschaftswahl und dem ersten Corona-Impfstoff rutschte der Dax um rund 15 Prozent ab. Aber auch damals waren die Verluste innerhalb weniger Handelstage wieder wettgemacht.

Nun aber kommt ein Faktor hinzu, der für einen panikartigen Ausverkauf sprechen könnte. Seit dem Corona-Crash sind sehr viele neue, unerfahrene Aktionäre hierzulande über Trade Republic und in den USA über Robinhood an die Börse gekommen. Viele von ihnen haben noch keine Korrektur erlebt, die aber eher typisch für ein Börsenjahr ist.

Seit der Jahrtausendwende gab es nur zwei Jahre ohne Korrektur: 2003 nach dem Platzen der Technologieblase und 2021. „Die Frage ist daher nicht ob, sondern wann wir mal wieder einen Ausverkauf erleben, der in Panik mündet“, meint Heibel.

Rally am Ölmarkt dürfte enden

Am Ölmarkt ist eine im Vergleich zum Aktienmarkt entgegengesetzte Entwicklung zu beobachten. Der Ölpreis ist über 80 Dollar pro Barrel (159 Liter) gestiegen, die Stimmung notiert im Bereich der Euphorie. Anleger freuen sich über das hohe Niveau.

Doch die Zukunftserwartung ist gesunken, der Wert notiert nahe der Nulllinie. Weitere Kursgewinne für Öl werden also nicht erwartet. Damit ist nun zu befürchten, dass die Ölrally kurzfristig keine weitere Unterstützung erhält und ausläuft.

Positives Umfeld für Bitcoin

Beim Bitcoin steigt die Zukunftserwartung hingegen stark, die Stimmung war nun viele Wochen in Folge sehr schwach. Heibel wertet dies als Zeichen dafür, dass der aktuelle Bitcoin-Preis von knapp über 42.000 Dollar vielen Anlegern bereits als günstig genug für Käufe erscheint.

Aktuelle Umfragedaten

Aus den aktuellen Daten der Handelsblattumfrage lässt sich ableiten, dass in den Depots der Umfrageteilnehmer viele Werte liegen, die in den vergangenen Tagen ausverkauft wurden, und es hingegen kaum Papiere gibt, die derzeit gefragt sind. Denn obwohl der Dax in der vergangenen Woche nur 0,4 Prozent nachgab, ist das Anlegersentiment in der zweiten Woche des jungen Jahres weiter gefallen. Mit einem Wert von minus 1,7 ist die Stimmung nun wieder so schlecht wie Anfang Dezember, als die neue Omikron-Variante für einen Ausverkauf sorgte.


Die Verunsicherung wächst in der zweiten Woche des Ausverkaufs von Technologiewerten weiter auf minus 2,5 an, auch wenn Anfang Dezember dieser Wert bei unter minus fünf lag. Dies zeigt an, dass viele Anleger von der aktuellen Entwicklung auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Dadurch zweifeln die Anleger, dass der Dax auf Sicht von drei Monaten steigen wird. Der ehemals hohe Zukunftsoptimismus ist nun vollständig verschwunden, der Wert liegt bei null. Das war nicht einmal Anfang Dezember der Fall. Am Konjunkturaufschwung, der die Aktienmärkte weiter mit nach oben zieht, hatten ab Oktober nur sehr wenige gezweifelt. Doch das hat sich nun geändert.

So ist die Investitionsbereitschaft auf einen Wert von minus 0,4 gesackt. Das ist die niedrigste Investitionsbereitschaft seit Mai 2021, als die Impfstoffrally bei vielen Anlegern für Höhenangst gesorgt hatte.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, notiert mit einem Wert von minus vier im leicht negativen Bereich. Es dominieren bei den Finanzprodukten leicht die Absicherungsprodukte. Das gleiche Bild zeigt sich auch an der Frankfurter Terminbörse Eurex, an der sich die Profis absichern: Das Put/Call-Verhältnis von 2,0 zeigt eine leichte Absicherungsneigung der institutionellen Investoren.

In den USA sieht es ähnlich aus, wenn auch nicht so extrem. Das Put/Call-Verhältnis ist dort seit Mitte Dezember von der extrem bullishen Ausrichtung in den neutralen Bereich zurückgekehrt. US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf 75 Prozent reduziert. Bereits Anfang Dezember wurde die Investitionsquote vorübergehend auf 52 Prozent gesenkt, sie stieg jedoch zum Jahreswechsel wieder auf über 80 Prozent . Nun aber legen die Profis wieder den Rückwärtsgang ein.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert von minus 13 einen Überhang der Bären auf. Pessimisten dominieren also auch in den USA das Börsenparkett. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 52 eine neutrale Verfassung an. Das gilt auch für den kurzfristigen technischen Indikator „Short Range Oscillator“. Dieser zeigte zum Jahreswechsel eine stark überkaufte Marktverfassung an, sodass die folgende Korrektur an diesem Indikator abzulesen war.

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Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit rund 6500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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