Anleger-Umfrage: Privatanleger geben trotz Ukraine-Konflikts erste Signale für ein Ende des Abwärtstrends
Anleger haben sich vermehrt gegen Verluste abgesichert.
Foto: dpaDüsseldorf. Am deutschen Aktienmarkt herrscht ein interessantes Stimmungsbild: Die Profis sind pessimistisch gestimmt, doch die Privatanleger werden langsam optimistisch für die kommenden Monate. Während die kurzfristige Stimmung noch niedergeschlagen ist, Panikverkäufe also auftreten, gibt es bereits einen konstruktiven Optimismus für den Dax in drei Monaten und eine entsprechende Kaufbereitschaft. Für den Sentimentexperten Stephan Heibel sind das für den deutschen Aktienmarkt „gute Voraussetzungen für die Bildung eines Bodens“.
Basis für seine Prognose sind die Handelsblattumfrage Dax-Sentiment und die Auswertung weiterer Indikatoren.
Bis zum heutigen Montag hat mehrere Wochen lang beim Leitindex die Spanne zwischen 15.000 Zähler auf der Unter- und 15.600 Punkte auf der Unterseite gehalten. Doch die zunehmenden Spannungen im Ukraine-Konflikt haben das Börsenbarometer heute unter die Marke von 14.800 Punkte rutschen lassen.
Das Manko: Nur wenige Privatanleger hatten sich mit entsprechenden Absicherungspositionen auf den möglichen Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine vorbereitet, obwohl das schon seit längerer Zeit befürchtet wird. „Es dürfte also einen heftigen Ausverkauf geben“, prophezeite Heibel vor dem Handelsauftakt.
Seiner Meinung nach muss die Krise nicht mit einem großen Knall eskalieren, Kompromisse und Teillösungen seien durchaus möglich. „Wir kennen noch nicht einmal die wesentlichen Interessen der Beteiligten“, meint der Sentimentexperte.
Er bleibt bei seiner Prognose der Vorwoche, weil der Fünf-Wochen-Durchschnitt des Sentiments, ein seit Jahren treffsicherer Indikator, weiterhin auf einem sehr negativen Niveau notiert: Ein weiteres Abrutschen würde im schlimmsten Fall vielleicht heftig, aber nur kurz ausfallen.
„Tendenziell würde es ausreichen, wenn in den kommenden Wochen keine neuen Negativmeldungen mehr auf den Markt treffen, um für steigende Kurse zu sorgen“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx.
Interessant ist auch der Gegensatz zur Stimmung in den USA. Jenseits des Atlantiks dominieren sowohl bei den Privatanlegern als auch bei den Profis die Bären. Die Erklärung: In den USA hatten viele Wachstumswerte zur Coronazeit hohe Bewertungsniveaus erklommen und sind nun extrem abgerutscht.
Im Dax hingegen sind viele fundamental solide aufgestellte Unternehmen mit hohen Dividenden, die jetzt für die Zeit nach der Pandemie und die Zeit der hohen Inflation gesucht werden. „Wenn wir den Konflikt in der Ukraine außer Acht lassen, ist es durchaus nachvollziehbar, dass der Dax früher einen Boden bildet als seine US-Pendants“, meint Heibel.
Am Goldmarkt ist die Stimmung heftig angesprungen, parallel dazu ist auch der Optimismus nach oben geschnellt. Ein solcher Impuls kann am Goldmarkt für einige Wochen für steigende Kurse sorgen.
Die Stimmung unter den Anlegern bleibt weiterhin niedergeschlagen. Der aktuelle Wert liegt bei minus 3,9. Doch die Extremwerte von Ende Januar, als die Stimmung zwischenzeitlich bei minus 5,3 lag, werden derzeit noch nicht erreicht. Die Verunsicherung ist mit einem Wert von minus 3,6 ebenfalls sehr groß, war Ende Januar mit minus 4,8 jedoch noch größer.
Überraschend ist, dass die Zukunftserwartung deutlich auf einen Wert von plus 1,9 angesprungen ist. In der Vorwoche lag dieser Wert noch bei plus 0,5. Heibels Fazit: „Es hat den Anschein, dass die Umfrageteilnehmer den Boden für durchschritten halten und sich für steigende Kurse positionieren wollen“. Dies spiegelt sich auch in der Investitionsbereitschaft wider, die mit plus 2,4 auf den höchsten Wert des noch jungen Jahres gesprungen ist.
Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, notiert mit einem Wert von zwei nahe der Nulllinie. Die Zahl der Call- und der Put-Hebelprodukte auf den Dax ist in deren Depots auf einem ähnlichen Niveau.
Privatanleger sichern sich also weder gegen weitere Kursverluste ab, noch spekulieren sie auf steigende Kurse. Wer möchte sich schon positionieren, wo täglich neue Entwicklungen im Konflikt um die Ukraine zu beobachten sind.
Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben ein Put/Call-Verhältnis von 2,8. Das zeigt, dass sich die Profis derzeit verstärkt gegen Kursverluste absichern. Das gleiche Verhalten ist auch an der Chicagoer Terminbörse CBOE in den USA zu beobachten. Dort ist das Put/Call-Verhältnis ebenfalls weiter gestiegen.
US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote auf 53 Prozent reduziert. Damit sind sie nun so niedrig investiert wie zuletzt im Frühjahr 2021, als der Erfolg der Impfkampagne diskutiert wurde, weil die Delta-Mutation aufkam.
Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger ist auf minus 24 Prozent abgerutscht, mit einem Anteil von 43 Prozent dominieren die Bären klar das Stimmungsbild. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte notiert mit 38 Prozent in einem neutralen Bereich.
Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 6500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.
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