Beteiligungsgesellschaft: Großaktionär Kinnevik will Zalando-Beteiligung an seine Aktionäre ausschütten
Zalando ist einer der großen Gewinner der Corona-Pandemie, da die Menschen immer mehr online einkaufen.
Foto: ReutersBerlin. Der schwedische Investor Kinnevik steigt nach mehr als zehn Jahren bei dem Online-Modehändler Zalando aus. Kinnevik kündigte am Mittwoch überraschend an, seine komplette Beteiligung an dem Berliner MDax-Unternehmen von zuletzt 21 Prozent im Wert von rund 5,5 Milliarden Euro an die eigenen Aktionäre auszuschütten.
Zalando bedankte sich bei dem Investor der ersten Stunde, der die Firma auf dem Weg vom Start-up zu Europas größtem Online-Modehändler mit 14.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als sechs Milliarden Euro seit 2010 begleitet. „Nach einer so erfolgreichen Partnerschaft ist es ein logischer nächster Schritt, den Kinnevik-Aktionären nun ein direktes Investment in Zalando zu ermöglichen“, sagte Zalando-Vizevorstandschef Rubin Ritter.
Kinnevik hat über die Jahre umgerechnet 786 Millionen Euro in Zalando gesteckt und diesen Einsatz mehr als verachtfacht. 2014 war Zalando an die Börse gegangen – zu einem Ausgabepreis von 21,50 Euro. Inzwischen wird das Unternehmen als Dax-Kandidat gehandelt. Die Coronakrise beschert Zalando rege Geschäfte.
Streubesitz bei Zalando steigt auf 86 Prozent – Aktie fällt um sechs Prozent
Inzwischen kommt die Firma auf mehr als 35 Millionen Kunden. Am 16. März will Zalando die Jahreszahlen für das vergangene Jahr veröffentlichen, in dem sich das Wachstum noch mal beschleunigt hat. Die Zalando-Anteilscheine haben seit März 2020 rund 127 Prozent zugelegt. Am Mittwoch ging es für die Titel mehr als sechs Prozent nach unten.
„Der Streubesitz der Aktien wird von rund 65 Prozent auf rund 86 Prozent steigen“, erklärt Analyst Volker Bosse von der Baader Bank. Es sei gut möglich, dass der Zalando-Aktienkurs dadurch kurzfristig auch weiter volatil bleiben könne, auch wenn sich durch den Wegfall des Ankeraktionärs an unseren Prognosen für Zalando nichts ändern wird, erklärte Bosse weiter.
Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, sagt Bosse, er sei aber vergleichbar mit dem Angebot an die Siemens-Aktionäre, für drei Siemens-Aktien eine von Siemens Energy zu erhalten. Das sei eine Art Sonderdividende für die Kinnevik-Aktionäre. „Der Schritt von Kinnevik ist nachvollziehbar, da der Zalando-Anteil sehr dominant im Kinnevik-Portfolio geworden war“, ergänzt der Analyst.
Kinnevik-Aktien büßten zeitweise mehr als zwei Prozent ein. Allerdings fiel ihr Plus nach einem Tief im März mit 200 Prozent noch beachtlicher aus.
Die Schweden wollen den Schritt nutzen, um ihre Neuausrichtung voranzutreiben. Künftig sollen junge, nicht börsennotierte Wachstumsunternehmen im Fokus stehen. „Durch die Ausschüttung an unsere Aktionäre wird unser Portfolio ausgeglichener und einzigartiger“, sagte Kinnevik-Chef Georgi Ganev.
Die Verteilung der 54 Millionen Zalando-Aktien an die Kinnevik-Aktionäre ist für das zweite Quartal geplant. Nach vorläufigen Berechnungen erhalten sie 0,195 Zalando-Papiere für jede ihrer Aktien. Die Kinnevik-Eigner müssen auf der Hauptversammlung am 29. April noch zustimmen.
Danach sollen mehr als zwei Drittel des Kinnevik-Kapitals in einem vielfältigen Portfolio aus jüngeren, hauptsächlich nicht börsennotierten Wachstumsunternehmen stecken. Dazu gehören die Reiseplattform Omio oder die Banking-Plattform Deposit Solutions, aber auch noch der börsennotierte Telekomkonzern Tele2 und der Online-Modehändler Global Fashion Group.
Ganev kündigte im Gespräch mit Reuters an, sich nun auf den Lebensmittel- und den digitalen Gesundheitssektor konzentrieren zu wollen, weil er in diesen Bereichen mit substanziellen Veränderungen in den kommenden Jahren rechnet.
Bei Zalando steht die nächste Hauptversammlung am 19. Mai 2021 an. Es ist recht wahrscheinlich, dass sich dann auch im Aufsichtsrat die Gewichte verschieben. Bislang ist Cristina Stenbeck, Kinneviks Haupteignerin bis zur Hauptversammlung von Zalando als Aufsichtsrätin bestellt. Stenbeck hatte bereits im September 2019 den Anteil an Zalando von 31 auf 26 Prozent reduziert, damals fiel der Aktienkurs um elf Prozent.