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Deutscher AktienindexDax-Umbau: 13 Kandidaten für die erste Börsenliga im Check

Die Deutsche Börse prüft eine Erweiterung des Dax von 30 auf 40 Werte. Für neun MDax-Unternehmen scheint der Aufstieg sicher, Platz zehn ist umkämpft.Andrea Cünnen, Anke Rezmer, Martin-W. Buchenau und Siegfried Hofmann, Jannik Deters 10.10.2020 - 14:04 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Börsenbetreiber will den deutschen Leitindex Dax umfassend modernisieren.

Foto: Marc-Steffen Unger

Frankfurt, Stuttgart. Vierzig statt 30 Unternehmen im Dax? Konzerne, die jetzt schon in der ersten Börsenliga mitspielen, haben nichts gegen die von der Deutschen Börse vorgeschlagene Erweiterung auf 40 Dax-Werte. Im Gegenteil: „Eine Erweiterung des Dax ist auf jeden Fall zu befürworten“, lässt zum Beispiel der Vorstand von Heidelberg Cement ausrichten. Auch Stefan Oschmann, Chef des Pharmakonzerns Merck, lobt Börsenchef Theodor Weimer: Er findet es „richtig, die Zukunft des Indexes aktiv zu gestalten“.

Beschlossen ist ein größerer deutscher Leitindex aber noch nicht. Die große Umfrage zur Dax-Reform hat die Deutsche Börse gerade erst gestartet, und Gespräche mit Investoren und Banken im Vorfeld ergaben ein „gemischtes Bild“. Die Umfrage dauert noch gut zwei Wochen. Die Entscheidung fällt frühestens Mitte November, eingeführt würde ein Dax 40 erst im März 2021.

Für Anleger sind es aber jetzt schon spannende Zeiten. Selbst wenn es am Ende nicht zum Dax 40 kommt, rücken zeitweise die Aufstiegskandidaten in den Fokus. Und wenn es die Erweiterung gibt, dann wächst erst recht das Interesse von Analysten und Anlegern.

„Der Dax wird etwas größer, etwas diversifizierter und etwas moderner“, sagt Michael Bissinger, Analyst bei der DZ Bank. Allerdings änderte die Umstellung auf 40 Aktien nicht das Profil des Indexes. Denn zwar gelangten ein Drittel mehr Unternehmen in den Dax. Aber sie machen nur acht Prozent der Marktkapitalisierung aus.

Der Analyst stellt klar: Die „Dominanz der großen Dax-Konzerne bleibt erhalten“. Zwar wird der Leitindex aller Voraussicht nach „aufgefrischt“ durch dynamische Unternehmen aus den Gesundheits- und auch Internetsparten etwa mit Qiagen, Siemens Healthineers oder Zalando. Doch der Dax werde kein Tech-Index, er bleibe ein Industrie-Barometer.

Kurzfristig dürften die Kurse der zehn Aufsteiger von der Aufnahme profitieren, erwartet Bissinger. Denn nach der Erweiterung werden passive Investoren und indexnah agierende Fondsmanager diese Papiere stärker kaufen, gestaffelt nach deren Gewichtung im Dax.

Die potenziellen Aufsteiger unter der Lupe

Ali Masarwah, Analyst beim Fondsratinghaus Morningstar, erwartet durch die Reform allerdings keinen extrem anschwellenden Zustrom von Kapital. Investoren, die in den gesamten Dax investieren, gebe es ohnehin nur in Europa, begründet er. Knapp 30 Milliarden Euro stecken nach seiner Berechnung in neun Dax-ETF und zwei Dutzend indexnah gemanagten deutschen Aktienfonds.

Das Handelsblatt hat die potenziellen Aufsteiger unter die Lupe genommen. Die Liste der Kandidaten hat der zur US-Investmentbank Stifel gehörende Broker Mainfirst Bank exklusiv für das Handelsblatt zusammengestellt.

Mainfirst kommt auf neun bislang im MDax notierte Unternehmen – vom Duft- und Aromenhersteller Symrise bis zum Rückversicherer Hannover Rück –, bei denen der Aufstieg aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich erscheint.

Zu diesen relativ aussichtsreichen Kandidaten kommen mit dem Bahn- und Nutzfahrzeugzulieferer Knorr-Bremse, dem Vergleichsportal Scout 24, dem Kochboxenversender Hellofresh und dem Sportartikelhersteller Puma vier Kandidaten, „die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern könnten“, wie es Silke Schlünsen, Leiterin des Corporate Brokerage bei Mainfirst, ausdrückt.

Bei der Zusammenstellung der Liste berücksichtigt Mainfirst die Kriterien, die sich bei der Zusammensetzung der Dax-Indizes ändern könnten. Betrachtet werden die Unternehmen aus dem besonders streng regulierten Börsensegment Prime Standard. Dort müssen die Unternehmen besonders transparent sein.

Die neuen Dax-Kriterien
Künftig könnte bei der Deutschen Börse nur noch die Marktkapitalisierung für die Reihenfolge der Aufstiegskandidaten ausschlaggebend sein. Bisher war auch der Börsenumsatz ein wichtiges Kriterium, künftig reicht voraussichtlich, wenn hier ein Minimum erreicht wird. Die Kapitalisierung berechnet sich aus der Zahl der frei gehandelten Aktien, also dem Streubesitz oder Free Float, multipliziert mit dem Kurs. Entscheidend ist der Durchschnitt der vergangenen 20 Handelstage.
Diskutiert wird, ob künftig nur noch Unternehmen in den Dax aufsteigen können, die in den beiden zurückliegenden Jahren Gewinne vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) erwirtschaftet haben. Bis auf Hellofresh waren die Unternehmen auf der von Mainfirst zusammengestellten Kandidatenliste in den vergangenen beiden Jahren profitabel. „Auch die Ausblicke der Unternehmen signalisieren bislang, dass die Konzerne das laufende Geschäftsjahr mit einem operativen Gewinn beenden“, sagt Silke Schlünsen, Leiterin des Corporate Brokerage bei Mainfirst.
Um den Regeln der guten Unternehmensführung Rechnung zu tragen, sollen Unternehmen einen unabhängigen Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat haben. Im Kern soll dieser Ausschuss die Richtigkeit der Bilanzen überwachen. Fehlt er, droht ein Ausschluss aus einem der Indizes der Dax-Familie – allerdings mit einer Übergangsfrist von zwölf Monaten. Alle auf der Liste genannten MDax-Firmen haben einen unabhängigen Prüfungsausschuss. Bei dem im Dax notierten Pharmakonzern Merck fehlt dieser Ausschuss. Er hat die Rechtsform einer KGaA, und nach Auffassung des Konzerns nimmt gemäß der Corporate Governance für KGaAs der Finanzausschuss des Gesellschafterrats die entsprechenden Prüfungsaufgaben wahr.
Die Börse schlägt im Sinne der Nachhaltigkeit vor, Unternehmen aus Indizes auszuschließen, die mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes mit kontroversen Waffen erwirtschaften. Wenn dieses Kriterium aufgenommen wird, müsste wohl der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus den MDax verlassen, obwohl Airbus von der Marktkapitalisierung her sogar noch vor Symrise der oberste Kandidat für einen Dax-Aufstieg ist. Die Mainfirst Bank lässt deshalb in ihrer Simulation Airbus außen vor. Das Thema ESG – die drei Buchstaben stehen für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung – bei der Auswahl der Indexkandidaten zu berücksichtigen ist nicht unumstritten. Solche Kriterien könnten besser in speziellen ESG-Indizes oder von Investoren individuell umgesetzt werden, lautet ein Argument.

Anleger können also schon mal einen Blick auf die potenziellen Dax-Kandidaten werfen. Ein möglicher Aufstieg in die erste Börsenliga darf allerdings nicht das einzige Kaufargument sein.

Lesen Sie hier, wer die möglichen Dax-Neulinge sind, welche Chancen sie Anlegern bieten und welche Risiken sie bergen.

Symrise: Robust durch die Krise

Schon bei der vergangenen Indexüberprüfung ist der Aroma- und Dufthersteller knapp am deutschen Leitindex vorbeigeschrammt, als Delivery Hero wegen höherer Börsenumsätze den Vorzug bekam. Mit seiner Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien von rund 15 Milliarden Euro liegt Symrise nach Berechnungen der DZ Bank bereits auf Platz 24 der größten deutschen Unternehmen, wäre also auch ohne Erweiterung ein baldiger Kandidat für die erste Börsenliga. Dort hätten Aktienexperten ohnehin eher den profitablen Geschmacks- und Duftproduzenten gesehen als den Verlust schreibenden Essenslieferanten.

In Sachen Wachstum und Profitabilität überraschte Symrise trotz Corona: Im ersten Halbjahr stieg der Konzernumsatz um 3,4 Prozent, die bereinigte Gewinnmarge (Ebitda) legte um 0,8 Prozentpunkte auf 21,6 Prozent zu. Symrise liefert Inhaltsstoffe für Haustiernahrung, Haushalts- und Körperpflegeprodukte sowie für würzige Speisen und Backzutaten – der Trend zum „mehr Daheimsein“ infolge der Pandemie erhöht die Nachfrage nach diesen Produkten. Nur der schwächelnde Absatz hochpreisiger Parfums und Sonnenschutz wegen Reisebeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie belastet auch Zulieferer Symrise.

Analysten erwarten für 2020 einen Umsatz von knapp 3,6 Milliarden Euro, einen bereinigten Gewinn vor Steuern und Abschreibungen von 775 Millionen Euro. Das robuste Geschäftsmodell des Unternehmens aus einer Sparte, die selten an der Börse vertreten ist, spiegelt sich im hohen Aktienkurs wider. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40 auf Basis der erwarteten Gewinne für 2021 gilt Symrise als hoch bewertet. Die meisten Analysten empfehlen die Aktie laut Finanzdienst Bloomberg daher zu halten.

Zalando: Florierender Onlinehändler

Wird der Dax vergrößert, dürfte der Onlinehändler Zalando in den Leitindex aufsteigen. Nach der Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien steht der Modehändler mit seinen knapp 17 Milliarden Euro nach jüngsten Berechnungen auf Rang 21 unter den größten börsengelisteten Firmen.

Zalando profitierte im zweiten Quartal von immer mehr Onlinebestellungen von Bekleidung. Analysten erwarten, dass dieser Boom und ein schnellerer Ausbau des starken Plattformgeschäfts mit Markenanbietern die Profitabilität weiter verbessert. Im dritten Quartal rechnet Analyst Thomas Maul von der DZ Bank mit einem Umsatzsprung von gut einem Fünftel auf 1,8 Milliarden Euro und einer Verdreifachung der Gewinnmarge (Ebit) gegenüber dem Vorjahresquartal auf 3,8 Prozent.

Für das Jahr 2020 erwartet Analystin Michelle Wilson von Berenberg einen Umsatz von gut 7,6 Milliarden Euro und einen bereinigten Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 516 Millionen Euro. Eine Anhebung der vom Zalando-Vorstand erwarteten Ergebnisspanne gilt sogar als wahrscheinlich.

Die gute Geschäftsentwicklung lässt sich im Aktienkurs ablesen: Der Preis des Papiers ist 2020 rund 80 Prozent in die Höhe geschossen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt mit 105 für erwartete Gewinne für 2021 extrem hoch. Die Analystenvoten sind gespalten in Kaufen und Verkaufen.

Siemens Energy: Energie-Riese mit Verlust

Erst seit Ende September an der Börse, gilt Siemens Energy bereits als sicherer Tipp für den Aufstieg in den Dax. Zwar lässt sich aufgrund der erst kurzen Börsenhistorie noch keine durchschnittliche Marktkapitalisierung der vergangenen 20 Handelstage bilden, doch belegt nach aktuellem Stand Siemens Energy den dritten Platz nach Symrise und Zalando.

Die neue Aktiengesellschaft betreibt das bisherige Energiegeschäft des Siemens-Konzerns und hat zudem den Zweidrittel-Anteil an Siemens Gamesa Renewable Energy mitgenommen. Der Mutterkonzern hat immer wieder Konzernteile abgespalten.

Das spanische Unternehmen Siemens Gamesa baut Windkraftanlagen, die Siemens Energy dringend braucht: Alle Firmen der Branche müssen Strom vermehrt aus erneuerbaren Energien gewinnen, wenn sie die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen wollen. Das Geschäft mit klassischen Kraftwerken stagniert seit einigen Jahren.

Für die kommenden Jahre rechnet Siemens Energy daher nur mit einem Umsatzwachstum zwischen null und drei Prozent. Gewinn machte die Sparte zuletzt kaum mehr. 2019 waren es netto noch 282 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres wies Siemens Energy einen Verlust nach Steuern von 337 Millionen Euro aus, die operativen Margen sind seit Jahren schwach.

Anleger halten sich bislang zurück. Der Anfangskurs Ende September sank von 22 Euro auf gut 19. Nach einem zwischenzeitlichen Hoch bei 23,50 Euro sackte die Aktie in der zweiten Handelswoche wieder unter den Ausgabepreis. Zwei von drei Analysten raten dennoch zum Kauf. Das Analysehaus Jefferies und die Privatbank Berenberg peilen 28 Euro als Kursziel an.

Die Bewertungen der Analysten entsprechen durchschnittlich einer Kapitalisierung von 20 bis 21 Milliarden Euro. Die aktuelle Börsenkapitalisierung erreicht dagegen nur knapp 16 Milliarden Euro, der Buchwert liegt bei 17 Milliarden.

Sartorius Vz: Teure Labortechnik-Perle

Der Labortechniker Sartorius steht ebenfalls auf dem Sprung in einen Dax 40: Mit seiner Marktkapitalisierung von 12,5 Milliarden Euro belegt der Hersteller von Produktionszubehör für Biopharmazeutika aktuell Rang 28 der börsennotierten deutschen Firmen.

Der Zulieferer der Biotechnologie-Branche gilt ebenfalls als Gewinner der Covid-Pandemie: Er profitiert von der weltweiten Forschung an Corona-Medikamenten und -impfstoffen. Als Perle nennen Analysten die Tochter Stedim mit Fokus auf Zellkultivierung, Fermentation und Filtration. Nach einem starken Umsatz- und Gewinnplus von 19 Prozent und 26 Prozent im zweiten Quartal hat Sartorius seine Prognose für das Gesamtjahr 2020 angehoben und rechnet mit einem Umsatzzuwachs von bis 26 Prozent und einer bereinigten Gewinnmarge (Ebitda) von 28,5 Prozent.

Analyst Scott Bardo von Berenberg rechnet mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro und einem bereinigten Vorsteuergewinn von 644 Millionen Euro. Analysten fürchten aber, dass sich das Wachstum ab nächstem Jahr wieder normalisiert. Der Kurs der Vorzugsaktien hat sich 2020 schon fast verdoppelt, die Anteile mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 76 sind teuer. Die meisten Analysten raten, das Papier zu halten.

Qiagen: Boom durch Schnelltests

Qiagen ist ein Profiteur der Covid-19-Krise. Der weltweit führende Anbieter molekularbiologischer Testverfahren erlebt durch seine Corona-Schnelltests eine Sonderkonjunktur. Zudem beliefert Qiagen Labore, Biotech- und Pharmafirmen mit Vorprodukten. Im ersten Halbjahr erhöhte das Unternehmen seinen Netto-Gewinn um 47 Prozent auf 260 Millionen Dollar.

Für das Gesamtjahr 2020 erwartet der deutsch-niederländische Konzern ein Umsatzplus von 15 bis 18 Prozent und ein Netto-Gewinnwachstum von mindestens 40 Prozent. Für 2021 rechnet er mit einem zweistelligen Umsatzzuwachs und einem Netto-Gewinnplus von mindestens 18 Prozent.

Analyst Scott Bardo von Berenberg sieht Qiagen auch nach dem gescheiterten Übernahmeversuch durch den US-Laborausrüster Thermo Fisher stark aufgestellt. Er erwartet für 2020 einen Umsatz von 1,8 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Vorsteuergewinn (Ebitda) von 751 Millionen Dollar.

Der Aktienkurs ist 2020 bisher um gut 50 Prozent gestiegen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 für erwartete Gewinne für 2021 zählt Qiagen zu den günstigen Diagnostikfirmen. Analysten halten das Kurspotenzial aber für ausgereizt und raten meist zum Halten.

LEG Immobilien: Profiteur höherer Mieten

Von steigenden Mieten in vielen deutschen Städten profitiert auch LEG Immobilien. Die Firma steigerte den Gewinn vor Steuern in den vergangenen Jahren stetig, auf zuletzt 1,3 Milliarden Euro. Bei einer Dax-Erweiterung hätte das MDax-Unternehmen gute Chancen aufzusteigen.

137.000 Wohnungen verwaltet LEG bundesweit – mehr als 90 Prozent davon in Nordrhein-Westfalen. Das ist zwar nicht einmal ein Drittel des Bestands von Marktführer Vonovia und etwas weniger, als Deutsche Wohnen besitzt. Mit einer Marktkapitalisierung von etwa neun Milliarden Euro gehört LEG aber zur Gruppe der möglichen Aufsteiger.

Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten etwa 20 Prozent zugelegt und kostet rund 126 Euro. Laut Fundamentalanalyse ein fairer Preis, und Analysten sehen diesen noch längst nicht als Höchstwert an. Von sieben Experten, die das Papier im September analysierten, empfehlen sechs den Kauf. Ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 132 Euro, das von Hauck & Aufhäuser sogar bei 140 Euro.

Experten schätzen, dass die Dividende pro Aktie ab 2021 auf gut vier Euro steigt. Die Dividendenrendite von knapp drei Prozent hält mit der von Vonovia mit. Von steigenden Mieten könnten Anleger also profitieren.

Brenntag: Stabiler Weltmarktführer

Der Chemiedistributor Brenntag ist einer der deutschen Weltmarktführer, die erklärungsbedürftig sind. Brenntag kauft bei Produzenten große Mengen an Chemikalien und liefert sie dann in kleineren Mengen an Kunden aus. Der Umsatz ist im zweiten Quartal 2020 um mehr als 13 Prozent eingebrochen. Die endgültigen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie sind noch nicht absehbar.

Seit dem Corona-Crash im März hat sich der Aktienkurs fast verdoppelt – die Aktie schwankte aber bereits in den vergangenen Jahren stark. Der aktuelle Kurs von etwa 56 Euro entspricht dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten und notiert nahe dem Allzeithoch, das sie im Jahr 2015 bei 59,39 Euro markiert hat.

Die Hälfte der Banken, die die Aktie beobachten, empfiehlt den Kauf, die andere Hälfte rät zum Halten. Für die Branchenanalysten der Credit Suisse ist Brenntag mit einem KGV von 17 der Favorit unter den Chemikalienhändlern.

Die Probleme, mit denen Brenntag umgehen muss, gelten für die gesamte Branche. Die Margen im Großhandel sind relativ niedrig, die Preise für Chemikalien schwanken stark. Die größten Konkurrenten sitzen in den USA – und Hamburg. Die dortige Helm AG ist aber nicht an der Börse notiert.

Siemens Healthineers: Begehrt und margenstark

Die ohnehin für Anleger schon attraktive Gesundheitsbranche erfuhr durch die Coronakrise noch mal einen Schub. Das gilt auch für Medizintechnikhersteller wie Siemens Healthineers, deren Produkte begehrt und margenstark sind. Die Aktie stürzte wie fast alle Börsenwerte nach Ausbruch der Krise ab, stieg dann im Juni auf fast 47 und ist seither wieder deutlich abgebröckelt.

Siemens Healthineers ist 2018 an die Börse gegangen als eine der zahlreichen Ausgründungen des Mutterkonzerns Siemens. 2019 steigerte das Unternehmen den bereinigten Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 2,3 auf 2,5 Milliarden Euro. Von sechs Analysten, die sich mit dem MDax-Unternehmen beschäftigen, setzen vier auf „Kauf“ und zwei auf „halten“.

Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für erwartete Gewinne für 2021 liegt bei 21,4. Der Titel gilt als leicht unterbewertet und „wenig riskant“.

Die Dividendenrendite liegt bei zwei Prozent, bei einer Ausschüttung von zuletzt 80 Cent. Schätzungen zufolge wird die Dividende in den kommenden Jahren die Ein-Euro-Marke übersteigen. Eine Alternative zu Siemens Healthineers ist Konkurrent Philips. Dessen Aktien erachten Experten zurzeit als stark unterbewertete, „mittelriskante“ Titel.

Hannover Rück : Versicherer spaltet Analysten

Hoffnungen auf einen Aufstieg in einen erweiterten Leitindex kann sich auch der Versicherer Hannover Rück machen. Er wäre nach der Allianz und der Munich Re der dritte Versicherungskonzern im Dax.

Wie fast allen Versicherern setzten die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch dem niedersächsischen Konzern stark zu. Für das zweite Quartal vermeldete er einen Vorsteuergewinn (Ebitda) von 143 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum 2019 waren es noch 529 Millionen Euro gewesen. Schon hat der Rückversicherer angekündigt, die Preise zu erhöhen. Die Jahre stagnierender und manchmal gar nachgebender Konditionen sind vorbei.

Ein Einstieg bei der Nummer drei der Branche sollte wohlüberlegt sein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für erwartete Gewinn für 2021 erscheint mit gut zwölf zwar attraktiv. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt rund elf Prozent über dem aktuellen Kurs. Doch die Einschätzungen gehen weit auseinander. Die Kursziele bewegen sich zwischen 123 und 175 Euro.

Die Mehrheit der Experten rät, die Aktie zu halten. Das größte Potenzial unter Versicherungen sehen die Marktbeobachter woanders. Bei der Axa und dem Hannoveraner Konkurrenten Talanx rechnen sie im Schnitt mit Kurssteigerungen von mehr als 40 Prozent.

Knorr Bremse: Bahngeschäft stabilisiert

Bei Knorr-Bremse hat sich zuletzt Großaktionär Heinz Hermann Thiele von zehn Prozent seiner Aktien getrennt – damit erhöht sich der Free Float. „Wenn Thiele noch weitere sechs Prozent seiner Anteile verkaufen würde, ginge aus heutiger Sicht ein Dax-Platz an Knorr-Bremse“, sagt Silke Schlünsen, Leiterin des Corporate Brokerage bei Mainfirst.

Knorr Bremse gehört zu den deutschen Weltmarktkonzernen, die sich lange Zeit vor der Börse scheuten. Der 1905 gegründete Hersteller von Bremssystemen für Nutzfahrzeuge und Schienensysteme ging erst vor zwei Jahren an die Börse und stieg dort rasch in den MDax auf.

Zwischen Februar und März fiel die Aktie zwar unter ihren Ausgabepreis von 80 Euro. Sie hielt sich mit einem Verlust von in der Spitze 25 Prozent aber besser als die vieler anderer zyklischer Unternehmen und erholte sich auch schnell wieder.

Stabilisierend wirkt das Geschäft mit Schienenbremsen. In der Bahntechniksparte von Knorr Bremse sanken die Umsätze im ersten Halbjahr nur um sieben Prozent und damit moderat im Vergleich zum 24-prozentigen Rückgang in der Nutzfahrzeugsparte. Der operative Gewinn sank im ersten Halbjahr um knapp 20 Prozent auf 535 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr zeigte sich der Konzern zuletzt nicht mehr ganz so pessimistisch wie noch im Juni, rechnet aber dennoch mit einem Umsatzrückgang von zehn Prozent.

Analysten sehen die Aktie gespalten. Die Spannen für die Kursziele sind extrem weit und reichen von 61 Euro beim Bankhaus Lampe bis zu 125 Euro bei der französischen Société Générale.

Scout 24: Kerngeschäft Immobilien

Stand jetzt würde laut Mainfirst Bank mit Blick auf die Marktkapitalisierung am unteren Ende Scout 24 bei einer Erweiterung einen Dax-Platz ergattern. Aber: Das Vergleichsportal hat einen Aktienrückkauf von einer Milliarde Euro angekündigt – das könnte das Unternehmen den Aufstieg kosten.

Dabei gehört das Vergleichsportal Scout 24 zu den wenigen Unternehmen, deren Geschäft im ersten Halbjahr 2020 nicht deutlich gesunken ist. Die Aktie brach dennoch zwischenzeitlich um 30 Prozent ein, hat sich aber schon Ende August wieder auf Rekordhöhen geschwungen. Scout 24 sieht sich perspektivisch sogar als Profiteur der Krise. Die Covid-19-Pandemie werde die Digitalisierung von Immobilientransaktionen vorantreiben, betont der Vorstand.

Dass es so kommt, ist wichtig für Scout 24, denn das Unternehmen hat die Portale Autoscout 24 und ‧Finanzcheck.de für 2,9 Milliarden Euro verkauft. Der deutsche Marktführer Immoscout 24 mit Fokus auf Makler, Wohnungssuchende und Hauseigentümer ist jetzt das Kerngeschäft.

Die US-Bank Goldman Sachs sieht positive Signale – sowohl für den Immobilienmarkt als auch für Scout 24. So hätten die Besuche auf der Onlineplattform im August um 26 Prozent über dem Niveau im Februar gelegen und damit leicht über denen von anderen Vergleichsportalen.

Anders als Goldman Sachs raten aber die meisten Analysten nur zum Halten und nicht zum Kaufen der Aktie. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 48 sieht die Aktie recht teuer aus – die Bewertung liegt aber im Branchenschnitt.

Hellofresh: Rekordgewinn dank Corona

Hellofresh zieht vielleicht in den Dax ein, wenn der Kurs weiter deutlich steigt. Dabei gehört der Kochboxenversender zu den großen Profiteuren der Corona-Pandemie – auch an der Börse. Der Kurs ist allein in diesem Jahr um fast 150 Prozent in die Höhe geschnellt und macht die Aktie damit zur Nummer zwei der bisherigen Jahresgewinner im MDax, in den Hellofresh erst im März eingezogen ist.

Die Prognose für das laufende Jahr hat der Vorstand bereits mehrfach angehoben. Im ersten Halbjahr hat sich der Umsatz mit der Lieferung von abgewogenen Zutaten für spezielle Gerichte mit dazugehörigen Rezepten fast verdoppelt. Der operative Gewinn des 2011 gegründeten Kochboxenversenders, der 2018 noch Verluste machte, stieg auf Rekordhöhe.

Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von fast 34 für das kommende Jahr zwar nicht gerade günstig bewertet. Trotzdem sehen Analysten noch Potenzial, die Hälfte der Banken, die Hellofresh covern, rät zum Kauf.

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt rund 13 Prozent über dem aktuellen Kurs. Auch die Unternehmenslenker selbst glauben offensichtlich an weiter steigende Kurse. Im September haben Co-Chef Thomas Griesel und Finanzvorstand Christian Gärnter Hellofresh-Aktien für zusammen mehr als 440.000 Euro gekauft.


Puma: Allzeithoch im Blick

Bei Puma hat sich zuletzt der französische Luxuskonzern Kering bereits von einem knapp sechsprozentigen Aktienpaket getrennt und plant weitere Verkäufe. Das könnte auch den Sportartikelhersteller in der Rangliste der Marktkapitalisierung noch auf einen Dax-Platz vorrücken lassen.

Der Schock im Frühjahr war groß, aber er scheint überwunden. Nachdem Puma im März und April wie alle Händler unter dem weltweiten Lockdown litt, liefen die Geschäfte laut Vorstandschef Björn Gulden schon im Juli wieder auf Vorjahresniveau. Die Aktie nimmt bereits wieder Kurs auf das im Februar erreichte Allzeithoch.

Der Puma-Chef fürchtet indes, dass 2020 insgesamt „ein verlorenes Jahr“ wird. Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz in diesem Jahr um zehn Prozent auf 4,95 Milliarden Euro sinken wird, das operative Ergebnis (Ebitda) dürfte um 37 Prozent auf 430 Millionen Euro sinken.

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Schon im nächsten Jahr will Puma aber wieder durchstarten. Aufträge bei Lieferanten seien nicht aufgeschoben, sondern nur aufgehoben, betonte Gulden bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Auch Analysten gehen davon aus, dass Puma 2021 immerhin sieben Prozent mehr verdienen wird als im Vor-Corona-Jahr 2019.

Trotz des schon hohen Kurses und des mit knapp 42 im Vergleich zu Adidas und Nike hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisses raten die meisten Analysten noch zum Kauf der Aktie. Auf der Negativseite steht indes, dass Puma in diesem Jahr die Dividende gestrichen hat.

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