Finanzinvestor: „Die Stimmung ändert sich gerade, wie ich es noch nie gesehen habe“
London, Düsseldorf. Der Co-Leiter des europäischen Private Equity-Geschäfts von KKR, Philipp Freise, stellt seine Branche auf eine Welle von Übernahmen ein. Hintergrund sei, dass derzeit Verkäufe von Portfoliofirmen ausbleiben. Der für die Private-Equity-Branche typische Zyklus, Unternehmen zu kaufen, ins Wachstum zu investieren und nach einigen Jahren wieder zu verkaufen, sei in Stocken geraten, sagte Freise im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Dieser Fünf-Jahres-Zyklus verändert sich aktuell in einem Umfang, wie wir es noch nie erlebt haben.“
Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank während der Coronapandemie seien auch die Kosten für schuldenfinanzierte Übernahmen gering gewesen – und Private-Equity-Firmen hätten zu schnell Kapital von Investoren abgerufen und Portfoliofirmen zugekauft. „Die Schlagrate von Investitionen und Kapitalaufnahme war zu hoch“, sagte Freise.
Nun sitze die Branche auf zahlreichen Beteiligungen, die nicht weiterverkauft werden können. Das drücke die Performance vieler Fonds. „Die Renditen sind nicht so, wie sie sein müssen“, sagte Freise. „Und das wird zur Konsolidierung in der Branche führen.“ Gleichzeitig beobachtet er eine globale Verschiebung von Kapital. Die USA verlieren an Bedeutung, Europa hingegen werde „für viele Investoren wieder interessanter“ – auch für KKR.