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GeldvermögenScheu vor Aktien kostet Sparer Hunderte Milliarden Euro

Das Geldvermögen der Deutschen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Eine Studie zeigt: Hätten die Bundesbürger mehr auf Aktien gesetzt, wären sie heute in Summe noch wohlhabender. 27.10.2024 - 13:02 Uhr Artikel anhören
Mit mehr Aktieninvestments wären die Deutschen heute reicher. Foto: imago/Ikon Images

Frankfurt. Sparer in Deutschland setzen traditionell stark auf Girokonten und Tagesgeld. Dadurch lassen sie sich einen enormen Vermögenszuwachs entgehen, der mit mehr Aktien möglich wäre. Das zeigt eine Modellrechnung der DZ Bank, die der Deutschen Presse-Agentur vor dem Weltspartag am kommenden Mittwoch vorliegt.

Fast 2,2 Billionen Euro oder gut 23 Prozent des privaten Geldvermögens hierzulande waren laut DZ Bank zuletzt in Sichteinlagen oder Bargeld geparkt – das meiste auf Girokonten, die oft kaum Zinsen abwerfen. Einen großen Anteil hatten Mitte 2024 auch Versicherungen mit knapp 27 Prozent und sonstige Bankeinlagen mit gut 13 Prozent, gefolgt von Investmentfonds und abgeschlagen Rentenpapieren.

Aktien, die ohnehin nur rund neun Prozent des Geldvermögens ausmachten, seien in den vergangenen Quartalen eher verkauft worden. „Das klingt nach einer verpassten Chance“, heißt es in der Studie mit Blick auf den jüngsten Dax-Rekord von über 19.600 Punkten und einem Plus von gut 16 Prozent seit Jahresbeginn.

Mehr Vermögen trotz Rückschlägen an der Börse

In einer Simulation untersuchte die DZ Bank, wie sich das private Geldvermögen in Deutschland im Zeitraum von 2011 bis Mitte 2024 entwickelt hätte, wenn die hohe Ersparnis der Haushalte während der vergangenen Niedrigzinsphase nicht vor allem auf Girokonten gelandet, sondern stärker in Aktien investiert worden wäre.

Dabei nahm die DZ Bank an, dass die Haushalte vier Netto-Monatsgehälter als Sicherheitspuffer vorhielten. Bei einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von rund 2940 Euro im Monat betrug dieser 11.760 Euro je Haushalt.

Im Modell gab es anfangs eine einmalige Umschichtung in Aktien. Dann flossen in jedem Quartal immer nur so viele liquide Mittel in Sichteinlagen und Bargeld, dass der Sicherheitspuffer erreicht wurde. Der Rest der für Sichteinlagen, Bargeld und Aktien vorgesehenen Geldvermögensbildung ging komplett in den Kauf von Aktien. Die Mittel, die vom Geldvermögen in Fonds, Versicherungen und Rentenpapiere angelegt werden, blieben unverändert.

Fast 2,2 Billionen Euro oder gut 23 Prozent des privaten Geldvermögens hierzulande waren laut DZ Bank zuletzt in Sichteinlagen oder Bargeld geparkt. Foto: dpa

Das Ergebnis: Wuchs das private Geldvermögen von 2011 bis Mitte 2024 um 4,6 Billionen auf 9,2 Billionen Euro, stieg es im Modell um 5,3 Billionen Euro auf etwa 9,9 Billionen Euro. Das sind 715 Milliarden Euro oder fast acht Prozent mehr als in der Realität, so die Studie.

Aktien bieten Inflationsschutz

Zwar war der Aktienanteil im Modell größeren Börsenschwankungen ausgesetzt. Über den Untersuchungszeitraum wuchs das Geldvermögen darin aber stärker – trotz zwischenzeitlicher Einbrüche im Zuge von Coronakrise und Ukrainekrieg.

Verstärkt in Aktien zu investieren wäre auch wegen der erhöhten Inflation in den letzten Jahren sinnvoll gewesen. Eine Studie der Allianz kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass das Geldvermögen der deutschen Haushalte 2023 zwar um 6,8 Prozent gestiegen sei. Inflationsbereinigt habe der Anstieg aber nur 0,7 Prozent betragen.

Die Allianz sprach sogar von „vier verlorenen Jahren“ für die deutschen Sparer: Die Kaufkraft des Geldvermögens sei Ende 2023 immer noch 1,7 Prozent niedriger gewesen als vor der Pandemie.

Mit einem höheren Aktienanteil an Unternehmen, die ihre Gewinne durch die Weitergabe der inflationsbedingten Kosten an ihre Kunden stabil halten oder steigern konnten, hätten Anlegerinnen und Anleger dagegen einen gewissen Inflationsschutz gehabt. Immerhin: Mit der rückläufigen Inflation dürfte in diesem Jahr real generell wieder mehr vom Vermögenszuwachs übrig bleiben.

Modell taugt nicht für alle

Die DZ Bank schränkt in Bezug auf ihre Modellrechnung allerdings ein: Nur einen fixen Puffer zu halten und die restliche Liquidität in Aktien zu investieren sei für einen Teil der Haushalte realitätsfern – etwa für ältere Menschen, solche mit geringem Einkommen sowie Haushalte, die eine große Anschaffung planten.

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Der „gewaltige Geldanlagestau“ von mehr als zwei Billionen Euro ermögliche es aber vielen Haushalten, Geld in Aktien umzuschichten, ohne Einlagen oder Rentenpapiere zu vernachlässigen, und trotzdem genug Liquidität vorzuhalten.

Für Aktienanlagen gälten die bekannten Empfehlungen, schreibt die DZ Bank: Möglichst jung mit regelmäßigen Investments zu beginnen, etwa über Fonds breit zu streuen, Aktien lange zu halten und nicht das ganze Geld in Aktien zu investieren.

dpa, sus
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