Nebenwerte: Thyssen-Krupp-Tochter Nucera steht vor dem SDax-Aufstieg
Die Nucera-Aktie hat ihren Höhenflug beendet, liegt aber weiter über dem Preis, den Erstzeichner zahlten.
Foto: BloombergDas Ergebnis der nächsten quartalsmäßigen Überprüfung ihrer Inidzes verkündet die Deutsche Börse am 5. September nach US-Börsenschluss. Die Änderungen greifen am 18. September.
Entscheidend für einen Platz in einem Index ist der Börsenwert der frei gehandelten Aktien. Anders als im Kleinwerteindex SDax mit seinen 70 Unternehmen dürfte es im Dax der 40 größten Unternehmen und im MDax der 50 größten Nebenwerte keine Wechsel geben.
Thyssen-Krupp hatte seine Wasserstofftochter Nucera am 7. Juli zum Kurs von 20 Euro an die Börse gebracht. Die Marktkapitalisierung belief sich insgesamt auf rund 2,5 Milliarden Euro. In der Spitze stieg die Aktie kurz nach dem Börsengang auf mehr als 25 Euro. Danach ging es bergab, doch mit aktuell rund 22 Euro liegt die Nucera-Aktie immer noch über dem Kurs, den Erstzeichner gezahlt haben.
Das dürfte für den Aufstieg in den SDax reichen, obwohl nur 24 Prozent der Nucera-Aktien im Streubesitz sind, also nicht bei einem Großaktionär liegen. Thyssen-Krupp bleibt mit 50,2 Prozent der größte Nucera-Anteilseigner, rund 20 Prozent hält der italienische Wasserstoffkonzern De Nora.
Nucera-Aktie hat viel Puffer für den Aufstieg
Um sicher in den SDax aufzusteigen, muss ein Unternehmen beim Börsenwert nach Streubesitz mindestens auf Rang 153 der insgesamt rund 220 Aktien liegen, die sich prinzipiell für die Aufnahme in einen Index der Deutschen Börse eignen. Dabei geht es um den durchschnittlichen Kurs der letzten 20 Handelstage im August. Es stehen zwar noch einige Handelstage an, doch Nucera liegt aktuell nach Berechnungen von Stifel-Indexexperte Thorißen auf Platz 132 der Rangliste und hat daher sehr viel Puffer.
Die Geschäfte von Nucera laufen gut. Nucera entwickelt Technologie für Elektrolyseanlagen, mit denen grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab hergestellt werden kann, und ist anders als viele Wettbewerber profitabel.
Im abgelaufenen Quartal hat die Thyssen-Krupp-Tochter nach vorläufigen Angaben den Wachstumskurs fortgesetzt. Der Umsatz sei – getrieben vor allem durch den Bereich der alkalischen Wasserelektrolyse – deutlich gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bewege sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahrs. Detaillierte Zahlen nennt Nucera Ende August.
Analysten mögen die Nucera-Aktie. Sechs der sieben Analysten, die Nucera laut Informationsdienst Bloomberg beobachten, raten zum Kauf der Aktie. Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Das durchschnittliche Kursziel auf Sicht der kommenden zwölf Monate liegt bei knapp 28,90 Euro – die Spanne reicht von 24 Euro (SRH Alster Research) bis 33 Euro (Kepler Cheuvreux).
Basler-Aktie muss den SDax voraussichtlich verlassen
Im SDax wird Nucera laut Thorißen die Aktie des Bildverarbeitungsspezialisten Basler verdrängen. Basler galt schon bei der Indexüberprüfung im Juni als Abstiegskandidat und der Kurs der Basler-Aktie ist seither um weitere 40 Prozent eingebrochen. Ende vergangenen Monats hatte Basler wegen einer andauernden Marktflaute den Ausblick für das laufende Jahr deutlich gesenkt und rechnet nun mit einem Verlust vor Steuern von zwölf bis 20 Millionen Euro.
Weitere Wechsel im SDax gibt es aus aktueller Sicht nicht, doch „im SDax ist es wie so oft sehr eng, es kann hier noch Überraschungen geben“, meint Thorißen. Ein möglicher Aufstiegskandidat sei der Webhosting-Anbieter Ionos. Dessen Aktie hat seit Anfang Juli mehr als ein Fünftel gewonnen und liegt damit auf Rang 157 der Rangliste der Deutschen Börse.
Damit qualifiziert sich Ionos bei der September-Überprüfung für einen Aufstieg in den SDax. Den Aufstieg schafft Ionos aber nur, wenn ein anders Unternehmen auf Rang 168 oder noch niedriger abrutscht. Einen solchen Gegenkandidaten gibt es aber derzeit nicht. Aus eigener Kraft würde Ionos den Aufstieg nur bei einem Sprung auf Platz 153 der Rangliste schaffen.
Alternativ könnte Ionos auch in den SDax einziehen, wenn der Linux-Softwareanbieter Suse bis Ende des Monats von der Börse genommen wird. Der schwedische Finanzinvestor EQT will Suse übernehmen und von der Börse nehmen. Das hat EQT allerdings erst in der vergangenen Woche angekündigt. Umgesetzt werden soll dies bis Anfang Oktober.