Vermögensstrategie: American Tower, Getlink, Encavis: Anlagen in Infrastruktur trotzen der Krise
Das Beratungsunternehmen Faros Consulting hat Stromversorger übergewichtet.
Foto: dpaFrankfurt. Wer in der Geldanlage auf Handfestes setzen will, der ist mit Investments in Infrastruktur gut beraten. Solche „Sachwertanalgen“ basieren auf relativ einfachen und transparenten Geschäftsmodellen, und sie bieten stetige Erträge. Für Investoren, die auf regelmäßige Ausschüttungen angewiesen sind, biete die Anlageklasse der „Real Assets“ einen Ersatz für Anleihen und andere festverzinsliche Papiere, sagt Uwe Rieken, geschäftsführender Gesellschafter von Faros Consulting.
Das Unternehmen hat zusammen mit Ampega einen Fonds für sogenannte Listed Real Assets konstruiert und inmitten der Coronakrise auf den Markt gebracht. Es handelt sich um ein börsengehandeltes liquides Produkt für Anlagen in Infrastruktur, erneuerbare Energien, Immobilien sowie Agrarland und Forsten.
„Der Vorteil gegenüber geschlossenen Fonds ist die Liquidität, man kann zu tagesaktuellen Kursen verkaufen“, erklärt Geldmanager Rieken. Stetige Cashflows sind für die Kunden von Faros wichtig. Man strebt nach eigenen Angaben eine Ausschüttungsrendite von 3,5 Prozent und einen Gesamtertrag nach allen Kosten von mindestens fünf Prozent an, so Rieken.
Allerdings hat gerade die Coronakrise gezeigt, dass auch Infrastruktur-Investments erhebliche Risiken bergen können, man denke nur an Airports oder Seehäfen. Entsprechend haben sich auch die Faros-Manager neu orientiert und positioniert.
„Untergewichtet haben wir als Folge der Coronakrise den Transportsektor, auch wegen der wirtschaftlichen Einbrüche bei Flughafenbetreibern und Mautstraßen. Shopping-Malls sind jetzt auch zu riskant. Übergewichtet sind Stromversorger, Telekommunikationsfirmen, Wohnimmobilien und Anbieter von Dateninfrastruktur“, erläutert Rieken die Strategie in Zeiten von Covid-19.
„Investierbares Universum“ von rund 150 Titeln
Rund 45 Prozent der Anlagen gehen in das Thema Infrastruktur, 30 Prozent in Immobilien, 20 Prozent in erneuerbare Energien und fünf Prozent in natürliche Ressourcen wie etwa die Forst- und Landwirtschaft. Geografisch streut man jeweils ein Drittel auf Nord- und Südamerika, Europa und Asien. Nach der Anwendung mehrerer Filter – darunter auch der ESG-Kriterien für soziale und ökologische Nachhaltigkeit sowie gute Unternehmensführung – bleibt ein „investierbares Universum“ von rund 150 Titeln.
Gute Beispiele für Titel aus dem Bereich Infrastruktur sind nach Einschätzung von Experten der US-Funkmastenbetreiber American Tower, Getlink (Eurotunnel) und Kinder Morgan, ein Öl- und Gaspipelineunternehmen aus den USA. Für erneuerbare Energien stehen zum Beispiel Encavis, Hannon Armstrong Sustainable Infrastructure sowie Brookfield Renewable Partners.
Und mit den beiden Aktien von Weyerhaeuser sowie Gladstone Land kann man in natürliche Ressourcen investieren. Einen guten Überblick über das weltweite Angebot an Investments bietet die „Global Listed Infrastructure Organization“.
Infrastruktur wird Megathema nach der Krise
Bei den Vermögensverwaltern der schweizerischen Großbank UBS geht man davon aus, dass Investitionen in die Infrastruktur zu den großen Themen nach der Krise werden. In den USA werden nach Ansicht der UBS-Experten sowohl Präsident Donald Trump als auch sein demokratischer Herausforderer Joe Biden versuchen, die Wirtschaft mit milliardenschweren Investitionen in die Verkehrs- und Energienetze sowie die Gesundheitsversorgung anzukurbeln.
Beide Politiker würden fiskalpolitische Anreize schaffen, sagt Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management. Für Stefan Freytag, Vorstandssprecher beim Deutsche Oppenheim Family Office, hängt der Aufstieg der „Real Assets“ auch mit der unattraktiven Zinslandschaft zusammen.
„Staatsanleihen bieten keinen nennenswerten Ertrag, und bei steigenden Inflationsrisiken verlieren sie massiv an realem Wert. Ferner zeigt die aktuelle Erfahrung, dass Staatsanleihen nicht beliebig Kursgewinne erzeugen, wenn die Rendite bereits unter null Prozent notiert.“
Vor allem in Abschwungphasen wirken Infrastrukturanlagen am Aktienmarkt wie ein Airbag gegen zu große Verluste, allerdings muss man im Aufschwung einige Euro liegen lassen. „Eine Hausse mit steigenden Aktienkursen macht der Fonds zu 80 Prozent mit, einen Abschwung zu gut 60 Prozent“, sagt Rieken.
Jedoch haben auch Real Assets ihre eigenen Unwägbarkeiten. „Sachwerte unterliegen in der Regel vor allem wirtschaftlichen Risiken. Diese können vielfältiger Natur sein. Wir haben aber zum Beispiel bei Infrastruktur auch nennenswerte politische Risiken, wenn Rahmenbedingungen verändert werden“, sagt Freytag vom Deutsche Oppenheim Family Office.