Aktien: Trump-Zölle treiben Handelsaktivität bei Banken und Brokern
Frankfurt. Broker und Banken profitieren von den hohen Schwankungen an den Aktienmärkten: Die Handelsaktivitäten sind im ersten Halbjahr deutlich gestiegen, wie hiesige Unternehmen berichten.
„Das erste Halbjahr 2025 war geprägt von hoher Volatilität an den internationalen Aktienmärkten, was sich auch bei uns in den Wertpapier-Transaktionszahlen zeigt“, teilt etwa ING Deutschland mit.
Beim hauseigenen S Broker der Sparkassen heißt es: „Das erste Halbjahr und insbesondere das zweite Quartal bewerten wir hinsichtlich der Handelsaktivitäten unserer Kundinnen und Kunden auch im Vergleich zum Vorjahr sehr positiv.“
Und der im MDax-gelistete Broker Flatexdegiro erzielte im ersten Halbjahr neue Höchstwerte bei Ergebnis und Umsatz, wie das Unternehmen am Dienstagabend bei der Vorlage der Quartalszahlen bekannt gab.
Der Ausblick für den Rest des Jahres fällt hingegen unterschiedlich aus. So erwartet etwa Flatexdegiro eine Normalisierung der Handelsaktivitäten. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies in Frankfurt (CFSF), geht hingegen davon aus, dass die hohe Volatilität anhalten wird.
ING Deutschland zählte Ende des vergangenen Jahres 2,8 Millionen Depots, bei S Broker kam man zum gleichen Zeitpunkt auf etwa 215.000 Depots. Flatexdegiro, das in 16 europäischen Ländern aktiv ist, verfügt eigenen Angaben zufolge über insgesamt 3,3 Millionen Kundenkonten.
Geopolitische Risiken sorgen für hohe Volatilität
„Die geopolitischen Risiken, sei es durch Trump, den Ukrainekrieg oder auch die Lage in Nahost, sorgten für starke Schwankungen an den Märkten“, so Brühl. Dies habe im ersten Halbjahr für eine deutliche Belebung der Handelsaktivitäten gesorgt.
Von diesem Trend profitiert hat etwa Flatexdegiro. Das Unternehmen hat die Jahresprognose nach dem starken ersten Halbjahr angehoben. Der Jahresumsatz soll nun zwischen 499 und 518 Millionen Euro liegen, das Konzernergebnis die Spanne von 128 bis 139 Millionen Euro erreichen.
Bei Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen 2024 hatte das Unternehmen im Februar für 2025 einen Umsatz von 455 bis 505 Millionen Euro prognostiziert sowie ein Konzernergebnis zwischen 106 und 123 Millionen Euro.
Vor allem im zweiten Quartal profitierten Broker und Bankhäuser indirekt von der teils schwer kalkulierbaren US-Zollpolitik. „Insbesondere die Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump am 7. April und die kurz darauf bekannt gegebene Aussetzung dieser Zölle für alle Länder außer China sorgten für außergewöhnlich hohe Handelsaktivität unserer Kunden“, heißt es von der ING Deutschland.
Auch S Broker berichtet von hohen Kursschwankungen und deutlich gestiegenen Handelsaktivitäten Anfang April, „hervorgerufen insbesondere durch die Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump“.
Im Vergleich zum ersten Halbjahr konnte S Broker bei den Handelszahlen nach eigenen Angaben ein Plus von 25 Prozent verzeichnen. Auch die Depotzahlen hätten sich weiter positiv entwickelt, konkrete Zahlen nannte S Broker nicht, ebenso wenig wie ING Deutschland. Das Geldhaus befindet sich derzeit in der sogenannten Quiet Period, da in der kommenden Woche Quartalszahlen vorgelegt werden.
Höchstwerte bei Flatexdegiro
Flatexdegiro wickelte im zweiten Quartal dieses Jahres 17,9 Millionen Transaktionen ab, ein Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im gesamten ersten Halbjahr waren es sogar 37,4 Millionen Transaktionen, ein Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Dies führte dazu, dass das Unternehmen sein Konzernergebnis von April bis Juni um 28 Prozent auf 40 Millionen Euro steigern konnte, den Umsatz ebenfalls um elf Prozent auf 132 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr verzeichnet Flatexdegiro somit neue Höchstwerte.
Bei Flatexdegiro sind laut Angaben vor allem Aktien nachgefragt. 90 Prozent des Geldes investierten die Kunden direkt in Aktien, sagte Flatexdegiro-Chef Oliver Behrens. Bei S Broker sind die drei nachgefragtesten Produktarten Aktien, Optionsscheine und ETF-Sparpläne.
ETF-Sparpläne zählen traditionell zu den wachsenden Geschäftsbereichen bei Brokern. Damit können Anlegerinnen und Anleger einfach in einen börsengehandelten Indexfonds investieren, der die Wertentwicklung bekannter Marktindizes abbildet.
Unterschiedlicher Ausblick
Nach dem starken ersten Halbjahr fällt der Ausblick auf den Rest des Jahres insgesamt unterschiedlich aus. Die Sonderkonjunktur, die teilweise durch politische Statements gerade im April ausgelöst worden sei, sei „nicht an der Tagesordnung“, so Behrens. „Das zweite Halbjahr planen wir auch eher konservativ“, sagte der Flatexdegiro-Chef. Er gehe von einer „Normalisierung der Handelsaktivitäten“ für den Rest des Jahres aus.
Brühl hingegen erwartet, dass sich der Trend aus der ersten Jahreshälfte weiter fortsetzen wird. „Es wird weiter erratische Ankündigungen durch Trump geben, weshalb auch die Sonderkonjunktur für die Broker und demnach auch massive Kursausschläge erhalten bleiben“, sagte er.