Banken: 111 Prozent Gewinnsprung – UBS profitiert von Investmentbank
Frankfurt. Starke Zuwächse im Wertpapierhandel haben der UBS erneut einen Gewinnsprung beschert. Im zweiten Quartal hat die Schweizer Großbank einen Nettogewinn von 2,4 Milliarden Dollar erzielt – das entspricht einem Plus von 111 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie die UBS am Mittwoch in Zürich mitteilte. Das Geldhaus übertraf damit auch deutlich die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 2,05 Milliarden Dollar Gewinn gerechnet hatten.
UBS-Chef Sergio Ermotti sagte: „Trotz eines von außergewöhnlicher Volatilität geprägten Quartalsbeginns konnten wir unsere stabile Entwicklung fortsetzen.“ Die Bank habe dabei den „Kundinnen und Kunden zur Seite gestanden“ und gleichzeitig die Integration der 2023 übernommenen Credit Suisse vorangetrieben.
Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf zeigte sich die UBS vorsichtig. Im dritten Quartal dürften die Transaktionserträge gemessen an den hohen Werten der beiden Vorquartale zurückgehen. Dennoch zeigte sich das Institut zuversichtlich, die angepeilten Finanzziele für 2025 und 2026 zu erreichen.
Aktienkurs mit Nachholpotenzial
Schon im ersten Quartal hatte die UBS dank des Handelsgeschäfts den Gewinn kräftig gesteigert, sodass sich der um Sondereffekte bereinigte Halbjahresgewinn auf 5,3 Milliarden Dollar summiert. Bei den Analysten kam die Halbjahresbilanz gut an. Benjamin Goy, Analyst bei der Deutschen Bank, kommentierte: „Die Ergebnisse sind ein guter Beweis für die Stärke des Geschäftsmodells und die schnelle und relativ reibungslose Integration der Credit Suisse.“
Trotz der starken Quartalszahlen entwickelt sich der Aktienkurs der UBS im Vergleich zur europäischen Konkurrenz unterdurchschnittlich. Am Mittwoch notierten die Anteilsscheine im Handelsverlauf rund 1,5 Prozent im Plus. Vontobel-Analyst Andreas Venditti erläutert: „Die UBS-Aktie hat im Juli eine starke Performance erzielt und mit plus 14 Prozent alle globalen Mitbewerber übertroffen.“ Auf Jahressicht beträgt das Plus jedoch lediglich zehn Prozent. Zum Vergleich: Die Aktie der Deutschen Bank hat im gleichen Zeitraum mehr als 70 Prozent zugelegt.
Für Verunsicherung sorgt die Debatte um schärfere Kapitalvorschriften für die UBS in der Schweiz. Ein Gesetzentwurf von Anfang Juni sieht vor, dass die UBS künftig alle Auslandstöchter zu hundert Prozent mit Eigenkapital in der Schweizer Konzernmutter hinterlegen muss.
Schärfere Regulierung als Risikofaktor
Die UBS müsste in diesem Fall bis zu 24 Milliarden Dollar zusätzliches Eigenkapital bei der UBS-Konzernmutter in der Schweiz halten. Dieser „extreme Vorschlag“ würde die Mindestanforderungen für Kernkapital um 60 Prozent über jene der Konkurrenz aus den USA und Großbritannien anheben, warnte UBS-Chef Ermotti.
Er betonte: „Wir prüfen alle Möglichkeiten, die Auswirkungen einer schärferen Regulierung für uns Aktionäre abzumildern.“ Der Gesetzentwurf wäre mit hohen Kosten auch für die Schweizer Wirtschaft verbunden, etwa falls Produkte für Schweizer Unternehmen teurer würden.
Hohe Ausschüttungen
Der Gesetzentwurf könnte jedoch noch abgeschwächt werden. Ermotti kündigte an, sich weiter aktiv in die Debatte um Eigenkapitalvorschriften einzuschalten. Vor dem Jahr 2027 rechne er jedoch nicht mit einer Entscheidung. So lange versucht die Bank ihre Aktionäre mit hohen Ausschüttungen zu beruhigen. Bis zum Jahresende will die Bank eigene Titel im Wert von bis zu drei Milliarden Dollar zurückkaufen. Angaben zu den im kommenden Jahr geplanten Kapitalrückführungen will der Konzern mit den Jahreszahlen 2025 vorlegen.
Ungeachtet der Debatte um schärfere Kapitalvorschriften sicherten die starken Schwankungen an den Aktienmärkten zwischen April und Juni der Investmentbank die höchsten in einem zweiten Quartal erzielten Erlöse seit 2013. Sie legten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar zu. Der Vorsteuergewinn der Sparte vergrößerte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 28 Prozent. Haupttreiber war das „Global Markets“ genannte Wertpapierhandelsgeschäft.
Auch in der wichtigsten Sparte, der Vermögensverwaltung von reichen Privatkunden, profitierte die Bank von der Unsicherheit an den Märkten. Die Erlöse legten um sechs Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar zu. Der Vorsteuergewinn stieg ebenfalls kräftig auf 1,2 Milliarden Dollar. Die reichen Kunden der UBS vertrauten dem Institut Neugelder in Höhe von 23 Milliarden Dollar an.
Sinkende Erlöse musste die UBS lediglich im Privat- und Firmenkundengeschäft in der Schweiz hinnehmen. Dort belasteten die Niedrigzinsen die Zinsmarge. Die Schweizer Nationalbank hatte im Juni als erste Notenbank weltweit wieder Nullzinsen eingeführt. Bei der UBS sorgte das für einen Rückgang des Vorsteuergewinns am Heimatmarkt gegenüber dem zweiten Quartal 2024 von 19 Prozent auf 566 Millionen Dollar.