Banken: Finanzaufsicht Bafin rügt zwei PSD Banken
Frankfurt. Die Finanzaufsicht Bafin hat innerhalb weniger Tage zwei PSD Banken gerügt. Sie verlangt von der PSD Bank Koblenz und von der PSD Bank München, dass sie jeweils mehr Eigenkapital vorhalten. Die Aufsichtsbehörde informierte am Montag sowie am vergangenen Mittwoch wortgleich über die ergriffenen Maßnahmen.
In beiden Fällen nannte die Bafin als Grund „die besondere Geschäftssituation“ des Kreditinstituts. Demnach befinden sich die zwei Genossenschaftsbanken „in einer Situation, in der sie das bisherige Geschäftsmodell in einem geänderten Zinsumfeld nachhaltig verändern“ müssten. Durch die notwendige Umstrukturierung bestehen der Aufsicht zufolge Risiken, für die mehr Eigenkapital nötig ist, als die EU-Vorgaben mindestens fordern.
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„Um einer besonderen Geschäftssituation eines Instituts Rechnung zu tragen, kann die Bafin zusätzliche Eigenmittelanforderungen anordnen und damit Risiken begrenzen“, erklärte die Bafin. Das habe sie bei beiden Banken getan. Beide Geldhäuser hätten den notwendigen Umstrukturierungsprozess bereits begonnen und würden von der Bafin eng begleitet.
Beide Geldhäuser kämpften zuletzt mit stark gestiegenen Zinsaufwendungen und schwachen operativen Ergebnissen. Die PSD Bank München schrieb 2024 angesichts des gesunkenen Zinsüberschusses und steigender Kosten sogar operativ rote Zahlen, das Kosten-Ertrags-Verhältnis stieg auf fast 200 Prozent.
„Die Entwicklung der Ertragslage entsprach nicht unserer Prognose“, heißt es im Geschäftsbericht für das vergangene Jahr. Das Bewertungsergebnis allerdings erhöhte sich deutlich, unter anderem weil die Bank stille Reserven heben und eine Rückstellung auflösen konnte.
Schwierigkeiten im Zuge gestiegener Zinsen
Wie der Branchendienst „Finanz-Szene“ berichtet hatte, sind die Probleme darauf zurückzuführen, dass die Bank lange sehr kurzfristig refinanzierte und sehr langfristige Kredite vergab. Im Zuge der Zinswende im Jahr 2022, als die Europäische Zentralbank die Zinsen in mehreren Schritten deutlich anhob, geriet das Geldhaus demnach in Schwierigkeiten.
Die Bank wollte sich auf Handelsblatt-Anfrage nicht dazu äußern, ob sie Zinsrisiken nicht abgesichert habe. Auch zur Anpassung des Geschäftsmodells äußerte sie sich nicht.
Im Vorstand gab es bereits Veränderungen. Die Vorstandsmitglieder Karen Lehmann-Martin und Jürgen Haschka zogen sich zurück.
Auch die PSD Bank Koblenz machte operativ im vergangenen Jahr einen Verlust. Und auch bei ihr schossen die Zinsaufwendungen nach oben. Das Geldhaus erklärte auf Anfrage, dass es die Anordnung der Bafin sehr ernst nehme und mit der Aufsicht zusammenarbeite.
Zusätzliche Kapitalanforderungen der Bafin würde die Bank vollumfänglich erfüllen, so die PSD Bank Koblenz weiter. Die Bank kommt nach eigenen Angaben Mitte 2025 auf eine harte Kernkapitalquote von 19,4 Prozent.
Bei der PSD Bank München, die in Augsburg sitzt, betrug der Wert Ende vergangenen Jahres 23,8 Prozent. Das übertrifft die Mindestanforderung für europäische Banken deutlich.
Das absolute Minimum für die harte Kernkapitalquote beträgt 4,5 Prozent der risikogewichteten Aktiva. Sieben Prozent muss die Quote mindestens betragen, wenn eine Bank Dividenden und Boni zahlen will. In Einzelfällen können die Aufseher aber zusätzliche Puffer verlangen, bei den meisten Banken sind die Kapitalquoten ohnehin deutlich höher.
Die harte Kernkapitalquote ist ein wichtiger Indikator für die Widerstandskraft von Geldhäusern in Krisen. Sie beschreibt das Verhältnis von Eigenkapital zu den risikogewichteten Vermögenswerten einer Bank.
Die ein Dutzend PSD Banken sind Teil der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Sie haben zusammen nur 44 Filialen. Ein großer Teil ihres Geschäfts beruht auf Baufinanzierungen.
Erstpublikation: 16.09.2025, 08:54 Uhr.