Banken-Gipfel: Höhere Zinsen bremsen den KI-Boom
„Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir diejenigen Spieler sehen werden, die KI wirklich voranbringen werden“, sagt der President of International der Bank of America.
Foto: HandelsblattFrankfurt. Bernard Mensah führt den aktuellen Hype um Künstliche Intelligenz (KI) an den Kapitalmärkten auch auf die lange Nullzinsphase zurück. Dadurch habe es Überinvestitionen in vielen Bereichen der Wirtschaft gegeben, auch im Bereich der Innovation einschließlich der KI, sagte der President of International der Bank of America am Donnerstag auf dem Handelsblatt-Banken-Gipfel.
Der Manager, der für das gesamte internationale Geschäft der zweitgrößten US-Bank verantwortlich ist, zieht Parallelen zum sogenannten Dotcom-Boom Ende der 1990er-Jahre. Damals wie heute sei Kapital im Überfluss in technologische Innovationen geflossen.
Der Dotcom-Boom endete in der Dotcom-Blase, die Anfang der 2000er-Jahre platzte. Gegen Ende des Booms zeichnete sich ab, dass viele der hochbewerteten Technologieunternehmen die Gewinnerwartungen in absehbarer Zeit nicht erfüllen würden. Die Zweifel wuchsen, als die ersten der vermeintlichen Hoffnungsträger Insolvenz anmelden mussten. Zwischen 1995 und dem März 2000 waren die Kurse an der US-Technologiebörse Nasdaq um 800 Prozent gestiegen, nur um dann bis zum Oktober 2002 um 740 Prozent einzubrechen.
Eine Wiederholung der Geschichte fürchtet Mensah zwar nicht: „Ich glaube nicht, dass wir solch schwere Zeiten noch einmal erleben werden, wir haben aus der Vergangenheit gelernt“, betonte der Manager. Aber durch die rasanten Zinserhöhungen der Notenbanken sei Kapital nicht mehr so frei verfügbar wie in der langen Nullzinsphase.
Noch immer fließe zwar viel Geld in das Thema KI. Aber die deutlich höheren Finanzierungskosten würden auch die Entwicklung bei diesem Boomthema bremsen.
Harter Wettbewerb
Genau wie während des Dotcom-Booms sei es auch heute sehr schwierig, die Unternehmen herauszupicken, die sich am Ende als Gewinner des technologischen Wettbewerbs herauskristallisieren werden. „Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir diejenigen Spieler sehen werden, die KI wirklich voranbringen werden“, prognostizierte Mensah.
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Als Beispiel nannte der Manager Apples iPhone. Das smarte Handy sei eine der entscheidenden Innovationen des Internetbooms gewesen, allerdings kam das erste iPhone erst 2007 auf den Markt – sieben Jahre nach dem Platzen der Dotcom-Blase.
Die Hoffnung der Investoren auf einen KI-Boom ist ein entscheidender Grund für den Aufschwung an der US-Technologiebörse Nasdaq in den vergangenen zwölf Monaten gewesen. Trotz schnell steigender Zinsen – normalerweise ein Belastungsfaktor für Technologiewerte – ist der Nasdaq-100-Index seit September 2022 um knapp 30 Prozent gestiegen.
Unternehmen, die vom Hype rund um das Thema Künstliche Intelligenz profitierten, zählten zu den Favoriten der Anleger. Das gilt vor allem für die Aktie des Chip-Herstellers Nvidia, deren Wert innerhalb von zwölf Monaten um knapp 200 Prozent zugelegt hat.
KI im Management verankern
Mensah wies auf das disruptive Potenzial von KI für viele Branchen hin. Er rät den Unternehmen, das Thema im Management zu verankern. Die Bank of America selbst habe zum Beispiel ein AI Council eingerichtet.
Florian Douetteau, Vorstandschef des Tech-Unternehmens Dataiku, hilft den Banken, KI-Anwendungen in die Praxis umzusetzen. Mittlerweile zählt Dataiku 100 Geldhäuser zu seinen Kunden, die die unternehmenseigene KI-Plattform nutzen. Im Privatkundengeschäft könne KI zum Beispiel helfen, die Preismodelle zu optimieren, sagte der Manager während des Banken-Gipfels. Im Investmentbanking unterstütze Künstliche Intelligenz bei der Auswertung umfangreicher Datenbestände, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit gehe.
Als eines der interessantesten und am weitesten entwickelten Anwendungsgebiete sieht Douetteau die Verhinderung von Betrug und die Bekämpfung von Geldwäsche. Die Luxemburger Tochter der französischen Großbank BNP habe durch den Einsatz von KI die Zahl von falschen Geldwäscheverdachtsfällen um 40 Prozent senken können.
Die Bank of America nutzt KI-getriebene Anwendungen bereits seit Jahren in der Praxis. 2018 startete die Bank einen Chatbot namens Erica, um mit ihren Kunden zu kommunizieren. Mittlerweile war Erica laut Zahlen der Bank aus dem Juli dieses Jahres mit 37 Millionen Kunden im Kontakt, hat 1,5 Milliarden Interaktionen hinter sich gebracht und dabei zehn Millionen Stunden mit den Kunden gesprochen.