Bankenübernahme: UBS winkt dank Credit-Suisse-Notübernahme zweistelliger Milliardengewinn
Die Bank mit Sitz in Zürich zählt zu den weltweit größten Vermögensverwaltern.
Foto: ReutersZürich. Durch die Übernahme der Credit Suisse zum Preis von etwas mehr als drei Milliarden Dollar steuert die UBS im laufenden Quartal auf den höchsten Gewinn der Firmengeschichte zu. Den Buchgewinn („Badwill“) aus der Transaktion beziffert die Schweizer Großbank auf 34,8 Milliarden Dollar, wie aus einer Einreichung bei der US-Wertpapieraufsicht SEC in der Nacht auf Mittwoch hervorgeht.
Die UBS muss den Badwill als Gewinn in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung der Bank verbuchen – und zwar auf einen Schlag, nachdem der Deal formell abgeschlossen ist. Damit wird in den kommenden Wochen gerechnet.
Der gewaltige Bilanzgewinn errechnet sich aus dem Eigenkapital der Credit Suisse, abzüglich des Kaufpreises sowie der Kosten für den Konzernumbau. Sie zeigt einmal mehr, dass die UBS mit dem Notkauf der Credit Suisse ein wahres Schnäppchen gemacht hat: Das Eigenkapital der neuen Megabank steigt um das Zehnfache des gezahlten Kaufpreises.
Michael Klien, Analyst bei der Züricher Kantonalbank (ZKB), sagte kürzlich: „Es war eine Zwangshochzeit, aber die UBS hat eine hohe Mitgift erhalten.“ Andreas Venditti, Analyst bei Vontobel, schränkt jedoch an: „Der Gewinn ist nur buchhalterisch“. Er sei nicht mit Geldflüssen in diesem Umfang verbunden.
Die Credit Suisse hat vor der Übernahme ein den Aktionären zurechenbares Eigenkapital von knapp 49 Milliarden Dollar ausgewiesen. Hinzu kommt die staatlich angeordnete Abschreibung bestimmter nachrangiger Anleihen der Credit Suisse, die das Eigenkapital um weitere 17 Milliarden Dollar stärken.
UBS-Aktionäre können auf hohe Dividenden hoffen
Größter Kostenfaktor der Übernahme ist eine Wertberichtigung auf Kredite und Finanzanlagen in den Büchern der Credit Suisse. Sie schlagen mit 13 Milliarden Dollar zu Buche. Allerdings schränkt die UBS ein: Bis zu 50 Prozent der Wertpapiere könnten voll zurückbezahlt werden, wenn die UBS sie bis zur Fälligkeit auf den Büchern hält. Dieser Posten verschafft der UBS auch zukünftig Spielraum. Denn wenn einige der Finanzanlagen werthaltig sind, kann die UBS weitere Sondererträge erwirtschaften.
Hinzu kommen zusätzliche Rückstellungen für Rechtsrisiken und regulatorische Belastungen im Umfang von vier Milliarden Dollar sowie weitere Posten. Insgesamt rechnet die UBS mit Kosten für den Konzernumbau von etwas mehr als 28 Milliarden Dollar.
Auch dank der Abschreibung der Nachranganleihen bleibt jedoch noch fast 35 Milliarden Dollar Eigenkapital der Credit Suisse übrig, welches nun den Aktionären der neuen Megabank zugerechnet wird. Beschränkungen, wie die UBS dieses Geld einsetzen will, gibt es keine. Sobald die Transaktion abgeschlossen ist und die Aufseher grünes Licht geben, kann die UBS dieses Geld in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an die Aktionäre ausschütten.
Voraussetzung ist allerdings, dass die UBS den größten Deal in der Bankbranche seit der Finanzkrise wie geplant tatsächlich in den nächsten Wochen vollziehen kann. Dafür müssen mehrere Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden noch grünes Licht geben.