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Basel-ReformFed schlägt Reformen für US-Banken vor – Institute stellen sich auf höheren Kapitalbedarf ein

Die neuen Vorschriften gelten künftig auch für kleinere Banken. Die Notenbank Fed setzt mit ihrem Regelwerk eine internationale Bankenreform um.Astrid Dörner, Yasmin Osman 29.07.2023 - 09:00 Uhr Artikel anhören

New York, Frankfurt.
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US-Banken müssen sich auf eine ganze Reihe von neuen und strengeren Regulierungsvorschriften einstellen. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sowie die Bankenregulierer FDIC und OCC veröffentlichten am Donnerstag einen umfassenden Vorschlag, um Finanzinstitute nach der Krise 2007 und den jüngsten Turbulenzen bei den Regionalbanken widerstandsfähiger zu machen. 

Die Behörden wollen damit eine international vereinbarte Reform umsetzen, die im Fachjargon Basel IV genannt wird. In der Europäischen Union ist der Gesetzgebungsprozess dazu schon fast abgeschlossen.

Neu sind an den Vorschriften nicht nur strengere Eigenkapitalstandards: Die amerikanischen Bankenaufseher dehnen außerdem auch den Geltungsbereich dieser Vorschriften aus: Ursprünglich sollte das Regelwerk nur für Banken ab einer Bilanzsumme von 250 Milliarden Dollar gelten, nun jedoch wurde es schon auf Banken ab einer Bilanzsumme von 100 Milliarden Dollar ausgeweitet. Das betrifft in den USA 36 Institute. 

Damit revidieren die Bankenaufseher teilweise eine Entscheidung der Trump-Regierung, die diese Schwelle vor fünf Jahren von 50 Milliarden auf 250 Milliarden Dollar angehoben hatte.

Die Reform ist der letzte Teil eines internationalen Regulierungspakets, das die Defizite der Finanzmärkte nach der großen Finanzkrise 2007 aufarbeiten sollte. Erarbeitet wurden die Vorschläge vom Baseler Bankenausschuss, einem Gremium von Bankenaufsehern und Notenbankern aus 28 Staaten.

Kern dieses letzten Reformpakets, das Fachleute in den USA als „Basel Endgame“ bezeichnen und das in Europa „Basel IV“ genannt wird, sind strengere Vorschriften für die Messung von Risiken. Wie viel Eigenkapital eine Bank für ihre Geschäfte benötigt, hängt vom Risikogehalt dieser Aktivität ab.

Je riskanter das Geschäft, desto mehr Eigenkapital ist nötig. Je mehr Eigenkapital eine Bank für eine Tätigkeit benötigt, desto unattraktiver wird das Geschäft für das Institut.

Das von der US-Notenbank und anderen Regulierungsbehörden vorgeschlagene Reformpaket würde auch Handelsgeschäfte verteuern.

Foto: AP

Die Art, wie Risiken gemessen werden, ist für Banken deshalb sehr wichtig. Und das „Basel Endgame“ setzt genau dort an. Die Reform verbietet in einigen Bereichen die Nutzung bankinterner Risikomodelle für Banken komplett. Das gilt etwa für die Messung operationeller Risiken, also die Gefahren, die unter anderem Risiken aus fehlerhaften internen Prozessen oder Cyberangriffen berücksichtigen. Künftig sind nur noch von den Regulierungsbehörden vorgeschriebene Standardmodelle für die Risikokalkulation erlaubt.

Interne Modelle nur für Marktrisiken

Die US-Aufseher wollen aber interne Modelle für Kreditrisiken abschaffen. Damit würden sie über die Vorschläge aus Basel noch hinausgehen. Das Reformwerk hat die Nutzung von internen Modellen für Kreditrisiken zwar eingeschränkt, aber nicht völlig abgeschafft. Auch die Europäische Kommission lässt interne Modelle – mit den vereinbarten Beschränkungen – weiterhin zu.

Interne Modelle sollen nach Vorstellungen der US-Regulierungsbehörden im Wesentlichen nur noch bei der Messung von Marktrisiken eine Rolle spielen. Doch auch hier wollen die Behörden Einschränkungen durchsetzen. Der Kapitaleinsatz von Banken, die interne Modelle nutzen, soll nicht allzu stark vom Kapitaleinsatz der Banken abweichen, die auf das staatliche Standardmodell setzen. 

Der Kapitaleinsatz, den interne Modelle errechnen, soll mindestens 72,5 Prozent des Kapitaleinsatzes von „Standard-Modell-Banken“ betragen. Diese Untergrenze wird im Fachjargon Output-Floor genannt. Große Banken kritisieren diese Beschränkung, in Europa wie auch in den USA.

Der gut 1000 Seiten schwere Reformvorschlag dürfte den Kapitalbedarf einiger US-Banken deutlich erhöhen. Das gilt für normale Kredite und Wertpapiere, aber auch für die Finanzierung von Wohnimmobilien. Banken mit einer Bilanzsumme von mindestens 100 Milliarden Dollar müssten ihre Kapitalrücklagen um schätzungsweise 16 Prozent erhöhen, wie die Regulierer mitteilten. 

Die acht größten und global relevanten Banken müssen mit einer Erhöhung um etwa 19 Prozent rechnen. Sie könnten insgesamt rund 13 Milliarden Dollar zusätzlich hinterlegen müssen, so die ersten Schätzungen. So wollen die Behörden sicherstellen, dass die Institute genügend Puffer haben, um unerwartete Verluste abzufedern.

Der genaue Betrag wird von den Geschäftsaktivitäten der jeweiligen Banken abhängen. Analysten gehen davon aus, dass die größten Erhöhungen auf US-Megabanken entfallen werden. Besonders stark könnten Institute wie Morgan Stanley und Goldman Sachs getroffen werden, glaubt Steven Chubak vom Analysehaus Wolfe Research. Die Institute machen einen Großteil ihrer Einnahmen mit dem Handelsgeschäft und der Vermögensverwaltung. Die vorgeschlagenen Standards verschärfen insbesondere auch die Kapitalvorschriften, die für Handels- und Derivategeschäfte gelten.

Scharfer Gegenwind aus der Finanzbranche

„Investoren und Analysten haben es eigentlich begrüßt, wenn Banken weniger abhängig vom volatilen Geschäft mit dem Wertpapierhandel und mit der Beratung zu Fusionen und Übernahmen werden“, erklärt James Angel, Finanzprofessor an der Georgetown-Universität in Washington. Wer stärker darauf setze, das Vermögen der Kunden zu verwalten, könne schließlich mit verlässlicheren und stabileren Einnahmen rechnen, sagt er. „Doch das Geschäft ist mit einer anderen Art von Risiko verbunden, wie wir in der Finanzkrise 2008 gesehen haben“, gibt Angel zu bedenken.

Damals hatten Institute das Geld von Kunden in eigentlich liquiden Märkten angelegt, die dann jedoch im Zuge der Hypothekenkrise in Schwierigkeiten geraten waren. „In solchen Situationen fordern Kunden Entschädigungen von ihrer Bank“, so Angel.

Die Behörden wollen sich gegen ein breites Spektrum an Risiken absichern. Doch sie müssen sich auf Gegenwind von den Banken einstellen. Brian Moynihan, CEO der Bank of America, sorge sich um die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittelgroßer Institute, sagte er am Donnerstag im US-Sender Fox Business. Regulierer müssten sicherstellen, dass die USA im Vergleich mit den europäischen Banken nicht benachteiligt würden, betonte der Chef der zweitgrößten US-Bank.

Greg Baer, Geschäftsführer der Bankenlobby Bank Policy Institute, kritisierte: „Der Vorschlag würde die Eigenkapitalanforderungen für Banken unnötig erhöhen und damit Verbrauchern und kleinen Unternehmen schaden.“
Banken und Lobbyverbände haben nun bis November Zeit, die Regeln zu kommentieren und Änderungsvorschläge einzureichen. Die Finanzhäuser müssen dann bis 2028 das Regelwerk phasenweise umsetzen.

In Europa hatte die Lobbyarbeit vieler Banken einen gewissen Erfolg. Die EU hat das Baseler Regelwerk an einigen Stellen aufgeweicht. Das betraf insbesondere Kapitalvorschriften für Kredite an kleine bis mittelgroße Unternehmen sowie bestimmte Übergangsfristen, etwa bei der Einführung eines Output-Floors.

Die Diskussion über strengere Vorschriften in den USA kommt nur wenige Monate nach der überraschenden Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) im März, die eine Vertrauenskrise bei mittelgroßen Finanzinstituten ausgelöst hatte. Auch die New Yorker Signature Bank sowie die kalifornischen Institute Silvergate und First Republic scheiterten. First Republic wurde im Mai von Amerikas größtem Geldhaus, JP Morgan Chase, übernommen.

Die Pleite der Silicon Valley Bank wirkt nach

Die Lage hat sich seitdem wieder beruhigt, doch die Regulierer sehen sich in der Defensive. Aufgrund der rapide gestiegenen Leitzinsen der US-Notenbank Fed ist der Wert der Anleihen, die die Banken in ihren Büchern haben, deutlich gesunken. Das führte zu teilweise hohen Buchverlusten, die die Institute jedoch in ihren Bilanzen verschleiern konnten. 

Als die SVB im März diese Wertpapiere verkaufen wollte, verloren Kunden das Vertrauen und zogen in Rekordgeschwindigkeit ihre Gelder ab. Um zu vermeiden, dass es auch bei anderen Instituten zu ähnlichen Situationen kommt, sollen mittelgroße Institute nicht realisierte Gewinne und Verluste aus bestimmten Wertpapierportfolios in ihre Kapitalquoten einbeziehen müssen.

Martin Gruenberg, Chef der Einlagensicherung FDIC, betonte, dass höhere Kapitalpuffer „die Widerstandsfähigkeit unserer größten Banken verbessern“. Durch die Pleite der Regionalbanken sind dem Einlagensicherungsfonds Kosten von gut 23 Milliarden Dollar entstanden.

Gruenberg geht davon aus, dass die meisten Banken über genügend Kapital verfügen, um die vorgeschlagenen Anforderungen zu erfüllen. Fünf Institute könnten jedoch Defizite aufweisen. Die Behörde schätzt, dass diese Banken etwa zwei Jahre brauchen würden, um diese auszugleichen, vorausgesetzt, sie machen weiterhin Gewinne im gleichen Umfang wie in den letzten Jahren.

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Nicht alle Aufseher sind indes Fans dieser umfassenden Reform. Fed-Gouverneurin Michelle Bowman etwa gab zu bedenken: „Es gibt keine ausreichenden Beweise dafür, dass der Nutzen dieses Vorschlags die Kosten rechtfertigt.“ Banker hatten sich in den vergangenen Jahren immer wieder darüber beklagt, dass die Kosten für immer neue Regulierungsvorschriften überdurchschnittlich hoch seien.

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