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C-Quadrat-Gründer Alexander Schütz„HNA ist sehr zufrieden mit der Deutsche-Bank-Aktie“

Der Vertreter des größten Aktionärs der Deutschen Bank, Alexander Schütz, spricht über das langfristige Interesse an dem Institut und erklärt, warum man mit der Aktie „auf das richtige Pferd“ gesetzt habe.Yasmin Osman 26.12.2017 - 14:10 Uhr Artikel anhören

Vertreter des Großinvestors HNA im Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Foto: picture alliance / Wolfgang Wola

Alexander Schütz, Gründer des österreichischen Vermögensverwalters C-Quadrat, ist einer der Ideengeber für das Engagement des chinesischen Mischkonzerns HNA bei der Deutschen Bank. Heute ist er der Statthalter des größten Einzelaktionärs des Instituts im Aufsichtsrat. In der Öffentlichkeit ist der 50-Jährige selten aufgetreten, seit er diese Funktion übernommen hat. Doch die Spekulationen um die finanzielle Stabilität von HNA reißen nicht ab. Das Gespräch mit dem Handelsblatt nutzt er, um der Sorge entgegenzutreten, HNA sei kein stabiler Aktionär für die Bank.

Herr Schütz, HNA ist seit diesem Jahr Großaktionär der Deutschen Bank. Bereut der Mischkonzern sein Engagement mittlerweile?
Nein, gar nicht. HNA ist sehr zufrieden mit der Entwicklung der Aktie und mit dem Austausch mit der Deutschen Bank. Wir sind, wenn ich hier nicht nur für C-Quadrat, sondern auch für HNA sprechen darf, langfristig interessiert an der Deutschen Bank – und die neue Finanzierungsstruktur spiegelt das auch wider.

Hat das aktuelle Management Ihr Vertrauen?
Ja, absolut.

Gilt das auch für John Cryan, der sich lange weigerte, HNA-Vorstandschef Adam Tan zu treffen?
John Cryan ist ein sehr intelligenter Manager, der in der Phase, in der sich die Bank gerade befindet, genau der richtige Mann ist.

Ist er auch genau der richtige Mann für die nächste Periode, wenn es um Ertragswachstum geht?
Das steht derzeit nicht zur Debatte, John Cryan hat einen laufenden Vertrag. Über eine Vertragsverlängerung entscheidet der Aufsichtsrat zu gegebener Zeit.

Welche Note zwischen Eins und Sechs würden sie der Vorstandsriege geben?
Ein Investor sollte keine Schulnoten geben. Alle Vorstände machen einen sehr engagierten Job.

HNA hat den Kauf der Deutsche-Bank-Aktien überwiegend kreditfinanziert und einen Teil der Aktien gegen Kursverluste abgesichert. Nun wurde der Teil, der kursgesichert ist, sogar noch ausgeweitet. Bislang wurde diese Strategie als Zeichen dafür interpretiert, dass HNA eher spekulativ an der Bank interessiert ist und nicht langfristig.
Dieses Missverständnis rührt daher, dass die erste Derivatestruktur nur eine Laufzeit von einem Jahr hatte. Dadurch entstand wohl die falsche Wahrnehmung, dass HNA sich danach wieder verabschieden will. Nun wurde die Finanzierung überarbeitet. Die neue Struktur hat nun eine Laufzeit von drei Jahren. Das zeigt, dass HNA langfristig orientiert ist und kein Interesse an einem Verkauf hat.

Die neue dreijährige Laufzeit gilt nur für einen Teil der Aktien. Eine andere Tranche läuft in einigen Monaten aus. Was geschieht damit?
C-Quadrat plant aktuell, die auslaufende Tranche zu verlängern. Wir werden das aber zu gegebener Zeit noch mit HNA diskutieren.

Für die Struktur hat HNA öffentlich Prügel bezogen. Warum wählt HNA überhaupt so eine komplexe Konstruktion?
Die Struktur ist für HNA optimal, auch weil die Refinanzierungskosten geringer sind. HNA sichert sich gegen hohe Kursverluste ab und muss erst dann Gewinne abgeben, wenn der Kurs über 21 Euro steigt. Und wenn der Kurs einmal so weit steigt, kann man einen Teil der Optionen, die dazu verpflichten, besonders hohe Kursgewinne abzugeben, wieder zurückkaufen. Diese Konstruktion ist robuster als eine reine Kreditfinanzierung.

In der Schweiz soll eine ähnliche Finanzstruktur bei der HNA-Beteiligung am Duty-Free-Händler Dufry dazu geführt haben, dass die finanzierende Bank Dufry-Aktien weiterverkaufte. Kann das bei der Deutschen Bank nicht auch passieren?
C-Quadrat ist bei Dufry nicht involviert, und wir können die Struktur dort nicht kommentieren. Wir wissen aber über unsere Konstruktion, dass so etwas mit den Deutsche-Bank-Aktien nicht möglich ist.

Sind Sie sicher, dass HNA früher oder später nicht zumindest einen Teil seiner Deutsche-Bank-Aktien verkauft? Die Zeichen dafür, dass HNA Zahlungsschwierigkeiten hat, häuften sich ja zuletzt.
Die Deutsche Bank ist ein Kerninvestment für HNA, die Beteiligung hat einen hohen Prestigefaktor. Die Deutsche Bank ist in Asien sehr beliebt und genießt hohe Popularität. Wir gehen davon aus, dass HNA langfristig an diesem Engagement festhält.

Die Deutsche-Bank-Beteiligung ist aber sehr stark kreditfinanziert. Da könnte es doch auch mal zu einem Notverkauf kommen, oder?
Aus unserer Sicht ist HNA sehr gut finanziert. Was ich den Medien entnehme, ist, dass HNA eher Beteiligungen im Nicht-Kerngeschäft reduziert. Das betrifft Beteiligungen, die nicht in die Seidenstraßen-Initiative passen. Ich kann aber nicht für die HNA-Vorstände sprechen. Was die Deutsche Bank anbelangt: Unsere Finanzierungsstruktur ist der Beweis, dass wir langfristig an Bord bleiben wollen. Die Laufzeit unserer Derivatekonstruktion beträgt drei Jahre.

Ihr Treuebekenntnis ist nicht zu überhören. Warum setzt man speziell bei der Deutschen Bank so ein Zeichen?
Es ist viel darüber spekuliert worden, dass HNA die Aktien der Deutschen Bank verkaufen will oder dass HNA dazu gezwungen sein könnte. Wir wollen zeigen, dass das völlig falsch ist. Nebenbei gesagt: Dank des steigenden Aktienkurses ist die Zeit für die gewählte Struktur gerade sehr günstig.

Verdient die Deutsche Bank Ihre Anhänglichkeit? Seit dem Einstieg von HNA hat sich der Aktienkurs praktisch nicht vom Fleck bewegt.
Wir glauben an den Erfolg der Deutschen Bank. Das Institut hatte einiges an Altlasten aufzuräumen. Vorstandschef John Cryan hat das auch sehr gut gemacht. Wir sind deshalb sehr zufrieden mit den Entwicklungen – und auch der Einstieg eines neuen bedeutenden Investors ...

... Sie meinen den Finanzinvestor Cerberus ...
... zeigt uns, dass wir auf das richtige Pferd gesetzt haben.

Als Sie sich bei der Deutschen Bank engagierten, konnten Sie eigentlich davon ausgehen, dass die Bank das Schlimmste schon hinter sich hat. Sind Sie enttäuscht, dass die Erholung so lange dauert?
Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Jahren. Wir haben nicht damit gerechnet, dass sich schon in ein, zwei Quartalen etwas ändert. Der Abbau der Altlasten und Rechtsstreitigkeiten waren vordringlich – und das hat gut funktioniert. Der nächste Schritt wird sein, das Geschäftsmodell anzupassen und wieder entsprechend Geld zu verdienen. Der Fuß muss nun wieder von der Bremse, damit die Bank nach vorne kommt. Die Deutsche Bank muss wieder das Institut werden, wo jeder gerne Kunde ist und wo jeder gerne Mitarbeiter ist.

Das Investmentbanking ist ein zentraler Geschäftsbereich der Bank. Nun hat sie angekündigt, dass der Umbau der Sparte wohl zwei bis drei Jahre dauern wird. Macht Sie das nervös?
Nein. Das ist ein sehr komplexes Geschäftsmodell, und uns ist klar, dass das nicht von heute auf morgen geht.

Sollte der Vorstand mehr Tempo beim Umbau an den Tag legen?
Mehr Tempo ist immer gut.

HNA ist in diesem Jahr nicht nur bei der Deutschen Bank eingestiegen, sondern hat auch angekündigt, die Mehrheit an Ihrer Firma, dem Vermögensverwalter C-Quadrat, zu übernehmen. HNA gilt als sehr intransparent. Sind Sie sicher, dass Sie genau wissen, an wen Sie verkauft haben?
Wir sind überzeugt, dass wir alle handelnden Personen bei HNA genau kennen, und wir haben immer ein offenes und sehr gutes Verhältnis zu HNA gehabt. Wir sind sehr glücklich über den Einstieg.

Die Einschätzung scheinen die Behörden in Neuseeland nicht zu teilen. Dort hat eine Behörde gerade die Übernahme des Finanzdienstleisters UDC Finance durch HNA untersagt, weil über die Eigentümerstruktur nicht genug Klarheit herrsche.
Wir sind in die Transaktion in Neuseeland nicht involviert und haben da keine tiefen Einblicke. Wir wissen nur, dass wir bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA in den letzten beiden Jahren alle Unterlagen eingereicht haben. Die FMA hat das alles sehr genau analysiert und ist zu einem anderen Schluss gekommen.

Die EZB soll darüber nachdenken, ob HNA mit seinem Anteil eine beherrschende Stellung bei der Deutschen Bank einnimmt. Haben Sie gehört, wie es um diese Überlegungen bestellt ist?
Wir haben von diesen Überlegungen seitens der EZB nichts gehört und sind auch nie kontaktiert worden. Wir würden Fragen der Bankenaufseher aber natürlich immer beantworten. Generell kann ich sagen: Wir haben bestes Einvernehmen mit der deutschen Finanzaufsicht Bafin und der österreichischen FMA und pflegen einen guten Kontakt zur EZB.

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Bankenaufseher durchleuchten auch die Aufsichtsratsgremien großer Banken. Hatten Sie schon einen Termin bei Bafin oder EZB?
Ich bitte um Verständnis dafür, dass wir über unseren Austausch mit den Regulatoren grundsätzlich nicht reden.

Wie geheuer ist Ihnen HNA? Könnten Sie sich vorstellen, auch eine Rolle bei HNA zu übernehmen?
Ob ich dort eines Tages eine Rolle übernehme, ist in erster Linie eine Sache der HNA. Ich habe eine sehr hohe Meinung von HNA und schätze die Zusammenarbeit mit HNA-Chef Adam Tan und seiner Führungsmannschaft. Wir freuen uns, dass wir Teil der großen HNA-Familie sind.

Herr Schütz, wir danken für das Gespräch.

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