Coronakrise: Aufseher fordern Banken zu Dividendenverzicht auf
Die Deutsche Finanzaufsicht will dass die Banken ihr Kapital zusammenhalten.
Foto: dpaFrankfurt. In der Krise sollen die Banken ihr Kapital zusammenhalten - zumindest wenn es nach der deutschen Finanzaufsicht Bafin geht. Die Aufseher empfehlen den Geldhäusern, von Aktienrückkäufen Abstand zu nehmen sowie Ausschüttungen von Dividenden, Gewinnen und Boni sorgfältig abzuwägen. „Wir raten Finanzinstituten, mit vorhandenen Kapitalressourcen sehr sorgfältig umzugehen“, betont der Präsident der Behörde, Felix Hufeld.
Die Deutsche Bank hat als größtes börsennotiertes Institut ihre Dividende für 2019 wegen des tiefgreifenden Konzernumbaus ohnehin gestrichen. Die Commerzbank hält bislang an ihrer Ausschüttung fest. Aktuell sei weiterhin eine Ausschüttung von 15 Cent je Aktie geplant, sagte Finanzvorständin Bettina Orlopp vor ein paar Tagen. Die Managerin ließ sich allerdings ein Hintertürchen offen: „Die Entscheidung trifft letztendlich die Hauptversammlung.“
Aktuell ist das Aktionärstreffen der Commerzbank für den 7. Mai geplant. Doch ob die Veranstaltung angesichts der Corona-Krise dann tatsächlich stattfinden wird, ist offen.
Aber nicht nur die börsennotierten Banken zahlen Dividenden, auch Landesbanken und Genossenschaftsinstitute. So will beispielsweise die Landesbank Baden-Württemberg für 2019 knapp 260 Millionen Euro an ihre Träger - das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und die baden-württembergischen Sparkassen - ausschütten. Die DZ Bank, das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, plant bislang eine Dividende von 322 Millionen Euro.
Auch die schwedische Finanzaufsicht empfahl am Dienstag allen von ihr beaufsichtigten Banken und Kreditfinanzierern, ihren Aktionären auf den Hauptversammlungen eine Streichung der Dividende vorzuschlagen. Der französische Finanzminister Bruno LeMaire ging noch einen Schritt weiter und riet sogar allen Firmen, mit Dividendenzahlungen vorsichtig zu sein.
Die spanische Großbank Santander hatte am Montag angekündigt, die geplante Zwischendividende ausfallen zu lassen. Die Mittel sollten genutzt werden, um Menschen und Unternehmen in Not zu helfen, begründete die größte Bank der Euro-Zone den Schritt.
Furcht vor Gewinnwarnungen
Als Präventionsmaßnahme gegen die befürchteten wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie versucht die Bafin, die deutschen Banken zu entlasten. „Das bestehende Regelwerk ermöglicht ein hohes Maß an aufsichtlicher Flexibilität, die wir umfassend nutzen“, erläutert Hufeld. „Wir entlasten die Banken da, wo es ohne Einbußen für die Finanzstabilität möglich ist.“
So müssen die Institute beispielsweise einen Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einstufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.
Bislang hält sich der direkte Schaden aus der Pandemie und den daraus resultierenden massiven Beschränkungen für das öffentliche Leben und die Wirtschaft für die meisten Geldhäuser noch in Grenzen. Nur wenige europäische Banken haben mit einer offiziellen Gewinnwarnung reagiert.
Doch das werde sich ändern, befürchten die Experten der Ratingagentur Scope: „Wir erwarten, dass in den kommenden Monaten mehr kommen wird, möglicherweise vor den nächsten Quartalsergebnissen, die ab April anstehen“, meint Marco Troiano, verantwortlich für die Finanzbranche bei Scope.
Troiano warnt vor Kreditausfällen und einer deutlichen Verschlechterung der Qualität der Bank-Bilanzen. Die Abwicklung von angeschlagenen Instituten hält der Ratingexperte aber in der akuten Krise für unwahrscheinlich. Dazu seien die Banken zu wichtig beim Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie.