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Deutsche Asset ManagementÜberraschung vor dem Börsengang

Die Fondstochter der Deutschen Bank heißt künftig wieder DWS – und will so das Krisenjahr 2016 vergessen machen. Zur Börsenpremiere wählt sie eine Rechtsform, mit der die Deutsche Bank auch künftig durchregieren kann.Yasmin Osman, Anke Rezmer 05.12.2017 - 10:00 Uhr Artikel anhören

Altes und neues Aushängeschild der DWS: Der bekannte Fondslenker der Deutsche-Bank-Tochter, Klaus Kaldemorgen, steht wie kaum ein Manager für die Marke DWS.

Foto: DWS

Frankfurt. Die Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank will sich noch im ersten Quartal 2018 umbenennen: Statt Deutsche Asset Management (Deutsche AM) soll die Fondsgesellschaft künftig DWS heißen. Das ist der Name, unter denen die Publikumsfonds für Privatanleger vertrieben werden. Der Chef des Vermögensverwalters, Nicolas Moreau begründete das mit den „über 60 Jahre zurückreichenden Wurzeln im deutschen Markt“ der Marke DWS, die außerdem „in unserer Branche weltweit Anklang findet“.

Was nach viel Heimatliebe klingt – die Deutsche Bank bekennt sich seit einiger Zeit wieder offensiv zu ihren Wurzeln in Deutschland – hat auch andere handfeste Vorteile, selbst wenn das niemand offen sagt: Im vergangenen Jahr hatte der Vermögensverwalter hohe Abflüsse verzeichnet, weil eine drohende Milliardenstrafe den Mutterkonzern Deutsche Bank schwer belastet hatte. Mittlerweile verzeichnet die Deutsche Asset Management zwar wieder Zuflüsse, doch ein neuer Name dürfte den Neuanfang erleichtern.

Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank
Die künftige Gesellschaft soll noch vor dem Gang aufs Parkett in DWS umbenannt werden. Die Abkürzung geht auf die 1956 gegründete Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen zurück, an der die Deutsche Bank anfangs zusammen mit anderen Instituten beteiligt war. Bislang verwendete das Institut die Marke DSW nur für das Privatkundengeschäft.Quelle: Reuters
Mit dem Börsengang, der nach Schätzungen von Analysten bis zu zwei Milliarden Euro in die Kasse der Deutschen Bank spülen könnte, wird aus der bisherigen Deutsche-Bank-Sparte eine rechtlich selbstständige GmbH & Co. KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien). Durch diese Rechtsform sichert die Deutsche Bank ihren Einfluss, unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen der Aktionäre: Für die Leitung der KGaA ist alleine die von der Deutschen Bank kontrollierte Geschäftsführungs-GmbH zuständig. Aufsichtsratschef der KGaA wird der Rechtsvorstand der Deutschen Bank, Karl von Rohr.
Die rund 3.800 Mitarbeiter der Deutsche Asset Management – davon rund 900 Analysten und Fondsmanager – verwalten in ihren insgesamt rund 600 verschiedenen Fonds Kundengelder im Volumen von knapp 700 Milliarden Euro. Das Geld stammt zu etwas weniger als der Hälfte von Privatkunden, der größere Teil kommt von institutionellen Anlegern, also zum Beispiel Staatsfonds, Versicherungen und Pensionskassen. Der weit überwiegende Teil der Anlagesumme kommt von Kunden aus Deutschland und dem übrigen Europa, immerhin ein Drittel fließt aus Amerika und der Region Asien-Pazifik zu.
Die Deutsche Asset Management gehört in die Oberliga der global tätigen Vermögensverwalter: Im Privatkundengeschäft ist sie in Deutschland die Nummer eins, in Europa auf dem vierten Platz. Im Passivgeschäft mit börsengehandelten Fonds (ETFs) liegt sie in Europa auf Platz zwei, weltweit auf Rang sechs. Im Geschäft mit Versicherungen belegt der Börsenaspirant global Rang zwei, im Geschäft mit Immobilienfonds Rang elf.
Die Deutsche Asset Management gehört zwar zu den zehn größten zu einer Bank gehörenden Vermögensverwaltungen der Welt, kommt aber nicht an Branchenriesen wie die UBS heran. Die Schweizer sind mit einem verwalteten Vermögen von mehr als zwei Billionen Dollar die größte im Asset Management aktive Bank. Im Vergleich zum US-Fondsgiganten Blackrock – mit einem verwalteten Vermögen von mehr als fünf Billionen Euro – wirken aber auch die Eidgenossen fast schon wie die zweite Liga. In Deutschland liegt die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank ganz vorne und verweist Konkurrenten wie Union Investment, den Fondsdienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken (320 Milliarden Euro Kundenvermögen), die Deka, den Fondsanbieter der Sparkassen (260 Milliarden Euro) und selbst Allianz Global Investors, den Assetmanager des Versicherungsriesen Allianz (494 Milliarden Euro) auf die Plätze.

Am Dienstag positionierte sich die Deutsche Asset Management auf einem Investorentag der Deutschen Bank für ihren Börsengang. Die Aktienplatzierung, die Finanzkreisen zufolge für das erste Halbjahr 2018 angepeilt wird, ist ein wichtiger Teil der Strategie von Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Das Institut dürfte knapp 25 Prozent der Anteile an neue Aktionäre abgeben. Die der Fondsgesellschaft zufließenden Mittel soll die Deutsche AM für ihr eigenes Wachstum verwenden dürfen, heißt es in Finanzkreisen.

Ein Erfolg ist für die Glaubwürdigkeit des Deutsche-Bank-Managements wichtig. Schließlich trägt die Strategie der Bank auf anderen Feldern bislang noch keine messbaren Früchte.

In London rührte Moreau vor internationalen Investoren nun kräftig die Werbetrommel. Die Fondstochter verweist darauf, dass in den vergangenen fünf Jahren 80 Prozent ihrer aktiven und alternativen Produkte ihre Börsenvergleichsindizes geschlagen hätten. Trotz des internationalen Drucks auf die Margen im Asset Management vor allem angesichts der Konkurrenz preiswerter indexnachbildender Produkte wie ETF geht die Fondsgesellschaft davon aus, die Marge im Fondsmanagement bei über 0,3 Prozentpunkten knapp stabil halten zu können.

Investoren stellte Moreau außerdem eine Ausschüttungsquote von 65 bis 75 Prozent des Nettogewinns in Aussicht. Das ist ein üppiger Wert – und soll potenzielle Investoren wohl darüber hinwegtrösten, dass sie bei Strategie und personeller Besetzung kaum etwas zu sagen haben.

Das liegt nicht allein daran, dass die Deutsche Bank mehr als 75 Prozent der Anteile behalten will, sondern auch an der künftigen Rechtsform der Fondsgesellschaft. Denn die Deutsche AM wird in eine GmbH & Co KGaA umgewandelt. Diese Rechtsform sorgt dafür, dass die Deutsche Bank alle wesentlichen strategischen und personellen Fragen praktisch im Alleingang entscheiden kann. Die neuen Aktionäre sind nur am Gewinn gleichberechtigt beteiligt.

Die GmbH & Co KGaA funktioniert wie folgt: KGaA steht für Kommanditgesellschaft auf Aktien. Bei einer KGaA gibt es einen Hauptgesellschafter, den einflussreichen Komplementär, und die Kommanditisten, die weit weniger zu sagen haben. Die Rolle des Komplementärs übernimmt eine GmbH, die der Deutschen Bank gehört und die vom Vorstand der Deutschen Asset Management geführt wird. Dadurch behält die Deutsche Bank faktisch die strategische und personelle Kontrolle über die Fondsgesellschaft, egal wie hoch ihr Anteilsbesitz an der Fondsgesellschaft ist.

So lange die Deutsche Bank eine Kontrollmehrheit von 75 Prozent behält, macht es für Aktionäre kaum einen Unterschied, ob die Deutsche AM eine normale Aktiengesellschaft oder eine KGaA ist. Doch die ungewöhnliche Konstruktion gilt als Signal dafür, dass die Bank langfristig an der Deutschen AM interessiert bleibt. Schließlich würde sich an ihrem Einfluss auch dann nichts ändern, wenn ihr Anteil unter die Kontrollschwelle von 75 Prozent rutscht. „Unsere künftige Rechtsform unterstreicht die nachhaltige Verbundenheit der Deutschen Bank mit unserem Geschäft und gewährt uns gleichzeitig die notwendige operative Eigenständigkeit, um unseren Wachstumskurs voranzutreiben“, sagte Deutsche-AM-Chef Moreau dazu.

Nur wenn die Deutsche Bank eines Tages wirklich viele ihrer Anteile abgibt und unter eine noch nicht öffentlich bekannte Schwelle rutscht, wird die künftige DWS in eine normale AG umgewandelt, ist in Finanzkreisen zu hören.

Die KGaA-Konstruktion wird häufig von Unternehmen mit starken Gründern oder Eigentümerfamilien genutzt. Beispiele in Deutschland sind unter anderem Dax-Konzerne wie der Waschmittelriese Henkel oder das Chemie- und Pharmahaus Merck. Auch in anderen Ländern sind ähnliche Strukturen bekannt, etwa bei dem französischen Reifenhersteller Michelin oder in den USA beim Finanzinvestor Blackstone und bei der Investmentbank Lazard.

Nähere Angaben zu Details des Börsengangs, etwa zur möglichen Bewertung, gab Moreau nicht. Üblich ist ein Wert von bis zu einem Prozent des verwalteten Vermögens (Assets under Management). Dessen Volumen lag Ende September bei 698 Milliarden Euro. Das entspräche einem Börsenwert von knapp sieben Milliarden Euro.

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Mittelfristig prognostiziert die Deutsche AM Netto-Kapitalzuflüsse von jährlich drei bis fünf Prozent des Vermögensbestands. Die Fondsgesellschaft setzt dabei auf ihren starken Marktanteil in wichtigen europäischen Märkten und hofft auf Wachstum in internationalen Märkten.

Von der Vertriebskraft der Deutschen Bank hängt der Vermögensverwalter übrigens weniger stark ab als vermutet, das zeigen die Unterlagen zum Investorentag. Danach ist die Deutsche Bank für rund zwölf Prozent des Absatzes der Fondsgesellschaft verantwortlich. Ihre Stärke sieht die Deutsche AM im weltweit tätigen, aktiven Geldmanagement für private und institutionelle Kunden – dem margenträchtigsten Geschäft, das unter dem gemanagten Vermögen mit Abstand den größten Teil ausmacht.

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