Deutsche-Bank-Chef: Christian Sewing bleibt wohl weiterhin BdB-Präsident
Frankfurt. Ende einer Hängepartie: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing steht für eine weitere Amtszeit als Präsident des Bankenverbands zur Verfügung, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Wenn der Vorstand des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) dies wolle, würde er sich erneut an die Verbandsspitze wählen lassen, sagten mit dem Sachverhalt vertraute Personen.
Sewing habe den Vorstand des BdB bereits über seine Entscheidung informiert, sagte eine mit dem Sachverhalt vertraute Person dem Handelsblatt. Eine weitere Amtszeit Sewings ist damit sehr wahrscheinlich. Seine Kandidatur werde von wichtigen Verbandsmitgliedern unterstützt, hieß es in Finanzkreisen.
Der BdB-Vorstand trifft sich am 25. Januar und will dann über den nächsten Präsidenten entscheiden. Die Deutsche Bank und der BdB wollten die Information auf Anfrage des Handelsblatts nicht kommentieren.
Sewing steht seit Juli 2021 an der Spitze des Bankenverbands. Sein erstes Mandat würde normalerweise im Sommer 2024 enden. Seit Ende 2022 ist der 53-jährige Manager außerdem auch Präsident des Europäischen Bankenverbands EBF. Das hatte zu Spekulationen geführt, Sewing könnte auf eine weitere Amtszeit als BdB-Präsident verzichten. Es gab auch Spekulationen über Widerstände im Aufsichtsrat der Bank gegen eine erneute Kandidatur beim BdB.
Bisher europäische Themen im Fokus
Neue Nahrung erhielten diese Gerüchte, als der BdB-Vorstand nicht schon im vergangenen November eine Entscheidung traf, wie es üblicherweise der Fall ist. Dieser Schritt wurde in Finanzkreisen damit begründet, dass der BdB-Vorstand nicht mehr nur zwei Mal im Jahr tagt wie früher, sondern vier Mal im Jahr. Aus diesem Grund sei es nicht mehr nötig, bereits im November eine Entscheidung über ein Mandat zu treffen, das der oder die Gewählte erst im Juli antreten muss.
Während seiner ersten Amtszeit als BdB-Präsident hatte Christian Sewing vor allem europäische Themen angesprochen. Vor allem eine europäische Kapitalmarktunion ist ihm ein Anliegen. Da eine „echte Kapitalmarktunion“ aber kurzfristig nicht zu erreichen sei, brauche es „jetzt eine wirksame Zwischenlösung“, hatte er in einem Gastkommentar für das Handelsblatt im November betont. Damit gemeint ist die Förderung des Verbriefungsmarkts, auf dem Kredite zu neuen Wertpapieren gebündelt werden.
Erstpublikation: 07.01.2024, 17:06 Uhr.