1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Banken + Versicherungen
  4. Banken
  5. Deutsche Bank: Jain-Vertrauter begeht Selbstmord

Deutsche BankJain-Vertrauter begeht Selbstmord

William Broeksmit ist tot. Der Investmentbanker sollte vor anderthalb Jahren Risikochef der Deutschen Bank werden, bis ihn die Finanzaufsicht ausbremste. Er wurde erhängt in seiner Londoner Wohnung gefunden.Reuters , Bloomberg und Katharina Slodczyk, Oliver Stock 28.01.2014 - 19:08 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Schock für Anshu Jain: Ein enger Vertrauter verstarb mit 58 Jahren.

Foto: Reuters

Frankfurt/London. Der ehemalige Deutsche-Bank-Manager William Broeksmit ist tot. Er starb bereits am Sonntag im Alter von 58 Jahren in seiner Londoner Wohnung, geht aus einer internen E-Mail der Bank hervor, die von Jain und seinem Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen unterzeichnet ist. Ein Polizeisprecher bestätigte dem Handelsblatt, dass ein 58-jähriger Mann am Sonntag um 12.35 Uhr in seiner Wohnung in South Kensington erhängt aufgefunden worden sei. Der verständigte Notarzt konnte nur den Tod feststellen.

Die Polizei behandelt die Todesumstände als „unverdächtig“, aber ein Gerichtsmediziner wird eingeschaltet. Nach Informationen der „Welt“ hat er mehrere Abschiedsbriefe hinterlassen, darunter auch einen an Anshu Jain. Dem Vernehmen nach soll es sich um persönliche, freundschaftliche Zeilen handeln.

Broeksmit gehört zu den Managern bei der Bank, deren Karriere vor anderthalb Jahren abrupt von den Aufsichtsbehörden ausgebremst worden war. Im Jahr 2012 sollte er im Zuge des Vorstandswechsels als Nachfolger von Hugo Bänziger Risikochef der Bank werden. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin lehnte seine Berufung allerdings mit dem Verweis auf „mangelnde Führungserfahrung“ ab. Kurz darauf verabschiedete sich Broeksmit aus dem aktiven Arbeitsleben und ging im Februar 2013 in den Ruhestand.

Jain und Fitschen würdigten ihn in der E-Mail als „einen der Gründer unserer Investmentbank“. Er sei einer der besten Köpfe im Risiko- und Kapitalmanagement gewesen und „vielen von uns ein lieber Freund und Kollege, von dessen Intellekt und Weisheit wir profitiert haben“. Broeksmit galt vor allem als ein Freund von Anshu Jain und wurde im Jahr 2012 als „Dr. No“ inszeniert: Angeblich würde er bei Verstößen gegen Risikovorschriften hart durchgreifen. Bei der Bafin fand er dennoch keine Anhänger. An seiner Stelle wurde Stuart Lewis berufen.

Weltweit größte Investmentbanken im Anleihehandel (2013)
2013: Platz 1 / 10,0 Prozent Marktanteil2012: Platz 1 / 10,7 Prozent Marktanteil2011: Platz 2 / 10,8 Prozent MarktanteilQuelle für alle Daten: Greenwich Associates
2013: Platz 2 / 9,2 Prozent Marktanteil2012: Platz 2 / 9,8 Prozent Marktanteil2011: Platz 1 / 10,9 Prozent Marktanteil
2013: Platz 2 / 9,2 Prozent Marktanteil2012: Platz 3 / 8,8 Prozent Marktanteil2011: Platz 3 / 9,7 Prozent Marktanteil
2013: Platz 4 / 8,9 Prozent Marktanteil2012: Platz 4 / 8,1 Prozent Marktanteil2011: Platz 4 / 8,5 Prozent Marktanteil

Broeksmit und Jain hatten bereits in den 1990er-Jahren bei der US-Investmentbank Merrill Lynch zusammengearbeitet. 1996 wechselte Broeksmit zur Deutschen Bank, die damals unter Edson Mitchell ihr Investmentbanking auf- und ausbaute. 2001 verließ Broeksmit die Bank kurz nach dem Tod Mitchells, um 2008 zurückzukehren.

Broeksmits Tod dürfte auch die Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank überschatten, in der sich Jain und Fitschen am Mittwoch den Fragen der Journalisten stellen. Sie wollen das Frankfurter Institut nach einer Serie von Skandalen – zumeist aus der Zeit vor der Finanzkrise 2007/08 – umsteuern und haben dazu einen „Kulturwandel“ ausgerufen.

Verwandte Themen
Deutsche Bank
Josef Ackermann
Jürgen Fitschen
BaFin

Broeksmit, der als Leiter der Risiko- und Kapital-Steuerung zuletzt eine Hierarchiestufe unter dem Vorstand tätig war, galt als eine der Schlüsselfiguren der Deutschen Bank im Bemühen, die komplexen Transaktionen aus der Finanzkrise zu entwirren. Jain hatte ihn 2012 in seiner Führungsmannschaft eigentlich als Risikovorstand vorgesehen. Doch die Bafin legte sich quer: Sie zweifelte zwar seine fachlichen Qualitäten nicht an, bemängelte aber seine fehlende Führungserfahrung. Anstelle von Broeksmit wurde Stuart Lewis Nachfolger des Risiko-Managers Hugo Bänziger.

Im vergangenen Jahr hatte ein Manager-Selbstmord in der Finanzwelt für großes Aufsehen gesorgt: Der Finanzvorstand des Schweizer Versicherers Zurich Financial, Pierre Wauthier, hatte sich das Leben genommen. In einem Abschiedsbrief belastete er den damaligen Verwaltungsratschef und Ex-Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann. Dieser habe ihn unter Druck gesetzt. Ackermann legte sein Amt wenige Tage später nieder. Eine von der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma angeordnete Untersuchung sprach Ackermann später von den Anschuldigungen frei.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt