Deutsche Bank: Deka-Manager lobt Wachstum, Kleinaktionäre sind unzufrieden
Frankfurt. Die Vorzeichen für die Hauptversammlung der Deutschen Bank waren gemischt: Einerseits hat ein teurer Rechtsstreit mit ehemaligen Aktionären der Tochter Postbank das Ergebnis der Deutschen Bank stark geschmälert. Andererseits hat das Institut die Erträge gesteigert, ist gut ins Jahr 2025 gestartet und bietet den Aktionären höhere Ausschüttungen.
Ähnlich gemischt wie die Ausgangslage war auch die Stimmung der Aktionäre bei der virtuellen Hauptversammlung der Bank. Noch am freundlichsten fiel die Rede von Andreas Thomae aus, Spezialist Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment. Das Fondshaus ist eine Tochter der Dekabank, der Wertpapiergesellschaft der Sparkassen.
Das Jahr 2024 sei „insgesamt erfolgreich“ gewesen für die größte deutsche Bank, lobte Thomae Vorstandschef Christian Sewing. „Sie haben die Deutsche Bank auf den Wachstumspfad zurückgebracht.“ Er lobte die steigenden Erträge und die stabilen Kosten. Mit Sewing an der Spitze habe die Bank „gute Voraussetzungen, aus dem Mittelfeld herauszukommen“.
Kleinanleger sind deutlich unzufriedener
Damit schränkt Thomae sein Lob wieder ein. Markus Kienle, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), wird deutlicher. Zwar habe das Geldhaus seine Erträge gesteigert. „Aber was nützt das, wenn die gestiegenen Erträge in schöner Regelmäßigkeit nicht auf der Gewinnebene ankommen, weil es wieder einmal zu einer Sonderbelastung gekommen ist?“, fragt er.
Auch ohne Sondereffekte sei die Deutsche Bank nicht profitabel genug. Sie habe 2024 nicht einmal eine Rendite von acht Prozent erreicht. Selbst der Commerzbank sei ein besseres Ergebnis gelungen. Immerhin sei die Deutsche Bank „sehr stark“ in das erste Quartal 2025 gestartet. Das mache Hoffnung für das laufende Jahr.
Kienle spricht einen wunden Punkt an: Auch wenn die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren profitabler geworden ist, liegt sie bei vielen Kennzahlen noch hinter anderen europäischen Großbanken. Und selbst wenn die Deutsche Bank in diesem Jahr ihr Renditeziel von mehr als zehn Prozent auf das materielle Eigenkapital erreicht, verringert sie damit nur den Abstand zur Konkurrenz. Institute wie Unicredit, Santander, ING oder BNP Paribas übertreffen diese Marke längst.
Vorstandschef Christian Sewing verspricht, die Bank wolle künftig ihr Kapital „noch gezielter dort einsetzen, wo es den meisten Mehrwert schafft“. Die Bank wolle Ressourcen aus Geschäftsfeldern „umverteilen“, die einen geringeren Wertbeitrag leisteten. Deshalb habe die Bank ihre Baufinanzierungsmarke DSL Bank eingestellt und viele Filialen geschlossen.
Scharfe Kritik an der Wahl des Wirtschaftsprüfers
Scharfe Kritik äußerten viele Aktionäre daran, dass die Bank erneut den Wirtschaftsprüfer EY mit ihrer Buchprüfung beauftragen will. EY hatte jahrelang die Bilanzen des Wirecard-Konzerns abgezeichnet, obwohl die Zahlen des zusammengebrochenen Zahlungsdienstleisters mutmaßlich gefälscht waren. Viele Firmen meiden EY deshalb seit 2020.
Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen hat Sonderermittler Martin Wambach, der vom Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Wirecard-Skandal eingesetzt worden war, EY 2021 ein verheerendes Arbeitszeugnis ausgestellt. Zum anderen hat die deutsche Prüferaufsicht Apas EY bis März 2026 verboten, neue Prüfaufträge von Unternehmen von öffentlichem Interesse anzunehmen. Apas wirft EY bei Wirecard Pflichtverletzungen vor.
Bestehende Mandate, wie das der Deutschen Bank, darf EY aber weiterhin wahrnehmen. Bei vielen Aktionären stößt das auf Unverständnis. „Warum kleben Sie an diesem Unglücksunternehmen?“, fragt ein Kleinaktionär. Der Warmbach-Bericht habe „gravierende und erschreckende Mängel“ offenbart, kritisiert Kienle.
„Solange EY sich nicht zu seiner Verantwortung geschädigter Anleger bekennt und eine Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden geleistet hat, kann EY nicht mehr als Abschlussprüfer befürwortet werden“, sagt Wolfgang Schaerfe von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Aktionärsvertreter Nieding schwänzt aus Protest
Die DSW machte auch deutlich, dass sie das Format der virtuellen Hauptversammlung ablehnt. Üblicherweise tritt bei den Hauptversammlungen der Deutschen Bank Klaus Nieding, der Vizepräsident der Aktionärsvereinigung, auf – und nicht Schaerfe, der nur für die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland zuständig ist.
„Herr Nieding ist heute das erste Mal seit 30 Jahren nicht bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank, sondern bei der zeitgleich stattfindenden Hauptversammlung der Fresenius Medical Care“, sagt Schaerfe. Das liege nicht daran, dass die FMC-Veranstaltung so besonders wichtig sei. Doch die Hauptversammlung bei Fresenius Medical Care findet in Präsenz statt. „Und da hat Herr Nieding einfach der Präsenzversammlung den Vorzug gegeben“, so Schaerfe.
Auch eine große Fondsgesellschaft fehlte: Das genossenschaftliche Fondshaus Union Investment blieb der Hauptversammlung der Deutschen Bank erstmals seit 2012 fern. Auffällig war: Auf den in Präsenz stattfindenden Hauptversammlungen der Commerzbank und der Deutschen Börse waren Vertreter von Union Investment als Redner aufgetreten. Ein Sprecher des Fondshauses wollte nicht kommentieren, ob auch Union Investment der Hauptversammlung aus Protest fernblieb.
Die virtuellen Hauptversammlungen sind seit Ende der Coronapandemie ein Streitpunkt zwischen der Deutschen Bank und deutschen Aktionärsvertretern. SdK-Vertreter Kienle spricht vom „sterilen, blutleeren und distanzierten virtuellen Format“, das „den Aktionär als Hauptperson der Hauptversammlung zur Randfigur“ mache, der nur bei Redebeiträgen live zugeschaltet werde.
Das virtuelle Format habe klare Vorzüge, hatte Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts zu Beginn der Veranstaltung argumentiert. Der Bank sei aber bewusst, dass manche Aktionäre eine Präsenzveranstaltung wünschten. Deshalb werde die Hauptversammlung der Deutschen Bank künftig mindestens alle vier Jahre in Präsenz stattfinden.
Doch das genügt den Vertretern der Kleinaktionäre nicht. Sowohl die DSW wie auch die SdK kündigten an, gegen den Vorschlag zu stimmen. Aktiengesellschaften benötigen eine große Mehrheit von 75 Prozent, um sich eine virtuelle Hauptversammlung genehmigen zu lassen.
Dennoch erreichte die Bank mit 95,66 Prozent deutlich die erforderliche Mehrheit. Der wichtige Aktionärsberater ISS hatte bereits im Vorfeld seinen Aktionären die Zustimmung empfohlen.
Für noch mehr Zustimmung der Aktionäre sorgte mit 99,92 Prozent die Dividende. Die Bank schüttet ihre gestiegenen Gewinne teilweise an ihre Aktionäre aus. Die Bank zahlt in diesem Jahr eine Dividende von 68 Cent je Aktie und hat einen Aktienrückkauf in Höhe von 750 Millionen Euro angekündigt. Im zweiten Halbjahr will das Institut einen weiteren Rückkauf prüfen. Im kommenden Jahr soll die Dividende auf einen Euro je Aktie steigen.
„Das Thema Übernahmen steht unter europäischen Banken mittlerweile stärker im Fokus als Aktienkäufe und Dividenden“, sagte Anke Reingen, Analystin bei RBC Capital. „Für Aktionäre der Deutschen Bank wären die angekündigten Aktienrückkäufe allerdings wichtiger als eine Beteiligung an einem Bietergefecht“, sagt Reingen.
Das sei wichtig, um Vertrauen zu schaffen. Denn viele Jahre lang hatte die Bank – anders als viele andere europäische Banken – nur geringe Dividenden ausgeschüttet und auf Aktienrückkäufe verzichtet.