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Digitalbank Commerzbank gelingt Comdirect-Übernahme im zweiten Anlauf

Die Commerzbank hat einem aktivistischen Investor ein großes Paket mit Aktien ihrer Tochter Comdirect abgekauft. Dabei hatte es das Kreditinstitut offenbar besonders eilig.
03.01.2020 Update: 03.01.2020 - 22:33 Uhr Kommentieren
Das Frankfurter Institut erwarb das Comdirect-Aktienpaket des Hedgefonds Petrus Advisers. Quelle: dpa
Commerzbank in Frankfurt

Das Frankfurter Institut erwarb das Comdirect-Aktienpaket des Hedgefonds Petrus Advisers.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Commerzbank kann ihre Onlinetochter Comdirect komplett übernehmen. Das Frankfurter Geldhaus erwarb das Comdirect-Aktienpaket des Hedgefonds Petrus Advisers und hält damit mehr als 90 Prozent an der Direktbank, wie die Commerzbank an diesem Freitag mitteilte. Nun kann das Finanzinstitut die restlichen Comdirect-Aktionäre gegen eine Barabfindung („Squeeze-out“) hinausdrängen.

„Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Integration unserer erfolgreichen Direktbanktochter schnell und effizient umzusetzen und erhebliche Synergien zu erzielen“, erklärte Commerzbank-Chef Martin Zielke. Über den Kaufpreis für das Aktienpaket sei Stillschweigen vereinbart worden.

Die Commerzbank ist vorgeprescht und hat mit der heutigen Mitteilung auch Petrus überrascht. Der aktivistische Investor lehnte eine Stellungnahme ab und will erst am Dienstag mit einer eigenen Einschätzung an die Öffentlichkeit gehen.

Der nun vereinbarte Preis übersteigt laut Finanzkreisen das bisherige Erwerbsangebot von 11,44 Euro deutlich. Die Commerzbank wolle so schnell wie möglich Nägel mit Köpfen machen, heißt es. Auch Petrus sei sehr zufrieden mit dem Deal. Die Übertragung der Anteile läuft offenbar bereits und soll bis Anfang kommender Woche abgeschlossen sein.

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    Anfang Dezember war die Commerzbank mit dem ersten Versuch gescheitert, mit einem Übernahmeangebot von 11,44 Euro je Comdirect-Aktie ihren Anteil von gut 82 Prozent auf über 90 Prozent aufzustocken. Petrus hatte den gebotenen Preis als zu niedrig kritisiert und seine Beteiligung Anfang Dezember auf 7,5 Prozent aufgestockt. Gemessen am aktuellen Aktienkurs hat dieser Anteil einen Wert von rund 140 Millionen Euro. Am Freitag notierte die Comdirect-Aktie bei 13,20 Euro.

    Schnelle Übernahme erwartet

    Die Komplettübernahme der Comdirect durch die Commerzbank – der sogenannte Squeeze-Out – dürfte nach der Comdirect-Hauptversammlung am 5. Mai vollzogen werden.

    Vor der endgültigen Übernahme muss unter anderem noch die Höhe der Barabfindung für die verbliebenen Comdirect-Aktionäre festgelegt werden. Dafür werde ein Wirtschaftsprüfer den Wert der Bank unabhängig taxieren, erklärte ein Commerzbank-Sprecher am Freitag. Im Anschluss werde ein gerichtlich bestellter Squeeze-Out-Prüfer über die Angemessenheit der angebotenen Barabfindung entscheiden.

    Für die Einschätzung des Wirtschaftsprüfers werde der aktuelle, stillschweigend vereinbarte Kaufpreis eine Rolle spielen, erklärt Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Es sei jedoch offen, ob er die entscheidende Rolle spielen werde.

    „Für jeden langfristigen Aktionär ist es bedauerlich, wenn ein Unternehmen per Squeeze-Out von der Börse genommen wird“, so Bergdolt. „Aus Sicht der Commerzbank ist der Schritt richtig. An die freien Comdirect-Aktionäre sollte jedoch mindestens der Preis gezahlt werden, den auch Petrus erhalten hat.“

    Als Plan B zur Übernahme der Comdirect hatte die Commerzbank eine Zwangsverschmelzung der beiden Institute ins Auge gefasst, die jedoch wesentlich aufwändiger und langwieriger gewesen wäre. Hätte die Commerzbank weniger als 90 Prozent der Comdirect-Aktien erhalten, wäre eine solche Zwangsverschmelzung im Rahmen des Umwandlungsgesetzes angegangen worden. Diese ist bereits aber einer Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen möglich.

    Comdirect-Aktionäre hätten dann Commerzbank-Aktien erhalten. Das Tauschverhältnis hätte von externen Prüfern auf der Basis von Wertgutachten für Comdirect und Commerzbank festgelegt werden müssen. Zudem hätten beide Hauptversammlungen die Verschmelzung absegnen müssen – beim Squeeze-out gilt das nur für Comdirect. Deren Spitze hatte im Fall des Plan B eine „längere Phase der Unsicherheit“ befürchtet.

    Einsparungen über 150 Millionen Euro

    Nun soll die Integration der Comdirect in die Commerzbank wie geplant noch 2020 vonstatten gehen. Mit Hilfe der Onlinetochter will die gelbe Bank stärker auf das Online- und Smartphone-Banking setzen. Zudem verspricht sie sich 150 Millionen Euro an Einsparungen, da IT-Lösungen künftig nicht mehr für jedes Institut einzeln entwickelt werden müssen und Doppelfunktionen wegfallen.

    Von den 4300 Stellen, die die Commerzbank im Zuge ihres Konzernumbaus streichen will, werden auch Jobs bei der Comdirect betroffen sein. Das Ausmaß des Arbeitsplatzabbaus bei der Direktbank sowie die künftige Rolle des Comdirect-Standorts in Quickborn bei Hamburg sind jedoch weiter offen.

    Für Petrus Advisers hat sich das Engagement bei der Comdirect gelohnt. Der aktivistische Investor war 2017 bei der Direktbank eingestiegen. Damals kostete die Aktie noch weniger als elf Euro. Seit dem Einstieg hat Petrus seine Beteiligung nach und nach aufgestockt.

    Wie die Deutsche Börse am späten Freitagabend bekanntgegeben hat, hat die Übernahme von 90 Prozent der Comdirect-Anteile durch die Commerzbank eine weitere Folge: Die Onlinebank fällt aufgrund des zu geringen verbliebenen Streubesitzes aus dem Kleinwerteindex SDAX. Für die Comdirect rückt der Bahntechnikhersteller Vossloh aus dem Sauerland nach.

    Mit Material von Reuters.

    Mehr: Der Comdirect-Chef Arno Walter glaubt, dass die Direktbank bei der Neuausrichtung der Commerzbank Impulse setzen kann – etwa bei Banking-Apps. Lesen Sie hier mehr.

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