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Digitalisierung ING-Innovationschef Legrand: „Die Frage des fairen Wettbewerbs muss angegangen werden“

Um in der digitalen Welt zu bestehen, müssen Banken ihre Geschäftsprozesse schneller und besser machen, sagt der Innovationschef der niederländischen Bank ING.
03.01.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der CIO der niederländischen Bank ING kooperiert lieber mit Fintechs als ihre Technologien zu kopieren. Quelle: AFP/Getty Images
Benoît Legrand

Der CIO der niederländischen Bank ING kooperiert lieber mit Fintechs als ihre Technologien zu kopieren.

(Foto: AFP/Getty Images)

London An Selbstbewusstsein mangelt es Benoît Legrand nicht. Auf den Ruf seines Arbeitgebers ING als Vorreiter des digitalen Bankings angesprochen, nennt er sich selbst als einen Grund für diesen Erfolg.

Der 51-Jährige trägt den Titel Chief Innovation Officer (CIO) und berichtet direkt an den Vorstandschef Ralph Hamers. „Ich bilde mir darauf nichts ein, aber die Botschaft an die Organisation ist klar“, sagt Legrand im Gespräch mit dem Handelsblatt. Um sicherzustellen, dass die Bank auch in zehn Jahren noch zu den besten gehöre, brauche man einen Innovationschef mit Durchgriffsrecht und langfristiger Perspektive.

Denn die Manager in den einzelnen Bereichen der Bank tendierten dazu, kurzfristig zu denken. „Niemand von ihnen wird an seiner Leistung über zehn Jahre gemessen“, sagt Legrand. Der Belgier, der seit 1994 bei der ING arbeitet, ist bereits der dritte CIO in fünf Jahren. Dennoch gebe es Kontinuität, weil die Strategie die gleiche geblieben sei, sagt Legrand. „Es macht keinen Sinn, jedes Mal alles umzuwerfen, wenn ein Neuer kommt.“

ING ist nicht die einzige Bank mit einem Innovationschef, war aber eine der Ersten. Aufgabe des CIO ist es, neue Entwicklungen und Trends in der sich schnell verändernden Branche gewissermaßen in Echtzeit zu verfolgen. Aktuell versuchen viele Banken, sich zu Finanzplattformen zu wandeln – und ihren Kunden nicht mehr nur eigene, sondern auch Produkte anderer Anbieter aus verwandten Branchen zu verkaufen.

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    Befördert wird diese Idee durch die PSD2-Richtlinie, die im September vollständig in Kraft trat. Diese EU-Vorgabe zwingt Banken dazu, ihre Daten Drittanbietern zugänglich zu machen – sofern die Kunden zustimmen. Über dafür notwendige sogenannte Anwendungsschnittstellen, englisch Application Programming Interface oder API genannt, können Tech-Firmen und Finanzdienstleister den Kunden einer Bank dann zusätzliche Produkte und Dienstleistungen anbieten.

    Viele IT-Systeme sind veraltet

    In Deutschland sind die Versuche mit diesem sogenannten Open Banking noch im Experimentierstadium, heißt es in einer neuen Studie von Roland Berger, über die das Handelsblatt berichtete. Banken in den Niederlanden, Großbritannien und Spanien hingegen sind schon weiter, darunter die ING, HSBC und BBVA.

    Bei ING ist der hauseigene Risikokapitalarm ING Ventures ein zentraler Teil der Zukunftsstrategie. Die Bank hat in 28 Start-ups investiert und arbeitet insgesamt mit 190 Fintechs zusammen. Das liegt inzwischen im Trend, aber auch dabei war ING besonders früh dran.

    Der Finanzsektor sei eine der ersten Branchen überhaupt gewesen, die sich digitalisiert habe, sagt Legrand. Deshalb seien viele IT-Systeme inzwischen veraltet und müssten durch die nächste Generation ersetzt werden. Dabei wende ING sich gern an Fintechs. „Wenn sie es besser können, warum sollten wir deren Technologie nochmal bauen?“

    Die ersten Investments hat ING Ventures vor vier Jahren getätigt. Einige könnten laut Legrand irgendwann auch Einhorn-Status erreichen, also eine Bewertung von einer Milliarde Dollar. Als besonders vielversprechend nennt er die Mobilkreditplattform WeLab aus Hongkong, die irische Handelsfinanzierungsplattform TradeIX, die US-Kreditplattform Kabbage und das niederländische Start-Up Cobase, eine Plattform, über die Unternehmen ihre Geschäftskonten bei verschiedenen Banken verwalten können.

    Noch hat keine Beteiligung einen Gewinn abgeworfen. Vorerst dienen sie ING dazu, die eigenen Systeme auf dem neuesten Stand zu halten und den Umbau der Bank zu einer Finanzplattform zu beschleunigen.

    Bei 75 Prozent der Beteiligungen nutzt die Bank die Technologie selbst, beim Rest investiert sie mit Blick in die Zukunft. „Das sind Firmen, die eine Technologie oder ein Geschäftsmodell haben, welche wir derzeit nicht brauchen, die aber in zwei, drei Jahren interessant sein könnten“, sagt Legrand. Als Beispiel nennt er den deutschen Versicherungsbroker Clark. „Deren Plattform könnte in drei Jahren ein wichtiger Eckpfeiler unserer Versicherungsstrategie sein.“

    Legrand ist ein großer Anhänger des Open Banking. „Wir geben Daten auf, aber wir bekommen noch viel mehr von anderen Banken. Am Ende stehen wir also viel besser da“, sagt er. „Wir werden smarter und können unseren Kunden besser helfen.“

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