Finanzdienstleister: Wirecard: Verdacht auf abgeflossene Gelder in dreistelliger Millionenhöhe
Transaktionen in Indien, unbesicherte Kredite. Wo Gelder bei Wirecard wirklich hinflossen, weiß derzeit niemand.
Foto: BloombergDüsseldorf. Im Bilanzskandal des Dax-Konzerns Wirecard verdichten sich Hinweise, dass neben wahrscheinlich nicht existenten Geldern in Höhe von 1,9 Milliarden Euro auch reale Gelder in hoher Millionensumme in unbekannte Kanäle abgeflossen sein könnten. Nach Informationen des Handelsblatts haben Ermittler, Anwälte und Prüfer in den vergangenen Tagen immer mehr Ungereimtheiten bei dem Dax-Konzern gefunden, der am Donnerstag Insolvenz anmelden musste.
Konkret soll es dabei unter anderem um einen Zukauf zu einem überhöhten Kaufpreis in Indien gehen. Dieser Zukauf war im Oktober 2015 der größte der Firmengeschichte. Darüber hinaus verfolgen die Ermittler den Fluss unbesicherter Kredite, die gewährt worden sind und deren tatsächliche Empfänger nicht klar sind.
In einer ungewöhnlichen Stellungnahme hatte der langjährige Bilanzprüfer von Wirecard, EY, am Donnerstag mitgeteilt, es gebe deutliche Hinweise, „dass es sich um einen umfassenden Betrug handelt, an dem mehrere Parteien rund um die Welt und in verschiedenen Institutionen mit gezielter Täuschungsabsicht beteiligt waren“.
EY steht inzwischen selbst stark unter Druck, hat die Gesellschaft doch jahrelang die Bilanzen von Wirecard geprüft und abgesegnet. Eine Kanzlei reichte bereits Klage ein, die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) stellte nun Strafanzeige. Erst eine Sonderprüfung der Konkurrentin KPMG bei Wirecard hatte sich mit Unstimmigkeiten an Stellen dezidiert auseinandergesetzt, die nun auch die Ermittler verstärkt ins Visier nehmen.